Foto: Christian Wiediger/Unsplash

App ins Getümmel!

Wie arbeitet es sich als App-Entwickler und wie setzt sich eine App auf dem Markt durch? Experten klären auf.

Rund zweieinhalb Millionen Apps waren im zweiten Quartal des Jahres 2019 alleine im Google Play Store verfügbar – eine Zahl, die drei Schlüsse zulässt: Die Nachfrage nach den Anwendungen ist relativ hoch, Apps beeinflussen und ergänzen aktiv unseren Alltag und es gibt mittlerweile eine Vielzahl an Entwicklern auf der Welt, die sich auf Apps spezialisieren. Doch wie setzt sich die einzelne Application bei der aktuellen Flut an Konkurrenz auf dem Markt durch? 

Alleinstellungsmerkmal finden 
»Optimal wäre eine Idee, die einen Mehrwert stiftet und die es so in den App Stores noch nicht gibt«, meint Benjamin Broll, Geschäftsleiter von Next-Munich. In der Regel reichen aber auch Kleinigkeiten aus, die eine App von der anderen abheben: »Dies können Features sein, die vergleichbare Apps nicht aufweisen, oder aber eine besonders intuitive oder reizvolle Usability – also die Bedienung der App beziehungsweise der Flow durch die Anwendung.« Durch solche Alleinstellungsmerkmale positioniert der Entwickler sein digitales Produkt vorteilhaft auf dem Markt. 

App als Problemlöser 
Neben herausstechenden Details einer neuen App gilt allerdings auch ein weiterer Gedanke im Entwicklungsprozess als essenziell: Bevor das Entwickeln überhaupt losgeht, muss in erster Linie gegeben sein, dass die App ein wirkliches Problem der Anwender löst. Laut Marcus Funk, Geschäftsführer von Flyacts, sollte das Alleinstellungsmerkmal einer neuen App das gleiche sein wie bei jedem neuen Produkt: »Nur digitale Anwendungen, die einen echten Nutzen bieten, die zum Beispiel einen Prozess wie noch nie zuvor optimieren, haben eine Daseinsberechtigung in dem großen Gemenge an Anwendungen, die inzwischen auf dem Markt bestehen.« Bevor es also ans große Ganze geht, muss der Entwickler prüfen, ob die geplante App einen Neuigkeitswert besitzt und eine sinnvolle Lösung für ein echtes Problem bietet. 

Auch das Unternehmen Appsfactory sieht das Bedürfnis des Kunden als Fokus, bevor eine App-Idee umgesetzt wird. Isabel Kick arbeitet dort als Marketing- und HR-Managerin und betont: »Der Markt wächst zwar mit rasender Geschwindigkeit, aber in den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass vor allem der Kunde in den Mittelpunkt der Konzeptualisierung gestellt werden muss.« Allem voran müssen sich Entwickler mit den Wünschen und Bedürfnissen der Auftraggeber beziehungsweise der Nutzer beschäftigen, bevor eine Applikation umgesetzt wird. Welche Merkmale sind also notwendig? Isabel Kick von Appsfactory klärt auf: »Den Nutzern etwa durch Connected Devices zur Steuerung von Haushalt und Auto das Leben erleichtern, ihnen personalisiert aufbereitete Informationen vermitteln – mobil und offline verfügbar mit redaktioneller Vorauswahl – und Entscheidern ihren Arbeitsplatz aufs Smartphone holen: Das sind Unique Selling Points, die Apps heute erfolgreich machen.«

Mehr als eine Idee
Du hast einen genialen Einfall, wie du mit einer App all diese Vorgaben erfüllst und zukünftigen Nutzern einen echten Mehrwert bietest? Sehr gut, aber was du jetzt noch brauchst, ist Geduld. Denn auch eine geniale Idee vermarktet sich nicht von selbst. André Hoffendahl, der in seiner Firma Applaunch regelmäßig anspruchsvolle App-Projekte umsetzt, kennt das auch. »Die Idee einer App macht letztendlich nur etwa 20 Prozent aus, 80 Prozent sind Teamarbeit und Vermarktung«, so der Geschäftsführer. »Da gibt es durchaus günstige Möglichkeiten: Zu Beginn unseres Unternehmens haben ich und mein Team Flyer im Englischen Garten verteilt«, erzählt Hoffendahl. Auch die Zusammenarbeit mit Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, zahlt sich aus. Die gegenseitige Unterstützung zwischen Influencern und App-Entwicklern kann beispielsweise dazu beitragen, der neuen App zu mehr Bekanntheit zu verhelfen. Daraus ergibt sich ein praktischer Effekt: »Ganz wichtig ist der virale Faktor. Eine App muss viral sein, das heißt, das Marketing muss dazu führen, dass automatisch immer mehr Menschen Inhalte aus der App teilen und somit eine Kettenreaktion entsteht.« Dafür braucht es noch nicht einmal eine nie dagewesene Idee – die Dating-App Tinder zum Beispiel hat trotz großer Beliebtheit in Deutschland einige große Konkurrenten wie Parship, Jaumo oder Badoo. Nutzer streuen ihre Inhalte gerne über mehrere Plattformen, sodass sich ähnliche Konzepte nicht zwangsläufig ausbooten.

Mit Einschränkungen rechnen 
Fremde Ideen umsetzen und immer auf dem neuesten Stand der Technik bleiben – App-Entwickler haben es nicht einfach. Benjamin Broll, Geschäftsführer von Next-Munich, kennt die Herausforderungen aus eigener Erfahrung: »Der Einsatz völlig neuer Technologien kann sehr komplex sein. Auch der Umgang mit Kundenwünschen, die nicht den eingetretenen Pfaden folgen, macht die Konzeption und Entwicklung sehr anspruchsvoll und spannend.« Herausfordernd gestaltet sich die Arbeit von App-Entwicklern auch durch bestimmte Einschränkungen, wie Isabel Kick von Appsfactory weiß: »Diese Einschränkungen sind zum Beispiel die Performance von Handys, die verfügbare Bandbreite der Mobilverbindung, der Akkuverbrauch von Anwendungen oder die Vielzahl vorhandener Geräte.«


Aus Baby-App wird voller Erfolg
Trotz aller Widrigkeiten und Planungsintensität birgt die App-Entwicklung allerdings auch viele lohnende Aspekte. Markus Funk von Flyacts findet: »Das Schönste an der App-Entwicklung ist es, etwas zu schaffen, das Menschen täglich nutzen und das ihr Leben und Arbeiten verbessert.« Er fügt hinzu: »Die Möglichkeit, Prozesse und Produkte komplett neu zu denken, kreativ zu werden und etwas zu erschaffen, macht jeden Tag aufs Neue Lust, sich an den Rechner zu setzen.« Den Erschaffungsaspekt betont auch Benjamin Broll: »Wir erarbeiten mit dem Kunden das Konzept. Anschließend lassen wir das Baby zum Leben erwachen. Die Quality Assurance prüft noch einmal auf Herz und Nieren, bevor alles in die App Stores geht.« Das eigene ›Baby‹ dann im Einsatz zu erleben und nach erfolgreichem Marketing sein Werk zu bewundern, schätzt auch Isabel Kick: »Wenn man überlegt, dass wir etwa die Tagesschau-App und die App für den Eurovision Song Contest umgesetzt haben, wird klar: Apps erreichen eine große Anzahl an Nutzern – entsprechend hoch ist die Motivation, eine mobile Applikation zu entwickeln, die den Usern Mehrwert und Freude verschafft.«


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