Universität Bayreuth: Klasse statt Masse

An der Universität Bayreuth steht Qualität im Vordergrund. Wie sich das äußert, erklärt Präsident Prof. Dr. Stefan Leible im Interview

Herr Prof. Dr. Leible, Sie sind seit vier Jahren im Amt. Was ist Ihre Zwischenbilanz als Präsident der Uni Bayreuth?

Es hat mir Spaß gemacht und ich glaube, mein Team und ich haben eine Menge erreicht. In der Forschung haben wir es beispielsweise geschafft, gemeinsam mit der Universität Würzburg und Erlangen-Nürnberg ein neues bayerisches Polymerinstitut aufzubauen. Außerdem haben wir ein Institut für Fränkische Landesgeschichte in Kooperation mit der Universität Bamberg gegründet.

Eine tolle Erfolgsgeschichte für die Uni und ihren Präsidenten. Sie selbst sind durch Ihren Werdegang stark mit der Uni Bayreuth verankert. Welche Stationen haben Sie hier verbracht?

Ich kam damals für mein Studium aus Norddeutschland nach Bayreuth, weil es hier einen neuartigen Cross-Over Studiengang  gab. Darauf folgte dann die Promotion und die Habilitation. Schließlich ging ich für meinen ersten Lehrstuhl nach Jena – bis der Rückruf mich wieder nach Bayreuth brachte.

Inwiefern profitieren Sie als Präsident von Ihren verschiedenen Abschnitten an der Uni Bayreuth?

Natürlich ist es nützlich, da ich die Universität sehr gut kenne und zwar aus allen Perspektiven  – Studierender, Doktorant, Habilitant und auch Professor. Das hilft mir, noch besser auf Probleme einzugehen.

Sie kennen die Uni Bayreuth also sehr genau. Wodurch hebt sie sich Ihrer Meinung nach von anderen ab?

Wir sind eine mittelgroße Universität. Das hat erstens den Vorteil, dass wir sehr schnell agieren können. Ich bezeichne uns immer als Schnellboot, und nicht als Tanker – wir können rasch auf sich wandelnde Anforderungen eingehen. Zweitens sind wir eine Campusuniversität – die schönste Deutschlands, meiner Meinung nach! Und: Wir leben den Campus. Hier gibt es sehr direkte und enge Kommunikationsstrukturen.

Wie äußert sich das?

Will einer den Präsidenten treffen, trifft er ihn nach dem Mittagessen in der Kaffeebar – das gilt genauso für den Kanzler. Wir sind auf dem Campus unterwegs, kleine Probleme können so direkt angesprochen werden. Diese Campusatmosphäre fördert auch das disziplinübergreifende Arbeiten.

Wie gelingt es, immer wieder aufs Neue Studierende vom Standort Bayreuth zu überzeugen?

Schon die Gründerväter der Uni hatten den Vorsatz, überregional Studierende nach Bayreuth zu holen. Der Anteil dieser Studierendengruppe liegt aktuell bei über 50 Prozent. Das ist sehr gut und ist bestimmt auch deshalb so, weil wir Studiengänge anbieten, die deutschlandweit in ihrer Art einmalig sind. Viele Studiengänge bot Bayreuth als Vorreiter an. Beispielsweise bei Geoökologie, Sport- und Gesundheitsökonomie sowie Philosophy & Economics waren die Bayreuther die ersten – nun gibt es zahlreiche Nachfolger. Außerdem haben wir  den Master Computergames eingeführt,  und zwar mit Schwerpunkt auf Computerspielwissenschaften.

Die Uni Bayreuth scheint ein gutes Gespür für die Notwendigkeiten von Studienangeboten zu haben …

Zumindest haben sich alle als erfolgreich erwiesen. Da wir in einer kleineren Stadt und nicht etwa in München oder Berlin angesiedelt sind, müssen wir uns als Universität etwas einfallen lassen. Vielleicht denken wir hier stärker darüber nach, was die jungen Leute interessiert als anderswo.

Einen besonders guten Ruf hat an der Uni Bayreuth unter anderem das Fach Jura. Was macht dieses Fach hier so attraktiv?

