Roboter der Bildschirm berührt

Dank Robotik und Automatisierungstechnik geht alles von allein

Robotik und Automatisierungstechnik: Karriere-Eldorado für spannende Jobs durch die Verschmelzung von Digitalisierung und Robotik

Bei Mercedes-Benz sind die Roboter im Kommen: In der Fertigung kommt seit einigen Monaten bei der Kalibrierung des Head-up-Displays – das dem Autofahrer relevante Informationen wie Geschwindigkeit und Warnhinweise ins Sichtfeld einblendet – ein Leichtbau-Roboter auf einem Fahrwagen zum Einsatz. Er trägt die Vermessungskamera auf einem leichten Tragarm und kann so über einen einseitigen Zugang Links- und Rechtslenker vermessen. Bislang wurde diese Kalibrierung durch zwei fest installierte Roboter hinter einem Schutzzaun durchgeführt, doch die durch die Digitalisierung immer flexibler werdenden Automaten sind auf dem Vormarsch: »Das Potenzial der digitalen Revolution ist groß«, gab die Daimler AG zur Einführung des neuen Verfahrens bekannt. »Wenn sich Mensch, Maschine und industrielle Prozesse intelligent vernetzen, können schneller individuelle Produkte in hoher Qualität entstehen. Produktions- und Herstellungskosten lassen sich wettbewerbsfähig gestalten.«
 

Roboter sind nicht mehr wegzudenken


Mittendrin dabei ist Tobias Neumann, der Automatisierungstechnik in der Produktion an der Universität Stuttgart studiert hat. Bei Daimler ist der 29-Jährige in der Prozess- und Maschinenanalyse für die Entwicklung neuer, digitaler Technologien zuständig. »Als Automobilfan seit Kindheitstagen wollte ich immer in einem Beruf arbeiten, in dem ich die Chance habe, neue Technologien zu erleben und voranzutreiben«, sagt er. »Durch Digitalisierung und andere neue Technologien entwickeln sich Automobile und der Arbeitsmarkt gleichermaßen weiter.« Für die Industrieproduktion heißt das: Immer schneller arbeitende Roboter übernehmen immer mehr Aufgaben. Experten sprechen bereits von einer vierten industriellen Revolution. Doch der Bedarf an Personal kommt der rasanten Entwicklung kaum hinterher – besonders Informatiker und Elektroingenieure sind in der Robotik Mangelware.

Unter dem Schlagwort ›Industrie 4.0‹ steht die Annahme, dass die Weltwirtschaft im Moment an der Schwelle zur vierten industriellen Revolution steht. Durch das Internet getrieben, wachsen reale und virtuelle Welt immer weiter zum Internet der Dinge zusammen, siehe dazu unseren Artikel auf Seite 56. Dabei spielen Robotik-Systeme eine zentrale Rolle – zum Beispiel in hochautomatisierten Fertigungsprozessen. Die Kennzeichen der künftigen Form der Industrieproduktion sind die starke Individualisierung der Produkte unter den Bedingungen einer hoch flexibilisierten Großserienproduktion, die weitgehende Integration von Kunden sowie Geschäftspartnern in Geschäfts- und Wertschöpfungsprozesse sowie die Verkopplung von Produktion und hochwertigen Dienstleistungen, die in sogenannten hybriden Produkten mündet. Die deutsche Bundesregierung hat ›Industrie 4.0‹ vor diesem Hintergrund zur offiziellen Hightech-Strategie des Bundesfor- schungsministeriums in Kooperation mit der Industrie erklärt.

Gute Karriereaussichten für Ingenieure

»Die Mensch-Roboter-Kooperation, das heißt die Aufhebung der Distanz zwischen Mensch und Roboter, ist derzeit der beherrschende Trend in der Automatisierungstechnik«, weiß Werner Kraus, Gruppenleiter Handhabung und Intralogistik am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA. »Applikationsingenieure finden interessante Jobs in der Automobilindustrie und im Maschinen- und Anlagen- bau. Entwicklungsingenieure viel im Bereich von Roboterwerkzeugen wie Greiftechnik, Schweißwerkzeuge oder Sensoren.« Neue Jobperspektiven durch den Trend ›Industrie 4.0‹ sieht auch Marius Rieger: »Gut ausgebil- dete Ingenieure im Bereich Robotik können sich schon heute ihren Arbeitgeber gewissermaßen aussuchen«, weiß der Referent für Bildungspolitik im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). »Die Zukunftsaussichten sind blendend, und man findet ein attraktives und zukunftssicheres Arbeitsfeld.« Dass bestätigen auch die Arbeitgeber: »Wir sehen die Digitalisierung als Chance. Insofern ist auch das Thema Robotik für uns sehr spannend«, sagt Kathrin Schnurr aus der Human Resources-Abteilung der Daimler AG in Stuttgart. »Bewerber sind vor allem interessant, wenn wir neben ihren fachlichen Kompetenzen auch ein klares Profil mit persönlichen Interessen erkennen können.« Gute Noten alleine reichten nicht aus, die Leidenschaft fürs Automobil zähle. »Insgesamt ist uns der Gesamteindruck aus fachlichen, sozialen und interkulturellen Fähigkeiten ebenso wichtig wie ein Top-Abschluss.« Außerdem ist Interdisziplinarität gefragt: Absolventen sollten sich interdisziplinäre Kenntnisse aneignen, zum Beispiel in technischer Informatik oder Kybernetik. »Die Karriereaussichten sind sehr gut«, sagt auch Karoline Janik, Manager Recruitment, bei der Ferchau Engi- neering GmbH. »Durch den stetig wachsenden Markt an Einsatzmöglichkeiten von Robotern ist der Bedarf an Ingenieuren, die sich in diesem Bereich spezialisieren, sehr hoch.« Die Personalerin geht fest davon aus, dass der Bedarf sogar noch steigen wird. »Durch die Evolution in der Produktion hin zur Industrie 4.0 werden die Anforderungen an Roboter immer anspruchsvoller«, sagt Janik. »Neben dem Einsatz als Industrieroboter im Automobilbereich wachsen durch Themen wie mobile Roboter, künstliche Intelligenz oder Mensch-Roboter-Kooperationen die Ansprüche an die Soft- und Hardware und damit auch der Bedarf an Mitarbeitern, die ihre Kenntnisse einbringen.« »Es gibt einige Industriebranchen, die in Aufschwung sind. Und dazu zählt die Robotik und alles, was mit Au- tomation im Allgemeinen zu tun hat«, erläutert Professor Dr. Raúl Rojas, Lehrstuhlinhaber für Informatik auf dem Arbeitsgebiet Intelligente Systeme und Robotik an der Freien Universität Berlin Doch der Nachwuchs dafür ist rar: »Es gibt noch nicht so viele ausgebildete Robotiker, da diese Disziplin eigentlich als Systemintegration verstanden werden kann.« Ein Roboter müsse die Umgebung wahrnehmen können und deshalb über Computer Vision, Sensoren und zum Beispiel Greifer verfügen. »Dabei sind viele Disziplinen involviert, von der Informatik und Elektronik bis zum Maschinenbau«, sagt Rojas. Weil Roboter komplexe Systeme sind, lehrt man über sie in sämtlichen ING-Fachbereichen. »Und die gute Nachricht dabei ist: Deshalb sind die Karriereaussichten in all diesen Disziplinen ganz hervorragend für all diejenigen, die sich für Automatisierung und Robotik interessieren.« 

 


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