Arbeitswelten: E-Commerce und M-Commerce

Einkaufen über Laptop, Tablet oder Smartphone – elektronischer und mobiler Handel machen’s möglich.

Kleiner Junge spielt mit Handy

Wer von uns macht das nicht: im Laden mit dem Smartphone einen Barcode scannen, um nachzusehen, ob der Laptop anderswo günstiger ist, in der Mittagspause einen Blick in den Online-Shop einer Textilkette werfen, um zu gucken, ob sich ein Abstecher in die Fußgängerzone lohnt, oder abends auf der Couch noch schnell ein Buch bestellen? Einkäufe über das Internet zu erledigen, online Produktinformationen zu beziehen oder virtuell Preise zu vergleichen ist längst zur Gewohnheit geworden.

E- und M-Commerce machen’s möglich

Während E-Commerce für den elektronischen Handel im Allgemeinen steht, ist der M-Commerce, also der mobile Handel, eine Untergattung. Worin aber liegen die genauen Unterschiede?

Andreas Voß, Online-Produktmanager bei Otto, kennt die Antwort:

»Der Unterschied liegt vor allem im Nutzungskontext: Das Smartphone ist ein ideales Device, um Informations- und Kaufbedürfnissen unterwegs nachzugehen. Beim klassischen E-Commerce hingegen – also dem Kauf am Stationär-PC – hat der Kunde in der Regel eine konkrete Kaufabsicht und sucht den Abschluss. Für das Tablet hingegen gelten wiederum eigene Regeln.«

Trotzdem – ganz scharf voneinander abzugrenzen sind E- und M-Commerce längst nicht mehr. Das sieht auch Dirk Friedrich Walther. Walther arbeitet als Senior Product Manager bei Hermes NexTec, einem Full-Service-E-Commerce-Anbieter, der Unternehmen aus der Fashion- und Lifestyle-Branche verschiedenste Services bietet – vom Shop-Management über crossmediales Marketing bis hin zu Distribution und Kundenservice. Er beobachtet schon lange eine Verschmelzung von elektronischem und mobilem Handel:

»Bereits 30 Prozent des Onlineshoppings erfolgt heute über mobile Endgeräte – Tendenz steigend.« Was das bedeutet, liegt auf der Hand: Produkte müssen auch auf viel kleineren Smartphone-Displays erkennbar dargestellt werden und die Navigation sollte schnell, reibungslos und so ablaufen, dass der Kaufvorgang nicht abgebrochen wird.«

Responsive Design ist eine geeignete Lösung

Was sich hinter dem Begriff versteckt, erklärt Dirk Friedrich Walther: »Dabei wird bei einem Webseitenaufruf automatisch das jeweilige Endgerät erkannt und die Darstellung des Shops entsprechend angepasst. So kann eine optimale Darstellung auf nahezu allen Geräten, egal ob auf Smartphone, Tablet oder Laptop, gewährleistet werden.« Trotzdem gibt es sie noch, die kleinen Unterschiede. Mobile Endgeräte können mittlerweile Dinge, die mit einem stationären PC nicht denkbar sind und die das Verhalten von Anbietern und Nutzern beeinflussen.

»Über Lokalisierungsfunktionen«, so Walther, »die speziell für die Handynutzung eine wichtige Rolle spielen, entstehen für Vermarkter neue Potenziale. Via Geo-Tracking können zum Beispiel Gutscheinanbieter Nutzer lokalisieren und ihnen standortspezifische Angebote zusenden.«

Klingt toll für uns User, die wir von nun an fleißig mit unserem Smartphone durch die Geschäfte und Fußgängerzone des Landes schlendern, aber was bedeutet die zunehmende Loslösung unseres Einkaufs vom stationären Handel für die Händler selbst? Die müssen sich natürlich darauf einstellen. Dirk Friedrich Walther von Hermes NexTec rät seinen Kunden, verschiedene Vertriebskanäle, also elektronischen, mobilen und stationären Handel aufeinander abzustimmen.

