Foto: audimax

Hochschulporträt Uni Regensburg: Potenzial freisetzen und Freiräume schaffen

Prof. Dr. Udo Hebel, Präsident der Universität Regensburg, spricht im audimax-Interview über die drei Säulen Forschung, Nachwuchsförderung und Internationalisierung.

Prof. Dr. Hebel, nach Ihrer ersten Amtszeit sind Sie einstimmig wiedergewählt worden – alles andere als selbstverständlich. Ziehen Sie für uns Bilanz, gerne mit positiven und negativen Aspekten.

Ja,die Wiederwahl war wirklich ein sehr schöner Moment für mich,und natürlich sind diese ersten vier Jahre Anlass, Zwischenbilanz zu ziehen. Drei Punkte fallen mir hier vorrangig ein: Forschungsstärke, Nachwuchsförderung und Internationalisierung. Zum ersten hatte ich mir vorgenommen, die Forschung an der Universität Regensburg nachhaltig zu stärken und gleichzeitig die Sichtbarkeit dieser Forschung weiter zu erhöhen. Ich glaube, beides ist gelungen. Wir haben interne Programme und Anreizsysteme installiert, wir haben Informations- und Beratungsveranstaltungen für EU-Beantragungen realisiert. Außerdem ist uns in der Forschung ein großer Erfolg gelungen: Zum 1. Januar 2017 wurde das Institut für Osteuropastudien zum Leibniz-Institut. Dies ist die erste außeruniversitäre Forschungseinrichtung am Wissenschaftsstandort Regensburg und so natürlich für die Universität und den Standort Regensburg ein großer Erfolg. Der zweite Punkt ist die Nachwuchsförderung: Wir haben ein übergreifendes Graduiertenzentrum für Nachwuchsförderung eingerichtet und damit die einzelnen Anlaufstellen gebündelt. Außerdem haben wir einige interne Nachwuchsförderungsprogramme etabliert. Der dritte Bereich ist die Internationalisierung. Wir haben aktuell 311 internationale Partnerschaften – das entspricht einer Erhöhung um 20 Prozent in den letzten drei Jahren. Wir haben unsere Partnerschaften strategisch in Südamerika und Australien ausgebaut, und im nächsten Schritt füllen wir die Lücken, die wir noch haben.

Welche Pläne haben Sie für die nächste Amtszeit?

In der weiteren Stärkung unserer Forschungslandschaft und Forschungsstruktur dürfen und werden wir nicht nachlassen. In den Geisteswissenschaften haben wir nach einer langen Pause seit vergangenem Dezember wieder ein Graduiertenkolleg, das ist toll. Außerdem sind wir stolz auf das Regensburg Centrum für interventionelle Immunologie, einer unserer großen Schwerpunkte für die Medizin: Hier geht es um personalisierte Medizin und präventive Tumorbehandlung. Wir sind auf sehr gutem Wege, hier ein Leibniz Institut aufzubauen. Wenn es gelänge, dass wir am Ende meiner Amtszeit sechs Sonderforschungsbereiche haben, mehr Graduiertenkollegs in den Geisteswissenschaften und zwei Leibniz-Institute, das wäre wunderbar.

Stichwort: Interdisziplinarität …

Das ist ein weiteres Ziel von mir: die Universität in der Forschung und Lehre interdisziplinärer aufzustellen – ein komplexes Thema. Die Uni Regensburg ist eine Volluniversität. Das ist toll, weil wir das ganze Spektrum haben. Allerdings haben wir durch die Breite nicht unbedingt die Tiefe und die Verdichtung, um mit den großen Universitäten gleich aufgestellt zu sein, die vielleicht noch drei Max Planck- und zwei Leibnitz- Institute haben. Von meiner strategischen Betrachtung her müssen wir über Sonderforschungsbereiche und Graduiertenkollegs diese Verdichtung leisten, über außeruniversitäre Forschungseinrichtungen die Strukturen und Geld von außen reinholen und dann – in der nächsten Dekade – darauf aufbauen. Das ist die Idee und die Strategie. Denn: eine ›breite‹ Universität hat sehr viele Chancen für interdisziplinäre Kooperationen. Deshalb sind wir nun dabei, uns – sowohl in der Forschung als auch in der Lehre – Maßnahmen auszudenken, mit denen wir uns intern stärker interdisziplinär verbinden.

