Mann in roter Jacke mit Tablet sitzt auf Berg

Arbeitsfeld E-Commerce: Was Informatiker zu tun haben

E-Commerce und M-Commerce gewinnen für Unternehmen immer mehr an Bedeutung – und somit auch für Informatiker

Kleidung, Möbel, Blumen, Lebensmittel – im Internet bekommt man (fast) alles. 98 Prozent aller Internetnutzer shoppen laut einer Bitkom-Studie online – 77 Prozent davon mehrmals im Monat. Onlineshopping ist heute so alltäglich wie der Einkauf im Supermarkt. Kein Wunder also, dass E-Commerce-Experten praktisch in allen Branchen unterwegs sind. »Informatiker im E-Commerce werden vor allem in den Bereichen Shopprogrammierung, Business Intelligence und Datenbankprogrammierung eingesetzt«, sagt Franziska Gräfe vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh) in Berlin. Kennzeichnend für das Berufsfeld E-Commerce ist seine hohe Dynamik:

»Auf der einen Seite gibt es ständig neue technologische Möglichkeiten, die zwar viel Potenzial für die Händler bieten, deren Umsetzung aber gleichzeitig auch eine Herausforderung darstellt. Es besteht hoher Investitionsbedarf – personell wie infrastrukturell – und man muss schnell auf Veränderungen reagieren«, so Gräfe.

Der Trend geht dabei immer weiter in Richtung Multi- beziehungsweise Omni-Channel. »Ein moderner Händler muss alle Kanäle gleichermaßen im Blick haben und sich von der Vorstellung verabschieden, dass Kunden zukünftig noch strikt trennen, ob sie gerade mobil, stationär online oder lokal einkaufen.« Nachmittags am Rechner neue T-Shirts in den Warenkorb legen, abends über die App des Shops vom Smartphone aus bestellen – der reibungslose Wechsel zwischen den Kanälen, auch innerhalb eines Kaufprozesses, wird immer wichtiger.

Produktentwicklung und Produktimplementierung als Aufgaben

Die Intershop Communications AG ist auf Lösungen für den Omni-Channel-Commerce spezialisiert. Das mittelständische Unternehmen mit Hauptsitz in Jena vertreibt eine E-Commerce-Software, die weltweit von Kunden aus den unterschiedlichsten Branchen genutzt wird – von Automotive über Hightech bis hin zu Food. »Informatiker übernehmen bei uns verschiedene Aufgaben von der Produktentwicklung über die Produktimplementierung beim Kunden bis hin zum Kundensupport. Sie betreuen komplette Entwicklungsprozesse von der Anforderungsanalyse bis zum ›Go Live‹ und stehen oftmals in direktem Kontakt mit unseren Kunden«, erklärt Personalreferentin Ines Groß. »Unsere Produktentwickler sind dafür zuständig, unsere Software aktuell zu halten und sorgen dafür, dass sich unser Produkt ständig verbessert. Um herauszufinden, welche Anforderungen an unsere Systeme gestellt werden und worauf es unseren Kunden wirklich ankommt, sind unsere Consultants gefragt. Manche unserer Kunden verzeichnen tausend Zugriffe pro Sekunde auf ihre Shops – da muss die Software einwandfrei laufen, sonst bedeutet das hohe Verluste.« Das Unternehmen sucht vor allem Entwickler, die in der Frontend- und Backendprogrammierung gleichermaßen fit sind. Für alle Bereiche werden gute Programmierkenntnisse in Java vorausgesetzt.

Trend hin zu eigenen Lösungen bei Software und Datenbanken

»Aus unserer Sicht geht der Trend im E-Commerce zu eigenen Lösungen bei Software und Datenbanken. Die Systeme werden individualisiert oder gänzlich neu aufgebaut. Wir setzen keine Standardlösungen für unseren Shop ein, sondern haben unsere Shopsoftware selbst entwickelt«, sagt Daniel Goertz, Geschäftsführer Marketing bei der Reuter Onlineshop GmbH, einem Fachhändler für Badprodukte, Möbel und Küchenartikel.

