Prof. Dr. Wilhelm Schäfers

Hochschulporträt: Uni Paderborn

Präsident Professor Schäfer möchte die Paderborner »Universität der Informationsgesellschaft« als internationale Forschungsuniversität etablieren

Es hat sich viel geändert an der Universität Paderborn seit Prof. Dr. Wilhelm Schäfers erstem Arbeitstag im heutigen Institut für Informatik. Heute studieren 20.000 Studenten an der nordrhein-westfälischen Campusuniversität – doppelt so viele wie noch vor 20 Jahren und viele mit einem internationalen Hintergrund. 1972 gegründet steht die Universität in der Tradition einer starken Verbindung von Informatik und Ingenieurwissenschaften, die sie der millionenschweren Unterstützung des Paderborner Computerpioniers Heinz Nixdorf zu verdanken hat. Heute öffnet sich die Informatik mehr denn je interdisziplinären Anwendungsfeldern, was sich etwa in einem Sonderforschungsbereich mit den Wirtschaftswissenschaften oder in einem Kompetenzzentrum im Bereich der Digitalen Kulturwissenschaften zeigt. Es haben sich mittlerweile auch viele andere Schwerpunkte etabliert: Aktuell werden an fünf Fakultäten 67 Studiengänge im kultur-, wirtschafts-, natur- und ingenieurwissenschaftlichem Spektrum und eine Vielzahl von Fächerkombinationen insbesondere in der Lehrerausbildung angeboten. Der seit März 2015 amtierende Präsident Professor Schäfer ist überzeugt, dass diese positive Entwicklung den Standort noch einmal deutlich attraktiver gemacht hat.

Während seiner Amtszeit möchte Professor Schäfer die Universität in den kommenden Jahren »als Forschungsuniversität in ausgesuchten Profilbereichen international langfristig etablieren«. Ein Fokus liegt dabei auf dem bundesweiten Spitzencluster ›it’s OWL‹, der vom Bundesforschungsministerium mit 40 Millionen Euro gefördert wird. Zum gleichen Thema, intelligente technische Systeme, wird am Standort derzeit auch ein Fraunhofer Institut in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut für Produktionstechnologie in Aachen eingerichtet. Andere Schwerpunkte in den Bereichen Leichtbau mit Hybridsystemen sowie Optoelektronik und Photonik sollen weiter ausgebaut werden und sind auch als Sonderforschungsbereiche der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) nach außen sichtbar.

Ermöglicht wurde das Projekt vor allem durch kurze Entscheidungswege. Als erste Universität in Nordrhein-Westfalen führte Paderborn 2007 einen Hochschulrat ein, um die Entscheidungsfindung für den akademischen Senat und die Studierenden transparenter zu gestalten. Zusätzlich kommen im Consilium decanale monatlich Dekane und Präsidium zusammen. »Man braucht Verbindungen, die eine Entscheidung vorbereiten können, sodass sie mit vernünftigen Argumenten präsentiert werden kann. Durch diese direkte Kommunikation werden die Wege verkürzt. Viele Entscheidungen sind schneller und mit mehr Organisationsruhe möglich«, beschreibt Professor Schäfer.

Insgesamt ist die Universität regional sehr gut vernetzt durch Joint Ventures mit Unternehmen, Forschungsgemeinschaften und Kooperationen mit anderen Hochschulen wie beispielsweise der TU Dortmund oder der Universität Bielefeld. Diese Verbindungen, so der Präsident, sollen weiter etabliert und formalisiert werden. Er ist zuversichtlich, dass die Universität in einer »Region der Zukunft« angesiedelt ist. Weiterhin hat Paderborn es sich zum Ziel gemacht, die MINT-Fächer für Schüler – und insbesondere auch für Schülerinnen – attraktiver zu machen. Hier betont Professor Schäfer insbesondere die Kooperation mit dem Heinz Nixdorf MuseumsForum, das ›CoolMINT‹-Schülerlabor. »Das Museum hat sofort einen Zugang zu technikinteressierten Schülern, den wir so nicht haben. Wir folgen dann im Anschluss. Es ist eine optimale Kombination«, beschreibt er und fügt hinzu, dass auch der Förderpreis der Wirtschaft, der jährlich an 300 Schüler der Region verliehen wird, in den Klassen die Begeisterung für Technik und ein Studium an der UPB wecken kann. Zusätzlich versucht die Universität, ihre Lehramtsstudierenden schon während des Studiums für das Thema MINT-Förderung zu sensibilisieren und ihre Professorinnen aus den technischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen regelmäßig als Rollenvorbilder nach außen darzustellen, um von unten herauf dauerhafte Veränderungen zu erwirken.

