Stellenangebote für Informatiker im Onlinehandel
Stellenangebote für Informatiker im Onlinehandel complize / Quelle: Photocase.com

Karriere im E-Commerce: ITler gesucht

Der Onlinehandel wächst und wächst. Die Aufgaben und Berufschancen für ITler ebenfalls - ein Überblick

Das Internet ist ein wunderbarer, wahnsinniger, faszinierender und manchmal beängstigender Ort. Es ist ein Ort, in dem Menschen Freunde finden und verlieren, Verabredungen treffen, sich informieren, ihre Bankgeschäfte erledigen – oder ein- und verkaufen. »Jeder Zweite betätigt sich als Online-Händler«, meldete der IT-Branchenverband Bitkom Mitte April. Damit gemeint war, dass es selbst unter Privatpersonen gängige Mode wird, Neues oder Altes, Gekauftes oder Selbstgebasteltes im Netz zu handeln. Und was für Privatpersonen gilt, gilt erst recht für Unternehmen. Der Vertriebsweg Internet ist grundsätzlich ein innovativer, selbst der winzigste Laden in der abgelegensten Seitenstraße einer Kleinstadt gewinnt mit einem Onlineshop eine mit einem Mal globale Präsenz. Die Zahl der potenziellen Kunden wächst schlagartig, mit Hilfe der gewonnen Daten und einiger technischer Hilfsmittel ist es zudem möglich, personalisiertes One-to-One-Marketing zu betreiben und so jeden einzelnen Kunden viel gezielter anzusprechen als es im stationären Handel möglich wäre.

Wachstum im E- und M-Commerce kennt keine Grenzen

Das Internetgeschäft verspricht mit anderen Worten große Gewinne, kein Wunder also, dass die Zahl der Marktteilnehmer, wie sie im wirtschaftswissenschaftlichen Fachjargon so schön heißen, ebenso stark steigt wie die erzielten Umsätze. Je nach Berechnung erwirtschafteten Onlinehändler im vergangenen Jahr zwischen 33 und 34 Milliarden Euro, allein im Vergleich zum Jahr 2012 eine Steigerung um mindestens zwölf Prozent – und anders als im stationären Handel, wo alle Prognosen auf eher abnehmende Umsätze hindeuten, scheint das Wachstum des E-Commerce vorläufig keine Grenze zu kennen. Im Gegenteil erwartet sich die Branche durch die wachsende Verbreitung von Smartphones und Tablets, Stichwort ›M-Commerce‹, nur einen zusätzlichen Schub. Schon veröffentlicht die Wirtschaftswoche ›Todeslisten‹, die verschiedenen stationären und durchaus etablierten Händlern angesichts der vermeintlich übermächtigen Konkurrenz aus dem Netz ein baldiges Ende voraussagen. So verlockend der E-Commerce deshalb sein kann: Der technische Aufwand ist allerdings hoch. Wer ihn nicht scheut, braucht entsprechend viele und geschulte IT-Experten. »Derzeit kann es gar nicht genügend Entwickler, Tester und anderweitige Fachleute geben«, betont Manuel Fischer, Bereichsleiter Software beim Branchenverband Bitkom. Ganz ähnlich lautende Stimmen aus der E-Commerce-Branche zitierte Anfang des Jahres das Hamburger Abendblatt: »Immer wieder fragen Unternehmen konkret nach, wann die Studenten fertig werden und der Praxis zur Verfügung stehen«, hieß es beispielsweise von Holger Schneider, dem Leiter des Studiengangs E-Commerce an der FH Wedel. In der Praxis sollen die händeringend gesuchten Fachkräfte mit ihrem Können dazu beitragen, dass sich die Hoffnungen auf neue Kundenkreise und hohe Umsätze am Ende auch erfüllen. Schließlich könnte auch die originellste Geschäftsidee scheitern, wenn der Onlineshop schlecht programmiert, langsam oder unsicher ist.

