Prof. Dr. Axel Schölmerich, Rektor der Ruhr-Universität Bochum. Foto: audimax

Hochschulporträt: Ruhr-Universität Bochum

Gemeinsam spitze in Forschung – Prof. Dr. Axel Schölmerich, Rektor der Ruhr-Universität Bochum, im audimax-Interview.

Herr Prof. Dr. Schölmerich, Sie sind seit Oktober letzten Jahres im Amt. Was konnten Sie in dieser kurzen Zeit schon umsetzen, was haben Sie sich noch vorgenommen?

Die Ruhr-Universität hat sich in den letzten zehn Jahren gewaltig entwickelt, auch aufgrund der sogenannten Hochschulentwicklungspläne. Der aktuelle ist bis 2019 gültig und wir arbeiten intensiv daran, die dort festgelegten Ziele zu erfüllen. Dazu gehört zum Beispiel die weitere Verstärkung unserer Leistungsfähigkeit in der Spitzenforschung sowie Internationalisierung. Es geht darum, die besten Köpfe zu gewinnen und sie an der Ruhr-Universität heimisch werden zu lassen. Außerdem wollen wir Studierende gerne in die Welt schicken, sie danach aber wieder hier haben. Um entsprechende Angebote zu machen, haben wir etwa die Zahl der PROMOS- Stipendien, die wir als Universität vergeben, aus eigenen Mitteln verdoppelt.

Sie sprechen von Spitzenforschung. Gibt es Pläne für die Exzellenzinitiative?

Wir werden in der kommenden Runde der Exzellenzinitiative mit sogenannten Verbundprojekten ins Rennen gehen. Das heißt, wir werden gemeinsam mit unseren Partneruniversitäten Duisburg-Essen und der TU Dortmund mindestens einen Antrag auf ein Exzellenzcluster stellen. Aus der allerersten Runde stammt unsere Research School, eine Einrichtung, die sich der Qualität der Promotion durch zusätzliche Betreuungsangebote, einheitliche Prozeduren und dergleichen widmet. Sie ist inzwischen ein Beispielmodell für die gesamte Universitätsallianz Ruhr. Auch das Exzellenzcluster RESOLV in der Chemie ist ungeheuer erfolgreich und international sehr sichtbar, indem es viele Wissenschaftler aus dem Ausland anzieht.

Ist die Research School auf bestimmte Fachbereiche beschränkt?

Nein, sie ist ein Beispiel dafür, dass man so eine Einrichtung fachübergreifend gestalten kann. Wir haben die Mittel verwendet, um die allgemeine Qualität der Promotion zu heben, für jeden Doktoranden an der Ruhr-Universität, egal aus welchem Fach. Zugleich haben wir eine einheitliche Promotionsordnung für die gesamte Universität.

Welche Vorteile ergeben sich aus der Universitätsallianz Ruhr?

Eine Metropolregion wie das Ruhrgebiet bietet spezielle Möglichkeiten insbesondere für die so genannten ›kleinen‹ Fächer, aber auch da, wo wir mit unterschiedlichen Schwerpunkten komplementär aufgestellt sind. Im Bereich der Geisteswissenschaften haben wir zum Beispiel einen Verbund mit der Universität Duisburg-Essen in den Ostasienwissenschaften. Materialwissenschaft ist im Augenblick das wohl sichtbarste Beispiel für die Vorteile der Kooperation. In Bochum sind die Materialwissenschaften durch das Interdisciplinary Centre for Advanced Materials Simulation sehr stark, Duisburg- Essen fokussiert Nanoelemente und die TU Dortmund bringt die Produktionsaspekte ins Spiel.

Könnte ein Ingenieurstudent auch Kurse in Dortmund belegen?

Grundsätzlich ja. Jeder Studierende der Universitätsallianz Ruhr kann als Gasthörer kostenfrei in den drei Einrichtungen Kurse belegen. Im Lehramtsbereich etwa ist auch ein sogenanntes Spagat-Studium möglich, um Fächer zu kombinieren, die es nicht an einem Ort gibt.

Wie gestaltet sich das Verhältnis Bachelor-/Masterabschlüsse?

In den meisten Fächern ist der Master der angestrebte Regelabschluss. Wir haben durch das System erreicht, dass die, die bis zur Umstellung vor dem eigentlichen Diplom zum Beispiel ihr Studium abgebrochen haben, nun möglicherweise mit einem Bachelorabschluss die Universität verlassen. Allerdings muss man sich auch fragen, ob Absolventen mit 20 Jahren tatsächlich eine Berufstätigkeit mit akademischem Hintergrund angehen können. Die vielen Bemühungen um Beschleunigung in dem System sind meines Erachtens nicht wirksam, weil die Studierenden selbst merken, dass sie für ihre persönliche Entwicklung noch Zeit brauchen. Um sich zu orientieren, gehen Abiturienten oft erst einmal ein Jahr ins Ausland oder machen ein soziales Jahr.

