Informatiker bei Banken und Versicherungen

IT-Experten arbeiten nicht nur in der dazugehörigen Branche, sondern sind auch aus dem Banken- und Versicherungssektor nicht wegzudenken.

Schafherde auf Wiese

In Banken und Versicherungen arbeiten hauptsächlich Zahlenfüchse?

Sie beschäftigen sich mit Kreditrisiken, Policen oder Wertpapieranlagen? Diese Behauptung stimmt so nicht ganz. Auch die IT spielt eine tragende Rolle. Genau genommen würde ohne sie gar nichts gehen. Wie im Fall der HUK-Coburg. Bei der oberfränkischen Versicherungsgruppe arbeiten IT-Experten in nahezu allen Unternehmensbereichen.

IT-Inhouse Consulting, Governance, Großrechnersysteme, IT-Datenbankadministration, Netzwerkmanagement, Systembetreuung und Softwareentwicklung sind nur einige davon. Im Bankensektor ist das nicht anders, wie Juliana Geist, Spezialistin Personalmarketing bei der Commerzbank, bekräftigt:

»In fast jedem Segment der Bank sind IT-Spezialisten zu finden, die auf die technischen Gegebenheiten des jeweiligen Bereiches spezialisiert sind. Der Großteil unserer IT-Spezialisten arbeitet jedoch in dem Bereich Information Technology – rund 3.000 Mitarbeiter.«

Das ist eine ganze Menge. Eine von ihnen ist Elisabeth Kilzer. Sie ist nach einem Bachelor in Wirtschaftsmathematik und einem Master in Mathematik als Trainee bei der Commerzbank eingestiegen. Das war vor einem Jahr. Heute arbeitet Kilzer als Projektleiterin in der IT. Ihre Aufgabe ist es, Projekte zu planen, den jeweiligen Zeitrahmen festzulegen und die Verantwortlichen zu bestimmen. Auch während der Umsetzung muss die IT-Spezialistin stets den Überblick über das Projekt behalten, Teilziele dokumentieren und Vertragsverhandlungen mit verschiedensten Dienstleistern führen. Eine Position mit sehr viel Verantwortung, gleichzeitig aber die beste Entscheidung ihres Lebens, wie die 26-Jährige findet. »Die Arbeit als Projektleiterin ist sehr abwechslungsreich«, schwärmt Kilzer.

»Aufgrund der begrenzten Laufzeit von Projekten komme ich im Laufe meiner Karriere mit vielen unterschiedlichen Themen und Menschen in Kontakt. Aus diesem Grund muss ich nicht nur inhaltliche und konzeptionelle Fähigkeiten haben, sondern auch kommunikativ sein, da ich den einwandfreien Ablauf des Projektes sicherstellen muss.«

Nicht die einzigen Herausforderungen, mit denen die junge Projektleiterin umgehen muss: So führen Zeitdruck und knappe Ressourcen nicht selten zu Abweichungen vom ursprünglichen Projektplan. Eventuelle Risiken, die das Projekt und seine Qualität gefährden könnten, müssen daher rasch erkannt werden, schließlich darf das Ziel nicht aus den Augen verloren und verspätet fertig gestellt werden. Elisabeth Kilzer hat in ihrer jungen Karriere schon an vielen Projekten mitgearbeitet, das aktuelle findet sie jedoch bisher das spannendste:

»Im Projekt geht es um die Realisierung der neuen Filialstrategie, bei dem das neue Filialkonzept der Commerzbank umgesetzt wird«, erklärt Kilzer. »Die Herausforderungen dabei sind die vielen unterschiedlichen Teilprojekteinheiten, die untereinander abgestimmt und koordiniert werden müssen. Dazu gehört nicht nur die IT, auch segmentsübergreifend sind Mitarbeiter involviert. So muss das Marketing-Team genauso in der Planung berücksichtigt werden wie beispielsweise die Innenausstatter oder der Vertrieb. So habe ich jeden Tag mit Kollegen aus den unterschiedlichsten Bereichen zu tun, die alle auf den Erfolg dieses Projektes einzahlen. Diese Zusammenarbeit ist jeden Tag eine neue Herausforderung!«

Jeden Tag eine neue Herausforderung

Das gibt es auch bei HUK-Coburg. Christian Barkow ist hier als Inhouse-Consultant und ScrumMaster tätig. »Ein typischer Arbeitstag«, so der 35-Jährige, »beginnt mit dem Prüfen meiner E-Mails. Denn diese könnten ja Auswirkungen auf meine Projektarbeit haben oder zusätzliche Aufgaben zum Tagesgeschäft beinhalten. Anschließend findet ein kurzes Meeting mit dem Entwicklungsteam statt, um offene Fragen und den Projektstand zu klären. In Einzelgesprächen mit den Entwicklern werden zusätzlich Lösungsansätze erarbeitet oder Fragen beantwortet.« Auch mit der Fachabteilung muss Barkow Gespräche führen. Dabei geht es hauptsächlich um sich ändernde Anforderungen oder Informationen, die aus anderen Abteilungen ermittelt werden müssen. »Unsere Ergebnisse«, so der Diplom-Wirtschaftsinformatiker, »werden dann regelmäßig an die Führungsverantwortlichen weitergeleitet, schließlich sind sie Auftraggeber unserer Projekte. Zwischendurch widme ich mich noch Aufgaben, die beispielsweise als Rahmenbedingungen oder Unternehmensrichtlinien für unsere Projekte berücksichtigt werden müssen.«

Christian Barkow erzählt begeistert von seinem spannendsten Projekt, der Neuentwicklung einer KfZ-Angebotsanwendung:

