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Autonomes Fahren – Mobilität von morgen

Wie die Zukunft des autonomen Fahrens aussieht – 
und wo sie bald beginnen könnte

 

Der neue Mobilfunkstandard 5G ist zurzeit ­eines der bestimmenden Themen: Wer soll ausbauen? Wie und mit welcher Technologie soll ausgebaut werden? Und: Wo soll zuerst ausgebaut werden? Deutsche Autobauer wollen den 5G-Ausbau an Autobahnen forcieren, um das Autonome Fahren flächendeckend weiterentwickeln zu können. Der, im Vergleich zu bisherigen Standards, hundertfach schnellere Datentransfer nimmt für sie dabei eine Schlüsselrolle ein: Datenübertragungen innerhalb von nur einer Millisekunde ermöglichen erst den Austausch der nötigen Datenpakete zwischen ­Autos und Infrastruktur. Dies bestätigt auch Ralf Schmidt, Leiter des Entwicklungsstandorts Dräxlmaier Campus in Garching: »Eine wesentliche Grundlage für Autonomes Fahren ist die zuverlässige Energie- und Datenversorgung.« Seine Vision für die Zukunft des Autonomen Fahrens ist, dass Deutschland als Technologiestandort – auch bei der Elektromobilität – eine weltweite Spitzenstellung einnimmt.

 

Aktueller Stand
Aber wie weit fortgeschritten sind die Entwicklungen der deutschen Autobauer rund um das Autonome Fahren derzeit? Harsha Jakkanahalli Vishnukumar, Project Architect and lead AI-Core bei Akka, weiß: »Auf den Straßen sieht man viele Versuchsfahrzeuge, die Fahrfunktionen testen, um diese sicherer zu machen. ­Automobilindustrie, Forschungsinstitute und Regierung arbeiten daran.« Dabei verweist er auf das Forschungsprojekt Pegasus. Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte Verbundsprojekt soll Lücken in den Bereichen des Testens bis hin zur Freigabe hochautomatisierter Fahrfunktionen schließen. 17 Projektpartner aus Wissenschaft und Wirtschaft haben sich dazu zusammengeschlossen. Das Projektvolumen liegt bei 34,5 Millionen Euro.

 

Erfüllbare Erwartungen?
Prof. Dr. Eric Sax, Leiter des Instituts für Technik der Informationsverarbeitung, steht der freien Fahrt für autonome Fahrzeuge skeptisch gegenüber: »In den letzten zwei, drei Jahren haben wir hauptsächlich Showcases gesehen, die demonstriert haben, dass fahrerloses Fahren prinzipiell möglich ist.« Diese sehr individuell antrainierten Vorführungen, gepaart mit idealen Umgebungen und überschaubarem Verkehrsgeschehen haben Erwartungshaltungen geschürt, die jetzt versucht werden zu erfüllen. Zwar gäbe es deutliche Fortschritte bei schnell rechnenden Plattformen und im Bereich der Umgebungserfassung, doch hinke die Entwicklung rund um Prozesse, Methoden und Tools noch sehr stark hinterher, so Sax. Er beklagt: »Wir bauen ein Testfeld nach dem anderen auf, aber letztlich haben wir noch sehr große Herausforderungen in der automatisierten Abprüfung und der Validierung der automatisierten Fahrfunktion – und das noch über Jahre! Genau das ist jetzt unsere wissenschaftliche Aufgabe.«

Denn Sax weiß, dass der Übergang zum Autonomen Fahren ein fortlaufender Prozess ist und nicht plötzlich per Schalter umgelegt wird: »Wir hatten erst den Abstandsregelautomaten, dann den Spurhalteassistent und Einparkfunktionen. Und es wird bald Parkhausfunktionen sowie Baustellen- und Einfädelassistenten geben, bis hin zur Autobahnfahrt.« Große, schnelle Veränderungen sieht er vielmehr im Bereich der Nutzfahrzeuge: In Depots auf eingezäuntem Gelände, oder bei Bussen im Personenverkehr, die auf abgesonderten Busspuren fahren, ist Autonomes Fahren seiner Meinung nach wesentlich schneller umsetzbar. Denkbar wäre für ihn auch eine Umsetzung für Paketdienste oder Müllabfuhren, bei denen die Transportfahrzeuge sich langsam und autonom durch den Straßenverkehr tasten und der Mensch bei seiner Arbeit gar nicht erst ins Auto einsteigen muss.

 

Entwicklung schreitet voran
Birgit Degler, Leitung von Marketing und Kommunikation bei Autoliv Europa, ist sich sicher, dass die Transformation zu elektrisch und autonom fahrenden Fahrzeugen die Konzeption von Pkw und Nutzfahrzeugen stark verändern werden. »Andere Fahrzeuggeometrien, verändertes Nutzerverhalten, neue Sitzpositionen und damit einhergehende neue Crashszenarien erfordern Sicherheitskonzepte, die gänzlich neu gedacht werden müssen«, so Degler. Zu diesem Zweck habe Autoliv das Forschungsprojekt OSCCAR (Future Occupant Safety for Crashes in Cars) ins Leben gerufen, das besseren Insassenschutz in zukünftigen Fahrzeugen gewährleisten soll.

Auch bei Dräxlmaier steht Sicherheit an erster Stelle: »Unsere Entwickler analysieren ständig, welche Anforderungen neue Fahrzeugfunktionen an das Bordnetz stellen, um zu gewährleisten, dass sicherheitsrelevante Funktionen auch im Falle einer Störung noch zuverlässig arbeiten«, so Ralf Schmidt.

Harsha Jakkanahalli Vishnukumar, der hauptsächlich daran arbeitet, mögliche Unfälle autonomer Fahrzeuge mit menschlichen Verkehrsteilnehmern zu verhindern, sieht beim Autonomen Fahren eine große Chance für Umwelt, Nutzer und Dienstleister: »Es können Unfälle verhindert, der Verkehrsfluss verbessert, Staus reduziert und die benötigte Parkfläche verringert werden. Car Sharing und Peer-to-Peer-Vermietungen werden vorangetrieben und Energieverbrauch und Treibhausgase verringert.«


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