»So«, erklärt Walther, »kann eine sequenzielle Nutzung der unterschiedlichen Medien ermöglicht werden und etwa ein erstes Anteasern von Produkten auf einem mobilen Gerät erfolgen, während der eigentliche Kaufabschluss zu einem späteren Zeitpunkt über das stationäre Internet im Onlineshop abgewickelt wird.«

Letzteres muss jedoch nicht so bleiben – immerhin befindet sich das Online-Shopping derzeit mitten in einem Umbruch. Schuld daran sind unter anderem die in die Höhe schnellenden Verkaufszahlen mobiler Endgeräte. Das hat Folgen: »Der Konsument entkoppelt sich zunehmend vom heimischen PC und nutzt neue Endgeräte wie Smartphones oder Tablets – dabei immer öfter von unterwegs.

Von E-Commerce zu Everywhere-Commerce

»Aus E-Commerce wird Everywhere-Commerce«, beschreibt Andreas Voß von Otto. Und aus One-Channel wird Multi-Channel – die Interaktion zwischen mehreren verschiedenen Vertriebskanälen wird immer wichtiger – das betrifft vor allem das Thema Shop-Optimierung. »Wichtig ist die Schaffung einer kanalübergreifenden, messbaren Vertriebsstrategie «, so Dirk Friedrich Walther von Hermes NexTec, »auch die Warenwirtschaftssysteme müssen aufeinander abgestimmt werden.« Walther ist sich sicher, dass gerade die Bedeutung des M-Commerce weiterhin zunehmen wird und beruft sich dabei auf verschiedene Studien. »So gehen etwa die Analysten von Forrester Research davon aus, dass im Jahr 2017 in den USA schon 77 Prozent aller Käufer mindestens einmal über ein mobiles Endgerät geshoppt haben werden.«

Vor dem Hintergrund dieser Trends gilt: War es ehemals der gedruckte Katalog, so ist heute der Onlineshop bei Otto der wichtigste Vertriebskanal – mit Abstand. Für Andreas Voß bedeutet das eine Menge Abwechslung bei seiner Arbeit im Bereich Produktentwicklung.

»Besonders spannend finde ich, dass sehr schnell kunden- und businesswirksame Anpassungen umgesetzt werden können. Bereits mit kleinen Anpassungen können zum Teil enorme Verbesserungen für den Kunden erzielt und sofort durch WebAnalytics-Auswertungen messbar gemacht werden. Aufgrund der vielen Veränderungen im Onlinebusiness«, ergänzt der 24-Jährige, »gibt es stets neue Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen, um am Markt mithalten zu können. Ferner mag ich meine Aufgabe im Produktmanagement von Otto.de, weil ich hier an der Schnittstelle zwischen Fachbereichen und Softwareentwicklung arbeite und sowohl betriebswirtschaftliche als auch technische Kenntnisse einbringen kann.«

Um ein Grundverständnis für alle Themen mitzubringen, muss sich Voß, der ein duales Studium der Wirtschaftsinformatik im Unternehmen absolviert hat, daher ständig mit neuen Sachverhalten vertraut machen. Eine besondere Herausforderung besteht für ihn zudem darin, die geschäftlichen Interessen der Fachbereiche bei Otto mit denen der Kunden in Einklang zu bringen. Zumeist läuft das für den Online-Produktmanager so ab: »Mein typischer Arbeitstag«, so Voß, »beginnt mit dem Daily Standup. Hierbei besprechen wir an unserem Taskboard jeden Morgen, was zu tun ist. Anschließend setze ich mich mit einem fachlichen Thema, beispielsweise mit der Optimierung der Produktempfehlungen in unserem Onlineshop, auseinander. Meine Lösungsvorschläge stimme ich mit einem Entwickler ab, um die technische Machbarkeit zu gewährleisten. Sobald ich das Briefing fertiggestellt habe, stelle ich die Pläne dem gesamten Team vor, um den Aufwand einzuschätzen und die Umsetzung einzuplanen.«

Jakob Fischer ist wie Andreas Voß studierter Wirtschaftsinformatiker. Für den PHP Developer bei Hermes NexTec ist E-Commerce eine der dynamischsten Branchen, die er sich vorstellen kann – schließlich entstehen beinahe täglich neue Entwicklungen und Trends.