Jura ist mit hervorragenden Kollegen sehr gut besetzt. Außerdem können die Studierenden neben der normalen Juristenausbildung noch zwischen zwei Add-ons zum Staats-examen wählen, die Wirtschaftswissenschaftliche Zusatzausbildung (WWZ) und das Technikwissenschaftliche Zusatzstudium (TWZ). Im TWZ sorgen etwa spezielle ingenieurwissenschaftliche Vorlesungen dafür, dass die Absolventen komplexe technische Zusammenhänge verstehen können. Das kann etwa als Patentanwalt oder im Bereich Produkthaftung in einem Wirtschaftsunternehmen, einer großen Wirtschaftskanzlei, oder einem Beratungsunternehmen sehr hilfreich sein. Das gleiche Erfolgsmodell bieten wir mit WWZ den Jurastudierenden auch für den Bereich Wirtschaftswissenschaften an, hier schließen sie als Wirtschaftsjurist ab. Beide Optionen werden sehr gut angenommen.

Der Blick auf die Studierendenzahl zeigt insgesamt eine sehr gute Auslastung. Wollen Sie noch weiter wachsen?

Wir streben eigentlich nicht an, viel größer zu werden. Unser Leitbild ist ›Klasse, statt Masse‹. Uns liegt daran, gut betreute Studierende zu haben, die wirklich davon profitieren, dass sie in Bayreuth studieren.

Ein sehr studierendenfreundlicher Ansatz. Was erwarten Sie im Gegenzug von Ihren Studierenden?

Ich wünsche mir Studierende, die in der Lage und willens sind, sich zu engagieren. Gute Studienergebnisse setzen wir voraus, das reicht aber nicht. Wer seine Studienjahre hier in Bayreuth verbringt, soll sich auch in studentischen Initiativen beteiligen. Da gibt es ein sehr vielfältiges Angebot: Das Formula Student-Team, Nachhaltigkeitsgruppen, das Uni-Orchester  – egal, wofür sich die Studis entscheiden, Hauptsache, sie sitzen hier nicht passiv in der Uni, sondern bringen sich ein und entwickeln die Uni so ein Stück weiter. 

Das vitale Campusmiteinander scheint auch für ausländische Studierende attraktiv zu sein …

Der Anteil dieser Studierendengruppe liegt momentan bei knapp neun Prozent, zehn  Prozent sind unser Ziel. Dabei wollen wir nicht irgendwelche Studierenden, sondern die besten.

Die Suche nach den besten Talenten ist ebenso im Leitbild der Uni verankert. Wie gestaltet sich diese?

In vielen Studiengängen arbeiten wir mit Einführungsgesprächen und Eignungsfeststellungsverfahren. Letztere sind extrem wichtig, denn wir haben festgestellt, dass in den Studiengängen, in denen wir diese vorschalten, die Abbrecherquote deutlich nach unten geht. Ich glaube, mit vernünftigen Eignungsfeststellungsprüfungen können wir den Leuten wirklich helfen, durch den Studiengang zu kommen. Das ist mit viel Aufwand für die Universität verbunden, der sich aber lohnt.

Heißt das, dass die Uni Bayreuth den Elitegedanken verfolgt?

Mit diesem Begriff kann ich nicht viel anfangen. Ich möchte an dieser Uni Menschen haben –  dazu zähle ich Mitarbeiter und Studierende –, die sich engagieren. Das ist das Entscheidende für mich. Elite ist immer eine Abtrennung von anderen, eine Klassenbildung. Und wir leben hier schlicht von Qualität. Dazu gehört auch die Lebensqualität und der qualitätvolle Umgang miteinander.

 

Campus-Kenner Universität Bayreuth

Das trinkt man hier: Hefeweißbier von Maisels

Der coolste Club: Glashaus

Das schönste Plätzchen: Das Rondell, auch Hubschrauberlandeplatz genannt

Bestes Mensagericht: Fränkischer Sauerbraten

Beliebtester Prof auf MeinProf.de: Prof. Dr. Bernhard Herz, Wirtschaftswissenschaften

Wohin mit Mutti: Zum Griechen Plaka oder natürlich zu den Festspielen

WG-Kosten: 288,55 Euro Miete inklusive Nebenkosten pro Zimmer (www.studenten-wg.de)

Frauen-/Männeranteil: 45,6 /54,4 Prozent

Studierende gesamt: 13.306 (Stand: WS 2016/17)

Die größte Studentengruppe: Rechtswissenschaften


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