Die Nachwuchsförderung ist insgesamt ein wichtiges Anliegen der Universität. Es sind viele Promotionsstellen mit einem hohen Fördervolumen vorhanden und die Studierenden werden intensiv gefördert und betreut. »Wir legen viel Wert auf Graduiertenkollegs«, erklärt Professor Schäfer. Mit der Aufnahme in ein solches Kolleg ist in der Regel auch ein Stipendium oder eine wissenschaftliche Mitarbeiterstelle verbunden. Zudem wird in den Kollegs – wie auch an der gesamten Universität – viel Wert auf Internationalität gelegt. 40 Prozent der Promovierenden stammen aus dem Ausland, an der gesamten Universität sind es etwa zehn Prozent der Studierenden. Die internationale Orientierung wird auch deutlich in dem umfassenden Angebot an englischsprachigen Studiengängen, das in Zukunft noch weiter ausgebaut werden soll. Vor allem in technischen Fächern profitieren Absolventen davon, sich schon während des Studiums interkulturelle sowie fremdsprachliche Fähigkeiten anzueignen.

Diese Entwicklung hat die Universität sicherlich auch ihrer intensiven Verflechtung der verschiedenen Fachbereiche zu verdanken. Als ›Universität der Informationsgesellschaft‹ hat die UPB schon früh erkannt, dass die Informatik als traditionell starke Disziplin in Paderborn in andere Fächer hinein wirken und umgekehrt auch auf Anreize reagieren kann und sollte. »Diese Interdisziplinarität hat hier immer gut funktioniert«, sagt der Präsident und spricht zum Abschluss über langfristige Ziele: Hier möchte Paderborn sich in seinen Profilbereichen als forschungsstarke Universität auf dem internationalen Markt etablieren und ein Lernumfeld bieten, das Studenten aus dem In- und Ausland anzieht. 

Infos rund um die Uni Paderborn

  • Derzeit bietet die UPB ihren rund 20.000 Studierenden 67 Studiengänge und eine Vielzahl von Fächerkombinationen insbesondere in der Lehrerausbildung
  • Am Uni-Standort Paderborn befindet sich mit dem Heinz Nixdorf MuseumsForum das weltgrößte Computermuseum, das in Kooperation mit der UPB das Schülerlabor CoolMINT anbietet.
  • Die Universität Paderborn zeichnet sich unter anderem durch ihr Spitzencluster ›it’s OWL‹ aus, das vom Bundesbildungsministerium mit 40 Millionen Euro gefördert wird. Zur gleichen Thematik entsteht am Standort auch ein Fraunhofer-Institut.
  • Neben dem Profilbereich ›Intelligente technische Systeme‹ ist die UPB auch in den Bereichen Leichtbau mit Hybridsystemen sowie Optoelektronik und Photonik führend.
  • Insgesamt nutzt die Campusuniversität eine Fläche von 380.200 Quadratmetern – das entspricht etwa 46 Fußballfeldern.
  • An der UPB studieren rund zehn Prozent internationale Studierende, die Universität selbst ist mit 194 Hochschulen in aller Welt vernetzt und bietet zahlreiche Möglichkeiten für ein Auslandssemester.
  • Mit rund 14.000 Besuchern ist das jährliche AStA-Sommerfestival eines der größten Campusfestivals Deutschlands. Es spielten dort schon bekannte deutsche Bands wie ›Wir sind Helden‹, ›Silbermond‹ oder ›Gentleman‹.

 


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