Prof. Dr. Axel Freimuth

Hochschulporträt: Uni Köln

Exzellenzstatus, kreatives Chaos und liebenswerter Charme kennzeichnen die Universität zu Köln, verrät Rektor Prof. Dr. Axel Freimuth im Gespräch mit audimax

Herr Prof. Freimuth, Sie sind seit 2005 Rektor der Universität zu Köln, wurden zweimal im Amt bestätigt. Was macht diesen großen Zuspruch aus?

Zum einen hat sich die Universität zu Köln in den letzten zehn Jahren sehr erfolgreich entwickelt. Das liegt nicht nur am Rektor, sondern an den Wissenschaftlern, den Studierenden, der verbesserten Lehre und den Verwaltungsprozessen. Der zweite gute Gradmesser ist, dass die Leute nicht das Gefühl haben, dass ich in irgendeine Richtung arbeite zu Lasten anderer. Wer das länger machen möchte, braucht ein gewisses Vertrauensverhältnis zum Rest der Universität. Wir haben in allen Gremien nach wie vor eine sehr gute Zusammenarbeit und auch eine gute Stimmung. Das Arbeitsklima an der Universität empfinde ich als sehr positiv.

Auf welche Errungenschaften sind Sie besonders stolz?

Wir freuen uns, dass wir den Exzellenzstatus geschafft haben. Aber es gibt auch eine Reihe anderer großer Dinge. Wir haben eine komplette Strukturbereinigung durchgeführt: zwei Fakultäten aufgelöst, eine neue gegründet, die Fächerstruktur neu geordnet. Dann ist die Bologna-Reform als wirklich ›dickes Brett‹ immer noch nicht fertig. Die Universität kann zufrieden sein, dass sie den doppelten Abiturjahrgang mit 30 Prozent mehr Studenten gut bewältigt hat. Das entspricht mit 12.000 einer kleineren Stadt, die zusätzlich kommen und auch in der Logistik durchkommen müssen. Am Anfang des Semesters haben wir an der Uni immer ein bisschen Chaos, bis sich alle zurechtgefunden haben. Da werden Seminare abgegeben und versucht, in andere reinzukommen. Das lassen wir zu, damit die Flexibilität drin bleibt, und nach zwei bis drei Wochen haben wir das sehr gut im Griff. Wir haben mittlerweile eine detaillierte Kontrolle darüber, wie die Räume ausgelastet sind, dass genug Platz ist.

Wie managen Sie die Raumprobleme?

Die Universität zu Köln hat als eine der ganz wenigen Universitäten Deutschlands die Möglichkeit, eigenständig zu bauen, weil uns die Grundstücke gehören. Wir haben noch Expansionsfläche von etwa 30 Prozent. Sonst hätten wir den Ansturm der Studierenden in den letzten Jahren nicht geschafft. In den letzten vier bis fünf Jahren stieg die Zahl der Studierenden um 30 Prozent, von 38.000 auf etwa 50.000. Das geht nicht, wenn wir baulich nicht entsprechend reagieren können. Ausbauen ist eine Sache, wir können aber nicht immer nur größer werden. Die normale Strategie erfordert auch, dass man auch mal etwas bleiben lässt und stattdessen einen neuen Akzent setzt. Die Kunst ist gerade, die wichtigen Themen zu identifizieren und am Puls der Zeit zu bleiben.

Welche Themen sind das zum Beispiel?

Es gibt eine ganze Reihe wichtiger Themen: Zum Beispiel haben wir jetzt ein flächendeckendes System von Graduiertenschulen an der Universität. Wir haben diese Strukturen in allen Bereichen und arbeiten systematisch daran, die Situation für die Doktoranden zu verbessern. Wir sind hier in Nordrhein-Westfalen recht ambitioniert dabei, die Arbeitsbedingungen für die wissenschaftliche Karriere mehr in den Blick zu nehmen. Dann sind wir in der Forschung und Exzellenzinitiative recht erfolgreich, gleich mit fünf Projekten, unsere Berufungen funktionieren gut, gerade haben wir im Rahmen der Alexander-von- Humboldt-Professur einen weltweit renommierten Philosophen, der zu uns kommt und vieles mehr.

Wie finanzieren Sie 38 Graduiertenschulen?

