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Hochschule Hof: Keine Frage der Größe

Die Hochschule Hof strebt an, Vorreiter beim Aufbruch ins digitale Zeitalter zu sein. Präsident Dr. Jürgen Lehmann erzählt, wie sein Masterplan dafür aussieht

Herr Prof. Lehmann, Sie sind nun seit 2002 Präsident der Hochschule Hof. Was hat sich seit Ihrem Amtsantritt verändert?

Einiges: Die Hochschule war im Jahr 2002 mit rund 1.200 Studierenden noch relativ klein. Mit heute knapp 3.500 Studierenden konnten wir die Studierendenzahl fast verdreifachen. Außerdem sind drei Forschungsinstitute, ein Weiterbildungsinstitut und das Digitale Gründerzentrum hinzugekommen. Wir haben zudem eine Reihe neuer Studiengänge geschaffen, darunter etwa Wirtschaftsrecht mit einem interdisziplinären Ansatz.

Sie sind nun schon seit drei Amtsperioden Präsident. Was planen Sie für Ihre vierte Amtszeit?

Mein Herzensthema ist der Digitale Aufbruch in Verwaltung und Lehre. In den nächsten fünf Jahren wollen wir unsere Verwaltung komplett digitalisieren und genauso sollen sich auch in der Lehre sowohl Inhalte als auch Methoden stärker an der Digitalisierung ausrichten. Natürlich bin ich auch auf die Fertigstellung einiger von mir angestoßener Projekte wie etwa das Institut für Wasser- und Energiemanagment, das Digitale Gründerzentrum oder das Textiltechnikum in Münchberg gespannt.

Die Hochschule Hof bezeichnet sich als ›Green Tech University‹ – auch ein Projekt unter Ihrer Federführung. Was verbirgt sich hinter diesem Begriff?

Green Tech steht für eine intelligente Ressourcennutzung, ergo Nachhaltigkeit. Uns geht es dabei um die Balance zwischen Ökonomie, Ökologie und Sozialverträglichkeit. Die Grundidee ist, uns bei allem, was wir als Hochschule tun, am Leitbild der Balance dieser drei Elemente zu orientieren.

Sie haben mit Ihren Ansätzen die Entwicklung der Hochschule maßgeblich geprägt. Zuvor waren Sie als Richter und Staatskommissar tätig. Wie sind Sie nach Hof gekommen?

Mein Weg an die Hochschule Hof war ungewöhnlich, ich wurde damals innerhalb von 48 Stunden zum Präsidenten gemacht. Die Stelle war vakant und der damalige Minister fragte mich, ob ich das Amt für eineinhalb Jahre als Übergangslösung übernehmen würde. Nun wurde ich bereits zum vierten Mal in Folge wieder ins Amt gewählt. Zuvor habe ich eine klassische Beamtenlaufbahn unter anderem im Bauamt und Staatlichen Prüfamt in der Verwaltung gemacht.

Durch die Ernennung zum Präsidenten verloren Sie damals Ihren Beamtenstatus …

Viele konnten damals nicht verstehen, dass ich diesen aufgab. Aber mir war das nicht so wichtig, denn mich interessieren primär die Aufgaben und nicht das, was ich dafür bekomme. In Relation zu den Arbeitsstunden ist der Job tatsächlich eher schlecht bezahlt – das kümmert mich aber nicht. Es muss mir Spaß machen. Das hat es bisher auch und ich hoffe, dass das auch die nächsten Jahre so bleiben wird.

Die Hochschule ist im Leitbild als Wissenschaftsunternehmen definiert. Sie sind Jurist, wie führen Sie die Hochschule als Wissenschaftsunternehmen?

Eine wissenschaftliche Hochschule bewegt sich immer im Spannungsfeld der wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Anforderungen, die eine solche Einrichtung nunmal hat. Die Unternehmensführung ist jedoch tatsächlich ressourcengesteuert: Die Studierendenzahl entscheidet über das Einkommen. Diese Ressourcen versuche ich dann möglichst intelligent einzusetzen, um das Optimum herauszuholen. Die uralte Idee der Universita, in der alles durch eine Professorenmehrheit gesteuert wird, halte ich für völlig überholt. Da wird sich Jahre lang um Gelder gestritten und dann kommt nichts heraus. Es braucht meiner Meinung nach konkrete Zielvorgaben und das lässt sich nur schwer basisdemokratisch organisieren. Das Tempo der aktuellen Zeit ist dafür viel zu schnell. Es gilt heutzutage, rasch Entscheidungen zu treffen. Die können auch mal falsch sein, aber eine falsche Entscheidung ist immer noch besser als gar keine.

