Spielerisch arbeiten? - Entwickler in der Games-Branche

Wenn aus Pixeln fantastische Welten werden, haben Games-Entwickler ihre Finger im Spiel.

Kind mäht mit Plastik-Rasenmäher den Rasen

Das Römische Imperium existiert seit knapp 1.500 Jahren nicht mehr, die Postapokalypse wird wohl noch ein paar Jahre auf sich warten lassen und einen waschechten Nachtelfenkrieger dürften die wenigsten jemals gesehen haben – traurige Aussichten für die heimlichen Helden von heute, gäbe es da nicht die Games-Industrie, die auch exotischere Berufswünsche wie Feldherr, Rebellenführer oder Drachenjäger verwirklichen kann. Bevor der gemeine Konsolero, PC-Spieler oder Mobile Gamer aber in sein alternatives Leben eintauchen kann, bedarf es eines geeigneten Umfelds, einer eigenen Welt aus Pixeln mit eigenen Gesetzen, in der dem Aufstieg auf der virtuellen Karriereleiter nichts mehr im Weg steht. Geschaffen werden solche Welten von Spieleentwicklern.

Dass das ein ganz schöner Kraftakt werden kann, weiß Tino Max, Senior Gameserver Architect beim unabhängigen deutschen Entwicklungsstudio Goodgame. ein Schöpfungsakt lässt sich eben nicht einfach so nebenbei aus dem Handgelenk schütteln.

»Spiele sind eine der anspruchsvollsten Arten von Softwareentwicklung. Wir setzen zum Beispiel völlig neue Ideen wie verzögerungsfreie Interaktion zwischen Benutzern um. Außerdem treiben wir die Hardware durch Handling tausender Spieler zur selben Zeit oder Speicherung von Millionen Accounts in einer Datenbank an ihre Belastungsgrenzen. Es gibt immer wieder neue Herausforderungen.«

Auch Thomas Creutzenberg, der als Entwickler beim Münchner Spielestudio Travian Games arbeitet, kennt die Herausforderungen des Tätigkeitsfelds:

»In der Spieleentwicklung arbeitet man häufig an völlig verschiedenartigen Aufgaben. Das macht auch gerade den Reiz aus, sich immer wieder in neue, komplizierte Problemstellungen einzuarbeiten. Man lernt permanent eine Menge dazu.«

Die Aufgaben, mit denen sich die Spieleentwickler aktuell hauptsächlich konfrontiert sehen, stehen vor allem im Kontext mit einigen in der Szene immer populärer werdenden Spieletypen.

»Ich denke, aktuell geht der Trend in Richtung Mobile und Social Games und die Kombination dieser beiden Spieletypen«, meint Nuno Leiria, Programmierer bei Piranha Bytes, einem in Essen ansässigen Unternehmen, das unter anderem für die Entwicklung der bekannten Spielereihe ›Gothic‹ verantwortlich zeichnet. »Durch die zunehmende Verbreitung von Smartphones und durch Plattformen wie den Appstore werden derartige Spiele immer populärer und können in kürzester Zeit Millionen von Menschen erreichen. Dadurch sind sie Konsolenspielen gegenüber im Vorteil.«

Aktuelle Zahlen des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware untermauern dies. im Bereich der Mobile Games konnte im ersten Halbjahr 2012 ein Umsatzplus von ganzen 40 Prozent verzeichnet werden. »Mit den Mobile Games hat die Games-Branche erfolgreich gezeigt, wie neue Zielgruppen erschlossen werden können«, äußerte sich kürzlich auch Dr. Maximilian Schenk, Geschäftsführer des BIU. Dort sind derzeit 13 Unternehmen der Games-Branche organisiert, die immerhin etwa drei Viertel des Marktes für Computer- und Videospiele in Deutschland repräsentieren.