Betrifft das auch das Studienangebot?

Ja, das wollen wir profilieren und erweitern. Wir haben zum Beispiel den Masterstudiengang Digital Humanities neu eingeführt. Wir wollen Studiengänge interdisziplinär ausrichten und die Bachelor- und Masterstruktur noch konsequenter umsetzen.

Was ist das Besondere am Regensburger Campus?

Bei uns ist alles, was zu dieser Universität gehört, auf einem Campus – ohne irgendwelche Auslagerungen. Unsere Universität wurde hier auf die Wiese gebaut, die ursprünglichen Gebäude hängen alle zusammen, wir haben Grünflächen zwischendrin und viele soziale Räume überall. Und: wir haben jetzt noch Platz auf dem Campus,wo wir neue Gebäude planen können. Diese räumliche Nähe, die Verdichtung, diese Architektur – für die Architektur werden wir zwar oft gescholten, aber es gibt hier unglaublich gelungene architektonische Ecken. Aber: Man muss das mögen, die innere Logik verstehen.

Stichwort Soziales Leben – was bietet die Uni?

Die Universität Regensburg hat von Anfang an sehr viel Wert auf extracurriculare Aktivitäten gelegt, die hier auf dem Campus gelebt werden können. Wir bieten Kulturveranstaltungen, haben ein Studententheater ganz nach amerikanischer Manier, ein Studentenhaus, 17 Theatergruppen, neun Orchester, ein Symphonieorchester, eine Jazz-Combo, ein Blasorchester. Und: Wir haben ein großes Sport- und Kulturangebot. All das mhängt unmittelbar mit dem Campus-Gedanken zusammen.

Inwiefern?

Die Nähe ist etwas Besonderes! Deswegen, denke ich, können wir interdisziplinäre Vernetzungen auch zum Beispiel räumlich greifbar machen. Und natürlich nehmen wir den Kulturauftrag, den die Universität in der Region hat, sehr ernst. Man mag die Domspatzen oder nicht, aber zu den drei Domspatzen-Konzerten im Advent kommen die Leute aus der Oberpfalz und aus Niederbayern in Bussen. Wir legen viel Wert auf gesellschaftspolitische Veranstaltungen.Es gibt regelmäßig Diskussionsveranstaltungen mit wirklich hochkarätigen Gästen: Alt-Bundeskanzler Schröder war da, der frühere Finanzminister Waigel, Gregor Gysi, Kardinal Marx, der amerikanische Botschafter – um nur einige zu nennen. Das sind Veranstaltungen, die ich sehr unterstütze.

Spielt die Brückenfunktion zwischen Ost und West hier auch eine Rolle?

Die Ost-West-Brückenfunktion steht in unserem Gründungsauftrag, genauso wie die regionale Orientierung. Wir sind wahrscheinlich die Universität in Deutschland mit den meisten und am besten funktionierenden Partnerschaften in Ost- und Südosteuropa.

Wie hochschulpolitisch engagiert erleben Sie Ihre Studenten?

Die niedrigen Zahlen bei den Hochschulwahlen sprechen natürlich für sich. Ob das nun wegen Generation X oder Y so ist oder wegen irgendeiner Work-Life-Balance -Diskussion – ich halte das für ein gesamtgesellschaftliches Problem und würde mir von unseren Studierenden ein hohes Maß an gesellschaftspolitischem Engagement wünschen. Denn dieses gehört einfach dazu. Studierende sind zukünftige Entscheidungsträger und kommen normalerweise nach ihrem Abschluss in eine oftmals privilegierte Position in Gesellschaft oder Politik. Und deswegen, müssen sie sich auch entsprechend engagieren.

 


Anzeige

Anzeige