Einstieg ins E-Commerce

Online-Handel boomt und bringt auch dich nach oben. Denn E-Commerce ohne Informatiker ist wie Einkaufen ohne Geld.

Mann steht auf Einkaufswägen

Den aktuellen Krimi-Beststeller, einen Tischgrill für den Balkon oder das passende Accessoire zur Eröffnung der Badesaison – mittlerweile gibt es fast nichts mehr, was man nicht im Internet bestellen könnte. Und das Angebot wird gerne angenommen. 141 Millionen Menschen aus acht europäischen Ländern haben laut einer Studie des skandinavischen Bezahlsystem-Anbieters DIBS in einem Zeitraum von einem halben Jahr mindestens ein Mal online eingekauft. Tendenz steigend.

Diesen Trend kann Hannah Wilkens von der Otto Group nur bestätigen. »Der E-Commerce ist inzwischen unser Kerngeschäft, er macht bereits 70 Prozent des Umsatzes aus«, sagt die 29-Jährige, die als Personalreferentin Recruitment mit Schwerpunkt IT / Neue Medien für das große deutsche Versandhaus tätig ist. Um beim Geschäftsfeld Online-Handel immer auf dem neuesten Stand zu sein und den steigenden Ansprüchen der Kunden gerecht zu werden, ist es von immenser Bedeutung, dass die Informationstechnologie von Unternehmen ständig weiter ausgebaut wird. »So müssen beispielsweise neue Shop-Konzepte entwickelt werden, die auf die Zielgruppe abgestimmt sind und ein besonderes Erlebnis beim Online-Einkauf schaffen«, nennt Hannah Wilkens ein Aufgabengebiet der rund 600 Mitarbeiter, die derzeit bei ihrem Arbeitgeber im IT-Umfeld tätig sind.

Der anhaltende Boom des Geschäftsbereichs E-Commerce sorgt dafür, dass immer mehr qualifizierte Fachkräfte benötigt werden. Das betont auch Wilfried Malcher, Geschäftsführer des Bereichs Berufsbildung im Handelsverband Deutschland (HDE): »Der IT-Bereich gehört zu den Beschäftigungsfeldern mit hoher Nachfrage nach Arbeitskräften und intensiver Konkurrenz der Wirtschaftsbereiche und Unternehmen – und der Handel ist einer der größten IT-Anwenderbranchen.« Um gut ausgebildete Mitarbeiter wird also geworben, was sich unter anderem in überdurchschnittlichen Einstiegsgehältern widerspiegelt. »Absolventen, die im Online-Handel anfangen, können bis zu 45.000 Euro verdienen«, erläutert der HDE-Vertreter.

Den meisten Firmen ist allerdings bewusst, dass sie neben guten Verdienstoptionen weit mehr bieten müssen, um als Arbeitgeber attraktiv zu sein. So haben Einsteiger bei Otto beispielsweise die Möglichkeit, ein umfassendes Traineeprogramm zu durchlaufen. Diese Ausbildung kann mit den Spezialisierungsbereichen E-Commerce, IT-Projektmanagement, Online Controlling & Analytics sowie Business Development absolviert werden. »Die Grundlage bildet eine breit gefächerte, zwölfmonatige Basisausbildung, die unter anderem Schulungen im Online-Marketing oder Shop-Management, im Projekt- und Prozessmanagement und in der Systemkoordination beinhaltet«, erklärt Hannah Wilkens. »Diese Phase endet mit einem dreimonatigen Auslandsaufenthalt, und daran schließt sich dann eine Spezialisierungsphase von einem halben Jahr an.«

