Mann hält sich Eisplatte vors Gesicht

Informatiker im E-Payment

Entwickler in der E-Payment-Branche sind hinterm Bildschirm im Einsatz gegen Kreditbetrüger und für Benutzerfreundlichkeit. Doch ihre Arbeit ist erst dann am besten, wenn sie unsichtbar bleibt.

Seine Arbeit ist erst dann richtig gut, wenn keiner sie sieht

Jeder, der sich schon mal online ein Bahnticket gekauft, ein Cd-Regal ersteigert oder einen neuen Krimi-Bestseller in den virtuellen Warenkorb gelegt hat, hat potenziell auch mit Markus Heins Arbeit zu tun gehabt. Und sich darüber wahrscheinlich gar keine Gedanken gemacht. Hauptsache, es funktioniert reibungslos und der exakte Betrag wird aufs korrekte Konto überwiesen. Markus Hein ist der Mann für das ›dahinter‹. er versteht die komplexen Prozesse hinter dem einfachen Klick auf den Bezahl-Button.

Der Wirtschaftsinformatiker programmiert bei ExperCash E-Payment-Lösungen. »Das Thema E-Payment hat mich sofort fasziniert«, erzählt Hein von seinen Anfängen im Unternehmen.

»Es hat einfach einen besonderen Reiz, in einem so hochsensiblen Bereich wie dem Finanzwesen tätig zu sein. Da es immer um monetäre Transaktionen geht, dürfen Fehler hier nicht passieren.«

Ein Aspekt, der auch Sebastian Schöne jeden Tag aufs Neue kitzelt. »Interessant ist es, den ständigen Kampf gegen Kreditkartenbetrug an vorderster Front erleben zu können und gleichzeitig zu sehen, wie dieser zurückgedrängt werden kann«, sagt der 36-Jährige, der vor seinem Einstieg beim E-Payment-Anbieter Heidelpay als Netzwerkadministrator an einem Uni-Rechenzentrum gearbeitet hat. Zum E-Payment hat er über IT-Felder im klassischen Handel wie Kassen- und Warenwirtschaftssysteme gefunden: »Von da war es nur ein kleiner Weg zur eigentlichen Zukunft des Handels«, meint er. Und über mangelnde Aufträge kann sich in dieser Branche wirklich keiner beklagen: »Die Branche wächst mit dem E-Commerce-Aufkommen und zusätzlich durch die immer größer werdenden Anforderungen an den Zahlungsverkehr. Im Grunde muss sich heute jeder E-Commerce-Händler einen Payment Service Provider suchen«, weiß Mirko Hüllemann, Geschäftsführer der Heidelberger Payment GmbH.

Diese Einschätzung teilt auch Markus Solmsdorff, Geschäftsführer von ExperCash: »E-Payment wird ein immer komplexeres Thema: Neue Zahlarten kommen auf den Markt, Online-Händler müssen neue Kanäle bedienen und der Verbraucher nutzt die verschiedensten Endgeräte. Entsprechend vielfältig sind die Anforderungen an die Marktteilnehmer, sowohl an Shopbetreiber, an Dienstleister wie auch an den Konsumenten. Mit immer weiterer Verlagerung von Einkaufsprozessen in digitale Kanäle wird auch die Nachfrage nach passenden E-Payment-Lösungen immer mehr steigen.« Diese entwicklung verlangt nach findigem Informatikernachwuchs. Mirko Hüllemann von Heidelpay ist zwar davon überzeugt, dass Quereinsteiger mit entsprechender Erfahrung Informatikern bisweilen überlegen sind, »da sie oft den ein oder anderen Fallstrick selber erfahren haben oder sich besser in einen weniger technischen Hintergrund eindenken können«. Er weiß aber auch um den unschätzbaren Wert von IT-Absolventen: »Gelernte Informatiker dagegen arbeiten strukturierter und können besser in die Tiefe von Prozessen und Problemstellungen vordringen.« Deshalb sucht Heidelpay insbesondere im IT-Bereich neue Mitarbeiter. Auch von ExperCash heißt es, dass dort so gut wie immer neue Kollegen eingestellt würden. »Der ideale Bewerber bringt Neugier mit und hat sich aus purer Lust bereits mit der Materie beschäftigt. Er hat Kommunikationsstärke und eine kreative Herangehensweise bei der Lösung technischer Probleme«, zählt Gregor Fedderwitz, Entwickler bei Heidelpay, auf. »Auf keinen Fall sollte er verkopft oder ein Fachspezialist sein.« In dieser aufstrebenden Domäne müsse jeder Mitarbeiter gewillt sein, sich ständig neue Kenntnisse anzueignen und sich intensiv mit Dokumentationen, Prozessabbildungen und APIs auseinanderzusetzen, gibt Markus Hein zu bedenken. Dann aber ist man als Informatiker in der Branche unersetzlich: »Die tiefen, E-Paymentspezifischen Fachkenntnisse kann man nicht einfach in einem Buch nachschlagen. Dadurch ist man als E-Payment-Entwickler eine gefragte Fachkraft.«

»Sicherheit, Verfügbarkeit und Stabilität« zählt Patrick Seeber die großen Schlagworte auf, die ihm als E-Payment-Entwickler ständig über dem Kopf schweben: »Es geht immer um die Frage: Ist mein Code sicher gegen Angriffe? Hält er auch großen Belastungen stand?«

Deshalb testen beim E-Payment- Dienstleister Payone Hacker, die gleich im Büro neben ihm sitzen, seine Arbeit auf Herz und Nieren. Im Gegenzug betrachtet er anderntags als Reviewer den thematisch völlig anderen Code eines Kollegen. »Da lässt sich immer viel dazu lernen. Hätte ich das selbst auch so geschrieben? Ist das sinnvoll und performant?«, resümiert der 27-Jährige, der in Jena Bioinformatik studiert und dort gelernt hat, mit komplexen Algorithmen und riesigen Datenmengen umzugehen. Was ihm in seinem jetzigen Job zugutekommt: »Der E-Payment-Sektor ist komplex. Mir scheint es derzeit eine gigantische Aufgabe zu sein, wirklich alles auf einmal kennen und verstehen zu wollen.« Wer aber Vorkenntnisse über verschiedene Online-Zahlungsmöglichkeiten und Spaß am Softwareentwickeln hat sowie Neuem gegenüber aufgeschlossen ist, sei in dieser Branche gut aufgehoben.

Auch Kreativität und Geduld für ›harte Nüsse‹ sollten Programmierer im E-Payment haben

Denn was für den gemeinen Online-Shopper so einfach ausschaut, ist in Wirklichkeit manchmal eben höchst knifflig. Besonders gerne denkt Gregor Fedderwitz in diesem Zusammenhang an eine Begebenheit seiner Karriere bei Heidelpay zurück:

»Ein Modulentwickler fragte mich, ob es wirklich nötig ist, das einfarbige Favicon der Seite als True-Color-Image-Objekt zur Laufzeit des Scripts generieren zu lassen, oder ob nicht auch zwei Grafiken denselben Zweck erfüllen würden. Die Antwort: Weil kompliziert manchmal mehr Spaß macht als einfach!«


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