Ähnliche Tendenzen beobachtet auch Thomas Creutzenberg:

»Zur Zeit ist ein deutlicher Rückgang beim stationären Handel zu beobachten, das bedeutet, Produkte in einer Verpackung verkaufen sich zusehends schlechter. dafür wuchsen Online- und Browser-Spiele über die letzten Jahre kontinuierlich weiter. Außerdem liegen Indie-Spiele, oft experimentelle Spiele von sehr kleinen Studios, hoch im Trend und sorgen immer wieder für Überraschungen. « Zudem sei aber in naher Zukunft bereits der Launch der nächsten Generation von Konsolen geplant, die einiges an neuen Möglichkeiten mit sich bringen dürften. »Unsere Branche ist und bleibt weiter spannend«, ergänzt der 36-Jährige.

Trotz des Rückgangs beim stationären Handel und des steigenden Stellenwerts der digitalen Distribution liegt der physische Erwerb von Spiele-Software aber nach wie vor auf hohem Niveau.

der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware kommt in aktuellen Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass der Großteil des Umsatzes im Markt für Games immer noch über die physische Distribution erwirtschaftet wird. Mit 89 Prozent bleibt diese Form des Erwerbs somit die wichtigste Säule der Branche.

Der deutschen Games-Industrie scheint die Anpassung an die sich verändernden Vorzeichen jedenfalls nicht schwer zu fallen.

»Das deutsche Wachstum ist in der jetzigen Marktphase einzigartig und ein Erfolg der deutschen Industrie mit ihrer breiten Aufstellung bei Geschäftsmodellen, Produkten und Zusatzservices «, so Dr. Schenk vom BIU.

Für das Jahr 2012 prognostiziert der Verband ein Absatzplus von sechs Prozent auf dem Markt für Games. Vor allem das unübersehbare Wachstum in der Sparte der Browser- und Mobile-Spiele bleibt dabei nicht ohne Folgen für die Struktur der Branche. Immer mehr Studios, vor allem auf dem deutschen Markt, spezialisieren sich auf die Entwicklung von Browser-Games oder sogenannten Casual Games, die unterwegs auf Smartphones oder Tablets gespielt werden können.

So entwickelt auch Travian Games vor allem sogenannte MMO-Browser-Spiele

»Ein MMO-Browser-Spiel ist ein Massen-Mehrspieler- Online-Computerspiel, das als Benutzerschnittstelle einen Browser verwendet und im Regelfall ohne vorherige Installation von Spielesoftware gespielt werden kann«, erläutert Thomas Creutzenberg. Das Projekt, mit dem der Spieleentwickler sich derzeit befasst, ist das Aufbau-Strategiespiel ›Travian‹, das es seit mittlerweile acht Jahren gibt. Die Klientel über einen derart langen Zeitraum hinweg bei der Stange zu halten, ist angesichts der sich schnell verändernden Szene- Trends keine einfache Aufgabe. »Es ist nicht leicht, den Spielern immer neue Features und Elemente zu bieten, die ihnen Spaß machen und sie motivieren. Aber ich denke, wir machen das ganz gut«. die Zahlen sprechen für sich: Laut Creutzenberg sind derzeit 100 Millionen Spieler bei ›Travian‹ registriert, 40 verschiedene Sprachversionen stehen zur Verfügung.

Was du mitbringen solltest

Die Vorteile von Online- und Browser-Games liegen auf der Hand: So können beispielsweise die User immer und von überall auf ihren Account zugreifen und sind nicht gebunden wie bei kassischen Konsolenspielen. »Eine Besonderheit der Entwicklung von Online-Games ist zudem die Möglichkeit, diese weiter auszubauen und zu verbessern, nachdem sie schon fertig sind. Die Entwicklung eines Grundspiels dauert – je nach Komplexität – etwa ein Jahr. Anschließend versorgen wir unsere Spieler noch mehrere Jahre mit Optimierungen oder mit völlig neuen Funktionen«, berichtet Tino Max. Durch die Option, laufend Updates durchzuführen, kann die Spielerschaft dauerhaft gebunden werden. Die Spiele bleiben spannend und bieten laufend neue Aspekte.


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