Fakten zu E-CommerceDer Direkteinstieg ist bei Otto ebenfalls möglich, wie das Beispiel von Dimitrios Taousanidis zeigt. Er hat an der Leuphana Universität Lüneburg Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten IT und Logistik studiert, weil ihn die zahlreichen Möglichkeiten im E-Commerce schon lange interessiert haben. Der heute 27-Jährige lernte seinen späteren Arbeitgeber bereits bei einer Werkstudententätigkeit kennen, während der er den IT-Bereich ›Strategische Mitarbeiterentwicklung‹ unterstützte. Zusätzlich begleitete er im Rahmen seiner Diplomarbeit die Einführung eines Projektmanagement-Standards innerhalb der Informationstechnologie. Seit April letzten Jahres ist er als Rollout-Manager im Bereich Projektmanagement und Ressourcen-Steuerung fest bei Otto angestellt. »Zu Beginn erhielt ich einen Einblick in den für mich relevanten Arbeitsbereich und eine umfangreiche Gesamtübersicht über die aktuellen Prozesse in der IT«, erinnert er sich an seine Anfangszeit. »Und ich lernte die mit der IT verbundenen Fachbereiche sowie andere wichtige Schnittstellen kennen.«

Probleme, sich in den neuen Job einzufinden, hatte er nicht. »Der Großteil meiner Vorlesungen hatte eine starke Praxisausrichtung, das war für den Einstieg ins Berufsleben sehr hilfreich«, meint Dimitrios, der während des Studiums zusätzlich zwei Praktika und ein Auslandssemester in Polen absolviert hat. Derartige Erfahrungen sind für den späteren beruflichen Werdegang von großer Bedeutung: »Praxis in Unternehmen und Organisationen ist wesentlich, um die erforderlichen Kompetenzen zu erwerben«, ist sich Wilfried Malcher sicher. »Durch Praktika wissen Studierende später besser, was sie wirklich wollen«, stimmt ihm Otto-Personalreferentin Hannah Wilkens zu, die auch längere Auslandsaufenthalte nur empfehlen kann: »Solche Erfahrungen fördern die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, und helfen, sich besser in neuen Situationen und Umfeldern zurechtzufinden.«

Herausforderungen im Bereich E-CommerceFür Dimitrios ist das tatsächlich sehr wichtig, denn mit neuen Sachverhalten ist er im Grunde genommen dauernd konfrontiert. Gerade das macht ihm besonderen Spaß an seinem Beruf. »Das Schönste an meinem Job ist, dass es keine Routine gibt«, sagt er. »Jeder Tag bringt unvorhergesehene Aufgaben mit sich: Analysen müssen angestoßen und spontane Schwierigkeiten kurzfristig gelöst werden. « Hierfür braucht er neben den im Studium erworbenen Fachkenntnissen vor allem Planungs- und Koordinationsfähigkeiten sowie Kommunikationsgeschick. Letzteres bekräftigt auch Wilfried Malcher. »Mitarbeiter aus dem IT-Bereich müssen ihre Vorschläge, Lösungen und Konzepte sehr häufig auch IT-Laien überzeugend präsentieren, damit die angestrebten Neuerungen tatsächlich implementiert werden können«, sagt der HDE-Geschäftsführer. »Kommunikationsstärke und Teamgeist sind da unerlässlich.« Hannah Wilkens ist zudem davon überzeugt, dass in Zukunft Flexibilität in der Entwicklung und Projektarbeit eine wichtige Rolle spielen werden.

Wer diese Fähigkeiten mitbringt und zudem bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, ist für eine berufliche Laufbahn im Bereich Online- Handel bestens gewappnet und wird die Herausforderungen der Branche mit Sicherheit meistern. Zu diesen zählt laut Wilfried Malcher momentan beispielsweise der so genannte Mobile Commerce (M-Commerce), da Smartphones und die Internetfähigkeit neuerer Handys gerade dabei sind, Geschäftsprozesse und Vertriebswege radikal zu verändern. Auch Dimitrios weiß, dass es in seinem Bereich unerlässlich ist, immer am Ball zu bleiben: »Eine stetige Weiterentwicklung in den Bereichen E-Commerce und Neue Medien ist nötig, um flexibler und schneller auf Kundenwünsche reagieren zu können.« Nur wenn die Kunden langfristig glücklich sind, ist auch der wirtschaftliche Erfolg garantiert.


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