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Karriere machen als Wirtschaftsinformatiker

Wirtschaftsinformatiker kennen sich sowohl unternehmerisch als auch mit IT aus. Das macht sie zu besonders begehrten Fachkräften

Wer Wirtschaftsinformatik studiert, muss sich jobtechnisch wenig Sorgen machen: Auf Absolventen warten spannende Projekte in verschiedensten Branchen. Die Kombi aus Wirtschaft und Informatik eröffnet prima Chancen, im Job Verantwortung zu übernehmen, gut zu verdienen und innovativ zu sein.

So wie Natalie Geigenberger. Seit drei Jahren arbeitet sie bei einem mittelständischen FinTech-Unternehmen. »Eingestiegen bin ich als Business Analyst im Bereich Business Development. Mittlerweile habe ich meinen Fokus auf die Software-Entwicklung gelegt und leite nun seit zwei Jahren als Product Owner ein zwölfköpfiges, agiles Team«, erzählt sie. Gemeinsam mit ihrem Entwicklerteam aus Frontend-, Backend-, User Experience-, Infrastructure- und Testing-Experten entwickelt sie derzeit ein Kundenportal für das B2C-Geschäft des Unternehmens. »Hier ist es wichtig, die Kundenbrille aufzusetzen und sich ständig zu fragen, was den größten Mehrwert für den Kunden schafft«, beschreibt Geigenberger. Dabei wendet das Team Methoden wie Design Thinking und Use Labs an.

Sobald klar ist, welches Feature den größten Mehrwert schafft, befasst sich Geigenberger detailliert mit der Umsetzung. Dann geht es um Fragen wie: Was muss getan werden? Wo lauern Stolpersteine? Wie können alle Teammitglieder gemeinsam daran arbeiten? Gleichzeitig stimmt sie sich mit dem Management ab und plant den Livegang. Das Beste an ihrem Job sei die Zusammenarbeit mit dem interdisziplinären Team und die große Verantwortung, die sie tragen darf. »Natürlich müssen Wirtschaftsinformatiker die Nähe zur Softwareentwicklung mögen und auch die agile Arbeitsweise ist nicht jedermanns Sache. Jedoch lassen sich so die neuesten Technologien kennenlernen und innerhalb kürzester Zeit Produkte an den Markt bringen.« Absolventen empfiehlt sie, offen zu sein. Es gebe nicht die eine Branche, sondern überall ergäben sich Chancen: »Wer Lust hat, sich in neue Themen einzuarbeiten, wird überall Erfolg haben«, rät sie.

Wirtschaftinformatiker: überall heiß begehrt

Tatsächlich können Wirtschaftsinformatiker in fast allen Branchen Fuß fassen. Sie kennen sich mit digitalen Produkten, der Digitalisierung von Prozessen sowie den erforderlichen IT-Systemen und Infrastrukturen aus. Gleichzeitig haben sie einen unternehmerischen Blick. Beide Bereiche sind für nahezu alle Unternehmen relevant und nur wenige Absolventen können unternehmerische und technische Expertise so gut verbinden wie Wirtschaftsinformatiker. »Besonders stark werden Wirtschaftsinformatiker von ›IT-basierten‹ Unternehmen, von IT-Unternehmen und von Beratern gesucht«, erklärt Professor Thomas Hess, Direktor am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, Institut für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien an der Ludwig-Maximilians-Universität München. IT-basierte Unternehmen wie Medien- oder Handelsunternehmen seien vom digitalen Wandel besonders tangiert. Ebenfalls drängend sei das Thema aktuell auch bei Finanzdienstleistern und Automobilherstellern. Die Nachfrage nach den Produkten und Services von IT-Unternehmen, etwa durch Software-Häuser oder Outsourcing-Anbieter, wächst in Folge der fortschreitenden Digitalisierung. Auch hier sind Wirtschaftsinformatiker stark gefragt. Daneben wachse die Nachfrage nach der Unterstützung durch Berater auf operativer und strategischer Ebene, weiß Hess. Er sieht aber auch die Unternehmensgründung als ein wichtiges Feld für Wirtschaftsinformatiker.

Wirschaftsinformatiker arbeiten an der Schnittstelle

Auch bei der Deutschen Post DHL Group sind Wirtschaftsinformatiker wichtige Fachkräfte: »Als weltweit tätiger Konzern wollen wir uns auch in der digitalisierten Welt behaupten: Aus diesem Grund loten wir neue Geschäftschancen aus, setzen Technologien optimal ein und etablieren eine Kultur in unserem Unternehmen, die den digitalen Wandel aktiv unterstützt«, erklärt Stefan Wenzel, Head of Center of Digitization bei der Deutschen Post DHL Group. Um diesen Prozess optimal zu unterstützen, benötigt das Unternehmen Mitarbeiter mit profunden IT-Kenntnissen, einem grundlegenden Verständnis von wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhängen und einem Gespür dafür, welche Möglichkeiten und Herausforderungen sich durch die Digitalisierung ergeben können.

Auch in der Versicherungswelt steht die Digitalisierung derzeit weit vorne: Der Alte Leipziger-Hallesche Konzern hat einen vergleichsweise großen IT-Bereich und bewegt dort viele Themen. Mit der zunehmenden Bedeutung besteht ein entsprechend größerer Bedarf an Wirtschaftsinformatikern, vor allem in der Anwendungsentwicklung. »Neben unserer umfangreichen IT-Infrastruktur rund um unsere Versicherungsprodukte und die Verwaltung, entstehen ständig neue Aufgaben und Projekte«, erzählt Andreas Bernhardt vom Alte Leipziger-Hallesche Konzern. Beispielsweise gibt es eine Ideenwerkstatt, die an digitalen Entwicklungen für die Kunden des Versicherungskonzerns arbeitet. »Die innovativen Lösungen müssen aber auch umgesetzt werden – auf der Grundlage von fundiertem Wissen aus beiden Welten, IT und BWL«, sagt Bernhardt. Neben dem Fachwissen sollten Bewerber hier eigenverantwortlich, kommunikativ und neugierig auf neue Entwicklungen sowie engagierte Team-player sein. Dann lockt eine steile Karriere.


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