»Es gibt also viel zu tun und mir macht es enormen Spaß, Teil dieser Entwicklung zu sein«, freut sich Fischer, »und das nicht nur als Konsument. Als Wirtschaftsinformatiker«, fährt Fischer fort, »finde ich im E-Commerce außerdem mit Abstand die spannendsten Themen, um meine Interessen in den Bereichen Programmierung, Web-Design und Produktpräsentation beziehungsweise -vermarktung miteinander zu verknüpfen.«

Fragt man den Wirtschaftsinformatiker nach seinem bislang spannendsten Projekt, so muss er nicht lange überlegen.

»Am spannendsten war für mich bislang die Entwicklung des E-Stores von Escada, mein erstes großes Projekt. Ich war unter anderem für die Programmierung von Produktübersichtsseiten, von Filterungs- und Sortierungsfunktionen und für den Kundenbereich myESCADA mit Sonderfunktionen wie dem Passformberater verantwortlich. Viel Abwechslung und viel Neues also – für meine Lernkurve war das super.«

Dabei verlief sein Berufseinstieg bei Hermes NexTec gar nicht so reibungslos – hatten die Vorlesungen im Studium nur wenig mit Fischers Aufgaben und dem Tagesgeschäft zu tun. Der PHP Developer musste sich zunächst eine ordentliche Portion Praxiswissen rund um die Programmierung von Onlineshops aneignen. »Auch das Verständnis für gewisse Projektstrukturen muss nach dem Jobeinstieg erst einmal reifen. Gerade für Berufseinsteiger«, meint Fischer, »ist es daher wichtig, am Ball zu bleiben und sich nicht von kleineren Rückschlägen entmutigen zu lassen. Letztendlich lebt man sich schneller ein als gedacht.« Bei Jakob Fischer hat es nur wenige Monate gedauert.

Absolventen, die wie Fischer im Bereich E- und M-Commerce bei Hermes NexTec tätig sein möchten, sollte laut Josip Kunkic, Personalreferent Recruiting bei Hermes Fulfilment, ein Studium der (Wirtschafts-)Informatik, oder Betriebswirtschaftslehre, am besten mit Schwerpunkt Marketing oder Vertrieb im Abschlusszeugnis stehen haben.

»Diese Absolventen kommen innerhalb der Hermes Gruppe vorrangig bei Hermes NexTec zum Einsatz«, so Kunkic.

Auch der Versandhändler Otto bietet Absolventen und Young Professionals zahlreiche Einstiegsmöglichkeiten entlang der gesamten Wertschöpfungskette des E-Commerce, »darunter SEO-Manager, Softwareentwickler, SAP Solution Architekten, Java- und Mobile-Entwickler, Produktmanager, Senior Consultants und Analysten«, wie Nicole Heinrich, Leiterin Ausbildung und Personalmarketing bei Otto, erzählt. Generell gilt: Der Arbeitsmarkt im Bereich E- und M-Commerce sieht derzeit rosig aus. Das liegt zum einen an der steigenden Zahl von Online-Shops und -Einkäufern, zum anderen durch die steigende Bedeutung, die der Benutzung mobiler Endgeräte zukommt und durch die in vielen Unternehmen ganz neue Abteilungen und Strukturen geschaffen werden müssen.

Wer mit seinem Profil den Anforderungen entspricht, auf den warten anspruchsvolle Aufgaben, von Anfang an. »Neue Kollegen«, so Heinrich, »werden vom ersten Tag an in die Themen eingebunden und können schnell Verantwortung für eigene Projekte übernehmen. Projekte, an denen sie dann, wie Andreas Voß, mit Feuereifer arbeiten. »Aktuell sind wir dabei, die Shop-Plattform durch eine Eigenentwicklung abzulösen. Hier arbeiten wir in verschiedenen, autarken Teams zusammen und setzen auf neue Methoden und Technologien, um dieses Projekt zu stemmen.« Für Andreas Voß das Größte – der Online-Produktmanager ist von seiner Berufswahl überzeugt:

»Es ist jeden Tag spannend, Teil dieses Projekts zu sein.«

 


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