2004 war das Unternehmen aus Mönchengladbach eines der ersten seiner Branche, das seine Produkte online anbot. Die Informatiker bei Reuter sind vor allem in der System- oder Softwarearchitektur und im Bereich Datenbanken tätig. »Durch die kontinuierliche und schnelle Entwicklung verschiedener Technologien sind die Anforderungen im E-Commerce hoch. Außerdem werden die technischen Zyklen immer kürzer, das ist eine Herausforderung«, so Goertz.

»Da unser Unternehmen nach wie vor stark wächst, haben wir immer Bedarf an guten Leuten. Fachlich sollten Bewerber einen guten Überblick über aktuelle Webtechnologien haben. Bei webbasierten Anwendungen steht bei uns aktuell zum Beispiel Cassandra und bei Suchengines Solr im Fokus. Fundierte Kenntnisse in Java, PHP oder CSS/Javascript setzen wir ohnehin voraus.«

Mobile Commerce als wichtiger werdender Bereich

Mobile Commerce ist ein Thema, das die Branche derzeit intensiv beschäftigt. Kein Wunder: Je mehr Leute Smartphones und Tablets nutzen, desto höher auch die Chance, dass sie darüber ihre Einkäufe tätigen. »Die Nachfrage nach Mobile-Commerce-Lösungen ist bei uns derzeit sehr hoch«, so Ines Groß von Intershop. Ein zweiter Bereich, auf den sich das E-Commerce-Unternehmen in den kommenden Jahren noch stärker konzentrieren will, ist der sogenannte Synaptic Commerce. »Unser Produkt muss sich nahtlos in die individuellen Businessprozesse unserer Kunden integrieren, zum Beispiel in Systeme für Lagerhaltung, Marketing oder Kundenservice. Eine Verknüpfung könnte beispielsweise so aussehen: Ich habe vergessen, ein Produkt in meinen Warenkorb zu legen und bestelle es zusätzlich. Die verknüpften Systeme fügen die Bestellungen automatisch zusammen, sodass ich meine vollständige Bestellung in einer Lieferung erhalte und nur einmalig Versandkosten anfallen.« Weitere Trends im E-Commerce, die in den kommenden Jahren immer wichtiger werden, sind die Bereiche Personalisierung und Big Data. »Dabei geht es um die Möglichkeit, Daten sinnvoll auszuwerten, um beispielsweise Rückschlüsse auf das Kaufverhalten unserer Kunden zu ziehen«, erklärt Jana Gilb, Leiterin Recruiting beim Onlineshop About You in Hamburg, der Damen-, Herren- und Kindermode anbietet.

»Ein wesentlicher Treiber dafür ist bei uns der Bereich Business Intelligence. Unsere Kollegen dort stellen nicht nur interne Reportings bereit, sondern entwickeln komplexe Kundencluster und Empfehlungsalgorithmen.«

Das Unternehmen sucht Bewerber, die neben dem Studium bereits eigene Projekte entwickelt haben und dementsprechend Praxiserfahrung mitbringen. »Welche Kenntnisse wir voraussetzen, hängt von der Position ab. Ein Systemadministrator braucht Unix-Kenntnisse und Erfahrung in der Konfiguration von Webservern und der Konfiguration und Optimierung von Datenbanken, bei Entwicklern kommt es uns vor allem auf Programmierkenntnisse an. Wir arbeiten mit den Programmiersprachen PHP, Python, Go und JavaScript.« Von etwa 230 Mitarbeitern bei About You sind rund ein Drittel ITler, darunter Softwareentwickler, Product Leads, Development Operators, Systemadministratoren, IT Security- und QA-Engineers. Sie arbeiten verteilt auf 13 interdisziplinär aufgestellte Tech-Teams. »Unser Bedarf an Informatikern ist enorm hoch. Wir suchen kontinuierlich talentierte und vor allem auch leidenschaftliche Entwickler. Allgemein herrscht aus unserer Sicht noch ein klarer Fachkräftemangel im Bereich der Webentwicklung.« Nach einer Antwort auf die Frage, was den E-Commerce zu einem spannenden Arbeitsfeld für Informatiker macht, muss Gilb nicht lange suchen: »Ganz klar die Schnelllebigkeit. Hier passiert jeden Tag etwas Neues. Und wir gestalten gemeinsam die Zukunft des Handels. Was also kann es Spannenderes geben?« n mad


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