Taschenrechner auf Blatt mit Stift
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Für Itler: Arbeiten mit Finanzen und Versicherungen

Lust auf Veränderungen? Dann komm in die Welt der Finanzdienstleister und Versicherungen

38 Millionen Deutsche nutzten im Jahr 2016 Online-Banking-Dienste. 4,4 Millionen Versicherungskunden haben vergangenes Jahr im Internet eine Versicherung abgeschlossen. Hunderte von Apps wollen Nutzern den Umgang mit ihren Finanzen erleichtern. Willkommen in der digitalen Welt der Banken, Versicherungen und Finanzdienstleister.

»Eine schicke Webseite, eine coole App für ein jugendliches Publikum und schon ist die Digitalisierung vollzogen? Dem ist nicht so!«

Mario Zillmann, Partner bei Lünendonk & Hossenfelder

Digitalisierung ist auch in der Finanzbranche unerlässlich

Lange Zeit hinkte die Finanzbranche beim Thema Digitalisierung hinterher. An den Schnittstellen zu Kunden und Interessenten ist in den vergangenen Jahren bereits viel passiert – doch die internen Prozesse werden erst nach und nach digitalisiert. Das ist auch dringend nötig, denn anders lassen sich die vielen Daten, die durch onlinebasierte Geschäftsmodelle, aber auch durch die anhaltend hohen Regulierungsanforderungen gesammelt werden, nicht in den Griff bekommen. Aufsichtsbehörden fordern von Banken Stresstests und Performance-Kennzahlen, das interne Risikomanagement braucht Daten für die Risikoabschätzung. Big Data ist das Stichwort, das vor allem Banken und Versicherungen beschäftigt. Auch die IT-Sicherheit ist ein besonders wichtiges Thema in der Branche, die auf das Vertrauen ihrer Kunden baut.

»Prozesse und Produkte der Finanzwelt werden sich weiterhin verändern, die Entwicklungszyklen werden schneller«,

glaubt Prof. Dr. Peter Roßbach von der Frankfurt School of Finance & Management.

Daher braucht die Branche dringend Informatiker und Wirtschaftsinformatiker, die die Unternehmen auf ihrem Weg in die Digitalisierung begleiten.

Vielfältige Aufgaben als ITler in der Versicherungsbranche

Eines der Unternehmen, die händeringend Nachwuchs suchen, sind die Barmenia Versicherungen.

»Es ist schwierig, gute ITler zu finden, denn die Finanzbranche hat leider den Ruf, nicht besonders sexy zu sein«,

sagt Personalreferent Michel Hose.

»Wer aber einmal bei uns reingeschnuppert hat, ist meist überrascht über die Vielfalt der Aufgaben und die moderne und agile Arbeitsweise.«

Die Barmenia beschäftigt über 200 Mitarbeiter in der IT. Die meisten Informatiker arbeiten in der Entwicklung und setzen die Anforderungen der Fachbereiche um. Andere beschäftigen sich etwa mit SAP-Lösungen oder betreuen die IT-Infrastruktur für die Mitarbeiter im Haus.

»Die Nähe zu den Fachbereichen ist uns wichtig, daher wollen wir unsere IT-Aufgaben auch nicht zu externen Dienstleistern auslagern«,

so der Personalreferent.

Brücke zwischen Technikern und Versicherungsfachleuten

Die Softwareentwickler kümmern sich zum Beispiel um Kundenmanagementsysteme, um die Internetpräsenz des Unternehmens oder um digitale Abschlussprozesse für Versicherungsverträge. An Ideen mangelt es den Fachbereichen nicht:

»Für unsere Krankenversicherungskunden haben wir beispielsweise eine App entwickelt, mit der sie ihre Arztrechnungen einscannen und online an uns schicken können«,

berichtet Michel Hose.

Damit sich ITler und Versicherungsexperten auch verstehen, gibt es in der Entwicklung erfahrene Leute, die sich jahrelang in Versicherungsthemen eingearbeitet haben. Auf Produktseite hingegen sitzen Zuständige, die auch Ahnung von IT haben. Diese beiden sprechen die gleiche Sprache und bilden damit die Brücke zwischen den Technikern und den Versicherungsfachleuten.

Praktika und Werkstudententätigkeiten in der Finanzbranche für reine Informatiker

»Besonders gute Brückenbauer sind Wirtschaftsinformatiker«,

ist Peter Roßbach von der Frankfurt School überzeugt,

»weil sie Wissen aus Technik und Wirtschaft mitbringen.«

Reinen Informatikern empfiehlt er, durch Praktika oder Werkstudententätigkeiten in der Finanzbranche Berufserfahrung zu sammeln.

»Auch Traineeprogramme können für den Einstieg hilfreich sein«,

so der Professor.

Selbst wenn die IT-Aufgaben aufgrund der vielen Regulatorien strukturiert angegangen werden müssen, ist auch Kreativität gefragt, so Roßbach weiter.