Einen Teil, circa zehn, finanzieren wir als dauerhafte Grundstruktur für die Graduiertenausbildung selbst – die Albertus- Magnus-Graduiertenschule dient als Dach. Diese Strukturen schaffen den organisatorischen Rahmen und eine gewisse Kontinuität. Sie organisieren Weiterbildungsmaßnahmen, sorgen für Qualitätssicherung und für die Sichtbarkeit nach außen. Die wichtige kommende Herausforderung ist, dass wir allen Doktoranden eine vernünftige Bezahlung anbieten und Rahmenbedingungen schaffen.

Wie garantieren Sie bei der Größe die Qualität der Lehre?

Wir haben nicht nur die Fläche und die Studierendenzahlen, sondern auch das Personal um 30 Prozent gesteigert. Aufgrund der hohen Nachfrage läuft die Kölner Uni immer an ihrer Kapazitätsgrenze. Wir haben auf allen Fächern einen Numerus Clausus und sind in fast allen Fächern um ein Vielfaches überbucht. Es gibt einen Trend weg von Groß- hin zu kleineren Veranstaltungen mit mehr individueller Betreuung.

Bei MeinProf landet die Universität zu Köln regelmäßig unter den Top Ten.

Das freut mich, weil es zeigt, dass sich die Studierenden hier trotz des angeblichen Rufs einer Massenuniversität gut betreut fühlen. Es freut mich, dass die Dozenten explizit gelobt werden, auch das Campusleben und das vielfältige Angebot, das manchmal als etwas chaotisch bezeichnet wird. Auf der anderen Seite profitieren wir auch davon, dass es lebendiger ist. Das Campusleben fand ich als Student schon toll – nicht mal nur die Frage, ob es Partys gibt, sondern eben auch die Möglichkeit, dass man da drüben, wenn man Kaffee trinken geht, unter Philosophen sitzt und ins Gespräch kommt.

Sie haben in Köln studiert, promoviert, habilitiert – was ist für Sie das Besondere an der Stadt und am Campus?

Köln ist sehr weltoffen und lässig. Das Leben hier ist ein bisschen südländisch von der Attitüde der Leute. Die lassen Fünfe gerade sein, wenn es sein muss. Sie sind tolerant, es ist freundlich, es ist offen. Die Kölner Uni ist auch ein bisschen so. Wir haben eine gute Qualität – wir sind ja nicht umsonst Exzellenzuni geworden –, aber gleichzeitig sind wir auch in der Lehre eine durchaus vorzeigbare Universität. Unsere Absolventen kommen aus der ganzen Welt – wir haben viele Partneruniversitäten – und die Austauschprogramme funktionieren mit wirklich herausragenden Universitäten. Aber trotzdem hat sie auch so eine gewisse Lockerheit. Es ist nicht alles so überreguliert. Wir haben eine gute Balance zwischen hoher Qualität und klaren Ansprüchen sowie Freiräumen und Kreativität gefunden.

Infos rund um die Uni Köln

  • Mit sechs Fakultäten, knapp 50.000 Studierenden und dem Fächerspektrum einer Volluniversität ist die Universität zu Köln die zweitgrößte Uni in Deutschland.
  • In der Exzellenzinitiative war die Universität zu Köln gleich mit fünf Projekten erfolgreich. Daneben gibt es mit der Region Rheinland ein forschungsstarkes Umfeld: Max-Planck- und Helmholtz-Institute und Kooperationen mit Top-Universitäten aus der Nachbarschaft wie Bonn, Aachen und Düsseldorf.
  • Im Bereich der Graduiertenförderung unterhält die Universität zu Köln ein flächendeckendes System zur Ausbildung von Doktoranden über alle Fakultäten hinweg.
  • Die Universität zu Köln verfügt über ein ausgesprochen gutes Arbeitsmarktumfeld – 70 Prozent der Absolventen bekommen in den ersten drei Jahren nach Abschluss eine adäquate Beschäftigung in Köln und Umgebung.
  • Freizeitgestaltung: Arthouse-Kinoszene entdecken
  • Beliebtester Prof laut MeinProf:
  • Dr. Steffen Roth, Institut für Wirtschaftspolitik
  • Wohin mit Mutti: Schiffsrundfahrt auf dem Rhein
  • WG-Kosten: durchschnittlich 11 €/m² (Quelle: Mietspiegel)
  • Männer-/Frauenanteil: etwa 19.000 Männer und circa 29.000 Frauen
  • Die größte Studentengruppe: Mit 82 Prozent weiblichen Studenten zählen die Humanwissenschaften die meisten Frauen an der Uni Köln

 


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