 Entscheidungsfreudigkeit ist gerade für eine kleine Hochschule in ländlicher Region ein wichtiger Faktor.

Genau. Wir müssen uns angesichts der demografischen Entwicklung hierzulande immer die Frage stellen, wie wir jenseits der regionalen Förderung auch überregional wahrgenommen werden. Denn das führt letztlich auch zu mehr Studierenden. Wir müssen Profile entwickeln und diese mit der Forschung verknüpfen. Seit wir beispielsweise ein Fraunhofer-Anwendungszentrum haben, steigt das überregionale Interesse für die Hochschule Hof.

Sicher hilft dabei auch der Fokus auf Trendthemen, um im Gespräch zu bleiben?

Das ist zum Beispiel für den Bereich Wasserversorgung der Fall, ein weltweites Megathema. Unser Institut für Wasser- und Energiemanagement ist gerade im Aufbau. International haben wir uns zudem mit dem Bayerisch-Indischen Zentrum ein gutes Netzwerk aufgebaut. Kein leichtes Unterfangen – die Idee kam zwar von Anfang an in der Staatskanzlei gut an, doch es passierte lange nichts. Schließlich besuchte der damalige Ministerpräsident Stoiber Indien, dann wurde das Thema wieder aktuell und wir bekamen den Zuschlag. Ein toller Erfolg, denn solche Förderungen gehen im Normalfall an große Universitäten.

Neben der Demografie stellt auch die Digitalisierung unser Land vor Herausforderung. Wie wollen Sie die Hochschule Hof darauf vorbereiten?

Wie bereits erwähnt, wollen wir eine digitale Musterverwaltung schaffen und die Hochschule zu einer modernen Arbeitswelt mit flexiblen Arbeitszeiten und -plätzen machen. Doch damit ist es nicht getan, denn die Arbeitsbedingungen der Zukunft werden sich nochmal massiv verändern. Deshalb brauchen wir neue Qualifikationen und Ausbildungswege.

Ist "hochschule dual" einer davon?

Natürlich, denn die duale Verknüpfung in der Ausbildung wirdsich künftig noch auf weitere Lebensbereicheausdehnen. Der studierte Bäcker ist nicht so visionär,wie es sich vielleicht anhören mag. In dermodernen Produktion braucht es weiterführendeFähigkeiten, die sozusagen mit dem klassischenBrot backen nichts mehr zu tun haben. Insbesonderedann nicht, wenn ein Unternehmen geführtwerden muss.

Eine weitgedachte Perspektive. Wie schaffen Sie es,dass auch die Kollegen ihre Ansätze immer wieder neu hinterfragen?

Beispielsweise hat unsere Fördergesellschaftunlängst einen mit 20.000 Euro dotiertenPreis für die modernste Lehre ausgelobt. Zielist, im Wettbewerbsverfahren die Modernisierungder Lehre voranzutreiben. Der Gewinner kann dieFördergelder dann für seinen eigenen Fachbereicheinsetzen. Wir sind zwar eine kleine Hochschule,aber ich glaube daran, dass wir durchaus Chancenhaben, beim digitalen Aufbruch ganz vorn dabeizu sein, wenn wir stets zukunftsgerichtet denken.

Eine letzte Frage: Warum würden Sie in Hof studieren?

Es ist überschaubar, das Betreuungsverhältnisist mit 1:30 denkbar gut. In einergroßen Hochschule sitzen Studierende manchmalmit tausend Leuten im Saal – wann habendiese Gelegenheit, ein individuelles Gesprächmit Dozenten zu führen oder ihre Sorgen undWünsche vorzutragen? Außerdem gefällt mirunsere Architektur, die schon deutschlandweit Preise abgeräumt hat.

Interview: Dr. Rowena Sandner


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