»Viele der künftigen Anwendungstechnologien arbeiten mit Künstlicher Intelligenz«,

nennt er ein Beispiel.

Innovative Option: Fintechs

Zahlreiche Start-ups machen mittlerweile Banken und Versicherungen Konkurrenz. Ihr Vorteil: Sie konzentrieren sich von Anfang an auf den Einsatz moderner Finanztechnologien. Die Geschäftsmodelle sind ganz unterschiedlich: Fintechs vermitteln beispielsweise Finanzprodukte, unterstützen Kunden bei Finanzentscheidungen oder bieten Kreditvergleichsdienste. Den Ideen der Gründer sind keine Grenzen gesetzt, fast täglich betreten neue Anbieter den Markt.

Erhöhte Effizienz durch Digitalisierung

Eins der bereits etablierten Fintech-Unternehmen ist der Kreditvermittler Auxmoney, der seit zehn Jahren private Kreditnehmer und Anleger über einen Online-Marktplatz zusammenbringt.

»Wir wollen unsere Geschäftsprozesse soweit es geht digitalisieren. Das macht es für unsere Kunden einfacher und schneller und für uns effizienter«,

erklärt Chief Operation Officer, COO, Arie Wilder.

Informatiker arbeiten dabei in agilen Teams eng mit Produkt- und Testmanagern zusammen, die die neu entwickelten Features testen, bevor sie öffentlich gemacht werden. Die Softwareentwickler werden früh in die Ideenfindung eingebunden und gestalten die Produkte mit.

Finanzwissen ist keine primäre Voraussertzung

»Fachlich sollten sich Bewerber mit PHP-Programmierung und dem Datenbanksystem MySQL auskennen«,

sagt Arie Wilder.

Kenntnisse zu weiteren Softwareprogrammen sowie dem Webframework Symfony sind von Vorteil.

»Finanzwissen ist für uns eher sekundär«,

so der COO,

»das können wir von Informatikern weniger erwarten«.

Allerdings sollten Bewerber gegenüber Finanzthemen aufgeschlossen sein und sich vor allem in den Kunden hineinversetzen können. Darüber hinaus sind Neugierde und die Motivation, sich weiterentwickeln zu wollen, entscheidend.

»Im Gegensatz zu vielen klassischen Finanzdienstleistern setzen wir auf agile Softwareentwicklung«,

so Wilder.

Das bedeutet: sich selbst organisierende Teams, ein geringer bürokratischer Aufwand und schnelle Entwicklungszyklen.

Die Finanzbranche als spannender Bereich für ITler

Wenn man also genau hinschaut, wird klar: Die Finanzbranche ist alles andere als verstaubt. Es tut sich derzeit viel – mitunter viel mehr als in anderen Branchen, die die Digitalisierung bereits vollzogen haben und schon wieder in ruhigerem Fahrwasser schwimmen. ITler, die Lust auf Veränderungen haben, sind also aktuell bei Banken, Versicherungen, Finanzdienstleistern oder Fintechs gut aufgehoben.

Sina Gunkel

Personalentwicklung & Talentmanagement, comdirect

»Bewerber sollten für einen Einstieg bei uns ein abgeschlossenes IT-Studium oder eine vergleichbare Qualifikation mitbringen. Die Begeisterung für IT-Themen und erste Erfahrungen in Programmen wie Java sind ebenso wichtig wie die Freude an Teamarbeit, Begeisterung für Neues und eine gute Kommunikationsfähigkeit.«

Michel Hose

Personalreferent, Barmenia Versicherungen

»ITler, die sich bei uns bewerben, müssen keine Versicherungskenntnisse mitbringen – das lernen sie bei uns in Weiterbildungen und bei der täglichen Arbeit. Von Vorteil sind zum Beispiel Java-Kenntnisse, denn Java ist bei uns die gebräuchlichste Programmiersprache. Berufserfahrung in der Branche wäre wunderbar.«

Marc-Oliver Dorn

Senior Manager Human Resources, Hannover Re

»Neben dem Wissen aus dem Studium sollten ITler erste praktische IT-Erfahrungen mitbringen. Darüber hinaus ein starkes Interesse, fachlich aktuell zu bleiben. Da wir auch für unsere internationalen Standorte Service anbieten, sind Englischkenntnisse und Spaß an der Zusammenarbeit mit Kollegen aus anderen Kulturkreisen sehr wichtig.«

Frank Paul

Abteilungsleiter IT Finanzierung & Zahlungsverkehr, HSH Nordbank

»Unsere Informatiker müssen das, was sie tun, in verständlichem Deutsch erklären können. Wir erwarten zu Beginn keine tiefen Bankkenntnisse, es ist allerdings zum Berufsstart hilfreich, ein Grundverständnis für Bankfunktionen zu haben. Softwareentwicklung erfolgt in der Regel mit Java beziehungsweise ABAP als Programmiersprache der SAP.«


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