Und die Vorzüge der Reform?

Das System ist aus meiner Sicht differenzierter. Es bietet Anreize, den Ort zu wechseln oder sich spezifischere Masterangebote auszusuchen. Viele Einrichtungen bieten einen Master mit einem besonderen Schwerpunkt, einer noch spezifischeren Ausrichtung an, zuweilen höchst spezialisiert. Im Prinzip ist es eine zu begrüßende Entwicklung, sich nach den ersten drei Jahren zu fragen, wie oder wo es weitergeht. Doch der Wechsel oder auch die Einbindung eines Auslandssemesters sind wegen der sehr engen Zulassungsfristen und der Zuteilung von Studienplätzen in vielen Fällen immer noch eine organisatorische Herausforderung.

Die Mobilität der Studierenden zu fördern, scheitert an den Rahmenbedingungen?

Das System ist mobilitätsfördernd, aber die operative Umsetzung ist nicht immer einfach und die Spielräume im Studienverlauf sind begrenzt. Es gibt Studierende, die das mit der Regelstudienzeit für den Bachelor nicht so genau nehmen. Aber auch hier stellt sich die Frage, ob das nicht ein sozial selektives Element ist, das eben nicht jeder machen und finanzieren kann. Ein Jahr länger studieren, das sind etwa 10.000 bis 12.000 Euro allein an Lebenshaltungskosten. Eine Verlängerung ist momentan eine Investition, die man sich leisten können muss. Das kann auch mit Stipendien nur unzureichend gelöst werden, sondern erfordert Änderungen der zeitlichen Rahmenbedingungen für ein Studium. Da sehe ich wirklich Handlungsbedarf.

Wie gelingt dann der Sprung ins Ausland?

Insgesamt ist die Neigung der Studierenden, ins Ausland zu gehen, erfreulich gewachsen. Wir werden unsere Stipendienangebote los, im ERASMUS-System ist eine Menge Austausch im Gang. Aber es ist immer noch eine Initiative des Einzelnen.

Gibt es auch Programme hinsichtlich Auslandspraktika?

Auch das ist im Erasmus- Programm in der letzten Runde etabliert worden. Studierende können sich ebenso für ein Praktikum bewerben. Voraussetzung für funktionierende Auslandsbeziehungen und Austauschprogramme sind Partnerschaften in der Forschung. Hier hilft sicher der Verbund der Universitätsallianz Ruhr. Die UA Ruhr erlaubt uns beispielsweise, drei gemeinsame Auslandsbüros in New York, Südamerika und Moskau zu unterhalten. Sie leisten gute Dienste in der Gewinnung von Wissenschaftlern, von Studierenden mit den notwendigen Sprachkenntnissen und generell in Sachen Marketing für die gesamte Wissenschaftsregion Ruhr. Das macht unsere Zusammenarbeit aus.

Infos rund um die Ruhr-Universität Bochum

  • Die Ruhr-Universität Bochum (RUB) ist mit 43.000 Studierenden eine der fünf größten Universitäten in Deutschland und Teil der Universitätsallianz Ruhr (UA Ruhr).
  • An der Campusuniversität wird in insgesamt 20 Fakultäten geforscht und gelehrt und 17 Double- und Joint Degree Studiengänge werden angeboten.
  • Im Jahr 2015 beging die RUB ihr 50-jähriges Jubiläum und zählt damit zu den jüngeren Universitäten. Insbesondere im Bereich der Forschung ist die RUB mit mehreren Sonderforschungsbereichen, Research Departments und Forschergruppen besonders leistungsstark.
  • Im IT-Bereich bietet die RUB Bachelor- und Masterstudiengänge im Bereich Elektro- und Informationstechnik, Angewandte Informatik und IT-Sicherheit / Netze und Systeme. Ein Forschungsschwerpunkt hier: System-, Netz- und Datensicherheit.
  • Der coolste Club: die Zeche Bochum
  • Das schönste Plätzchen: der Chinesische Garten innerhalb des Botanischen Gartens
  • Beliebtester Prof laut MeinProf.de: Prof. Dr. Klaus Schreiber (Rechtswissenschaften)
  • Wohin mit Mutti: ins Deutsche Bergbau-Museum
  • Männer-/Frauenanteil: 51 Prozent Studenten, 49 Prozent Studentinnen
  • Die größte Studentengruppe: Geistes- und Gesellschaftswissenschaftler

 

 


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