Vom Konzept bis zur Usability: Aufgaben im E-Commerce für ITler

Das beginnt schon bei der Konzeption des Shops: ITler müssen Datenbanken anlegen, den Shop programmieren und je nach Art des Shops spezielle Features einbauen. Wer wie Onlinehändler darauf angewiesen ist, dass Besucher tatsächlich auch kaufen – in der Internetwirtschaft ist hier von der ›Conversion‹ die Rede – muss seine Seiten optisch ansprechend und vor allem benutzerfreundlich gestalten. Wer ein Produkt sucht, sollte es mittels einer einfachen und funktionierenden Suchfunktion schnell finden können. Durch die Architektur sollten sich User ohne große Umwege hindurchnavigieren können. ›Usability‹, also die einfache Handhabe, ist das Zauberwort eines jeden Shops, die dafür notwendigen technischen Grundlagen, Suchalgorithmen und ähnliches kommen aus den Entwicklerstuben unserer Informatiker. »Je nachdem ob sie Inhouse arbeiten oder für einen externen Dienstleister«, ergänzt Manuel Fischer, »müssen Entwickler sich dabei stets mit Kollegen oder Kunden abstimmen. Es ist also ein auch sehr kommunikativer Job.«

Datenschutz und Datensicherheit: wichtige Themen im E-Commerce

Alle beim Betrieb eines Onlineshops anfallenden Daten wiederum müssen auf einem oder, bei zunehmender Größe des Unternehmens, mehreren Servern liegen, die wiederum firmeneigene sein oder von Fremdanbietern, den sogenannten Hostern, gestellt werden können. Es sind Firmen wie Strato, ein Berliner Hosting-Anbieter, der wegen der gestiegenen Nachfrage erst Ende des vergangenen Jahres sein Rechenzentrum erweiterte und dabei immerhin 55.000 Server umzog. Eine solche gewaltige Infrastruktur muss natürlich von berufener Hand gepflegt, gewartet und auf dem neuesten Stand gehalten werden. »Um kurze Entstörungszeiten und dazu noch einen qualifizierten Service zu bieten«, zitiert die Fachzeitschrift Internet World Business Sebastian Ringel, den Geschäftsführer des Hostingdienstleisters Maxcluster, »sind viele gut ausgebildete Mitarbeiter mt Entwicklererfahrung notwendig.« Dieser Bedarf wird in Zukunft eher noch zunehmen. Zwar rechnet die vom Verband der Deutschen Internetwirtschaft eco herausgegebene Studie ›Die deutsche Internetwirtschaft 2012-2016. Zahlen, Trends und Thesen‹ mit einem vergleichsweise moderaten Wachstum des Hostingsegments um jährlich 4,7 Prozent. Gleichwohl glauben einzelne Dienstleister an eine noch stärkere Nachfrage, da eben auch immer mehr stationäre Einzelhändler eine Onlinedependance ihres Geschäfts eröffnen.

Dabei spielen, unabhängig davon, ob der Shop auf eigenen oder gemieteten Servern gehostet wird, Sicherheitsfragen eine enorm wichtige Rolle – erst recht in Zeiten von Spähaffären, massenhaftem Datenklau und dem katastrophalen Heartbleed-Bug. »Cybercrime«, heißt es in der erwähnten eco-Studie, »erfährt eine zunehmenden Industrialisierung und damit eine nicht zu unterschätzende und nie dagewesene professionelle und kriminelle Energie.« Für den E-Commerce wird es so zu einer essenziellen Frage, Firmen- und insbesondere Kundendaten mit den bestmöglichen Mitteln vor jedem unbefugten Zugriff zu schützen. Andernfalls nehmen sich womöglich doch mehr Menschen den Publizisten Hans Magnus Enzensberger zu Herzen, als es Onlinehändlern lieb sein kann. Enzensberger nämlich hatte Ende Februar unter dem Titel ›Wehrt euch!‹ »Spielregeln für die digitale Welt« aufgestellt und dekretiert: »Waren oder Dienstleistungen via Internet sollte man meiden. (...) Anonymer Einkauf ist besser.«


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