»Es wurde eine zukunftsträchtige Anwendung gefordert, die auch Basis für weitere Angebotsanwendungen sein sollte. Damit musste das Navigationskonzept der Oberfläche allen Sparten entsprechen, um wiederverwendet werden zu können. Zusätzlich ist dabei die Softwarearchitektur neu konzipiert worden, so dass Umstellungen am Framework nötig wurden. Die Verbindung zwischen Anforderungsbeschreibung und Implementierung wurde sehr eng aneinander gekoppelt. Damit ergaben sich positive Auswirkungen auf das Management des Projektfortschritts und ein besonders guter Ausgangspunkt zur Kommunikation aller beteiligten Abteilungen.« Was Barkow hier beschreibt, ist genau das, was seine Arbeit im IT-Bereich für ihn so abwechslungsreich macht:

»Es müssen Lösungen für immer neue Aufgabenstellungen entwickelt werden, so dass nie eintönige Arbeit auf mich wartet. Darüber hinaus werden Lösungsansätze erarbeitet, die modernen Ansprüchen heutiger Anwendungen entsprechen. Als Schnittstelle zwischen der Fachabteilung und der Anwendungsentwicklung müssen Anforderungen aufgenommen, dokumentiert und zurückgespiegelt werden, um anschließend mit Programmierern das für die Anwender richtige System bereitzustellen.«

Für Barkow spielen dabei nicht nur fachliche, sondern auch persönliche Aspekte eine Rolle.

Der Umgang mit den Projektmitarbeitern gehört da genauso dazu wie das Durchführen und Leiten von zielgerichteten Besprechungen, die Präsentation von Ergebnissen vor Anwendern und Management, die Priorisierung der eigenen Aufgaben und nicht zuletzt eigenverantwortliches und selbstorganisierendes Handeln, um das gemeinsame Ziel zu erreichen. Um solch anspruchsvollen Projekten und Aufgaben gewachsen zu sein, ist ein Studium mit Informatikbezug, der Mathematik, Physik oder Elektrotechnik Voraussetzung. Ein Masterabschluss ist dabei nicht zwingend erforderlich. »Für den Einstieg in eines unserer zehn Traineeprogramme haben Bachelorabsolventen mit ihrem ausgeprägten Praxisbezug bei der Commerzbank sehr gute Chancen«, so Juliana Geist.

»Wir fördern sie und stellen selbstverständlich auch ein. Wir haben gute Erfahrungen mit diesem Abschluss gemacht.«

Überhaupt ist es die Praxis, die bei der Bewerbung zählt: »Ebenso wichtig wie ein Ehrenamt und soziales Engagement ist uns der Mut zu einem bunten Lebenslauf – dazu gehören vielfältige Praktika genauso wie der langjährige Nebenjob oder das Urlaubssemester, um noch einmal etwas Anderes kennen zu lernen. Wir leben in unserer Unternehmenskultur unter anderem die Werte Respekt und Partnerschaftlichkeit. Der Bewerber sollte sich selbstverständlich damit identifizieren können.« Auch bei der HUK-Coburg sind Praxiserfahrungen gerne gesehen – am liebsten studienbegleitend. Frank Naumann, der als Leiter der Abteilung Informatik rund 200 Mitarbeiter betreut, erklärt, wie diese gesammelt werden können: »Mit der Hochschule Coburg haben wir schon mehrere Studienprojekte durchgeführt, in denen Studenten – im Rahmen ihres Studiums – in einem Semester ein Thema eigenverantwortlich bearbeitet und die Ergebnisse präsentiert haben. Darüber hinaus«, fügt der Diplom-Informatiker hinzu, »bieten wir die Möglichkeit, ein Praktikum oder Praxissemester bei uns zu absolvieren und die Erstellung von Diplom- oder Masterarbeiten zu betreuen. Dies ist nicht auf die Hochschule Coburg beschränkt, auch mit anderen Hochschulen besteht hier eine erfolgreiche Zusammenarbeit.« Aber nicht nur auf fachliche Kompetenzen, sondern gerade auch auf Soft Skills kommt es an im IT-Bereich. Schließlich gilt es, stets auf dem neuesten Stand zu bleiben. Und der wird nicht in mundgerechten Häppchen auf den Schreibtisch serviert, sondern muss selbst erarbeitet werden.

Eigeninitiative ist da das Zauberwort

»Eigenverantwortliches Arbeiten ist eine der wichtigsten Kompetenzen«, unterstreicht auch Frank Naumann. Und wer denkt, das wär’s schon, der liegt falsch. IT-Spezialisten arbeiten schließlich im Team, anstatt eigenbrötlerisch hinter ihrem Bildschirm zu verschwinden. »Faktoren wie Kommunikationsfähigkeit, soziale Kompetenz und Managementfähigkeit sind für uns wichtig«, betont Naumann. »Nicht zuletzt sind die Absolventen von heute unsere Führungskräfte von morgen.« Und die dürfen sich auf einen spannenden Arbeitsalltag freuen. Wie der aussieht, weiß Frank Naumann schon jetzt: »Die allgemeinen IT-Trends wie Cloud Computing, Consumerization der IT oder Big Data machen um unser Unternehmen keinen Bogen. Auch der zunehmende Einsatz von Standard-Komponenten spielt unter dem Stichwort ›Serviceorientierte Architektur‹ eine große Rolle. Andererseits verfolgen wir sehr langfristig strategisch weitere Ziele. Dies sind insbesondere eine stabile Verfügbarkeit unserer Anwendungen und eine kostengünstige Bereitstellung aller IT-Services. Zunehmend an Bedeutung«, verrät Naumann, »gewinnt auch die Fähigkeit, schnell auf Anforderungen des Marktes reagieren zu können – auch hier spielt die IT in Versicherungsunternehmen eine wesentliche Rolle.« 


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