Als Forscher in der Softwareentwicklung arbeiten

Forscher in der Softwareentwicklung ebnen den Weg für Programme, Apps und Games

Fragezeichen aufgemalt auf Straße

»Das Berufsbild eines Softwareentwicklers ist sehr vielfältig«, sagt Wilfried Schubert, Professor für Angewandte Informatik und Medieninformatik an der Hochschule Mittweida. Als Berufseinsteiger muss man mit schriftlichen, grafischen und mündlichen Anforderungen an die Software umgehen und diese in Algorithmen und Datenstrukturen umsetzen sowie Quellcodes in einer Programmiersprache wie zum Beispiel Java schreiben können. »In der heutigen Zeit von Internet, Smartphone, Tablet und Co. heißt das einerseits, dass er sich in mehreren Programmiersprachen gut auskennt, beziehungsweise sich in kurzer Zeit einarbeiten kann. Andererseits muss er auch die Methoden, Prinzipien, Modelle und Tools des modernen Software Engineerings beherrschen«, erklärt Prof. Dr. Schubert, der auch für das Lehr- und Forschungsgebiet Software Engineering an der HS Mittweida verantwortlich ist.

Softwareentwicklung und ihre Vielfältigkeit

Wer hingegen diese wissenschaftlichen Methoden, Prinzipien, Modelle und Tools verbessern möchte, kann eine wissenschaftliche Karriere anstreben und sich an einer Hochschule oder in einem Softwareunternehmen der Forschung widmen. Professor Schubert ist auch wissenschaftlicher Leiter des EU-Nachwuchsforscherprojektes ›Enterprise Content Management-basierte Produktionspipelines für 3D-Prävisualisierung und Animationsfilm‹ (PrävEM), an dem auch Felix Otto und Tina Straßburger mitarbeiten. »Bei PrävEM geht es darum«, erklärt Straßburger, die ihren Master in ›Information & Communication‹ Science 2012 abgeschlossen hat, »den Produktionsprozess von Medienprodukten, zum Beispiel Animationsfilme oder Games, zu unterstützen.« Die 25-Jährige ist am Projekt als Requirements Engineer beteiligt und übernimmt neben ihrer Forschung im Bereich Workflows und Weboberflächen auch viele Aufgaben in der Verwaltung und Organisation. Otto ist als Softwarearchitekt und Entwickler für das technische Hauptziel tätig. »Die besondere Herausforderung als Architekt besteht darin, ein Ziel zu definieren und alle Abhängigkeiten im Voraus zu planen. Gleichzeitig darf man als Entwickler nicht den Gesamtüberblick verlieren, wenn man an einem Modul arbeitet. Die Komplexität von Software ist ein steigendes Problem, was gerade bei der Entwicklung von Management-Systemen auftritt, da diese sehr unterschiedliche Arten von Informationen, die voneinander abhängig sind, verwalten können müssen«, beschreibt der 26-Jährige.

An PrävEM arbeiten sie mit den verschiedensten Fachleuten zusammen – von Autoren über Modeler bis hin zu Programmierern – was den Produktionsprozess äußerst komplex gestaltet. »Momentan gibt es keine Softwarelösung in unserem Bereich, sodass man keinerlei Anhaltspunkte hat, sondern bisherige Lösungen analysiert und versucht, es mit Hilfe der neuesten Technologien zum Beispiel im Bereich BPMN 2.0, Dokumentenmanagement und EIM besser zu machen«, sagt Straßburger. Den Nachwuchsforschern steht bis zum Projektende im Dezember 2014 also noch einiges an Arbeit bevor.

Kreativität und Innovation das ist Softwareentwicklung


Kreativ sein und an Innovationen arbeiten, beschreibt auch die Tätigkeit von David Wyzgol. Der Informatiker ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FH Dortmund und befasst sich in einem Projekt mit der Interaktion zwischen Mensch und Computer. »Dabei geht es darum, bekannte Interaktionsmetaphern aufzubrechen und neue Möglichkeiten anzubieten, um das Ziel beziehungsweise die Intention des Benutzers zu erreichen.« Dem 28-Jährigen zufolge gehört es dazu, verfügbare Informationen aus dem Kontext des Benutzers einfließen zu lassen, damit der Benutzer diese nicht explizit benennen muss. Er soll außerdem wählen können, auf welche Weise er eine Anwendung nutzen möchte – ob mit Gesten, Sprache oder klassisch mit Maus und Tastatur. Zum Einsatz könnte diese Software in verschiedenen Bereichen kommen. Im Auto zum Beispiel kann der Fahrer relevante Informationen situationsgerecht abfragen, ohne dabei vom Verkehr abgelenkt zu werden. Seine Arbeit kann hilfsbedürftigen Menschen aber auch den Zugang zu Computersystemen erleichtern oder bei alltäglichen Aufgaben unterstützen. So müssen sie beispielsweise nicht mehr aufstehen, um die Haustür zu öffnen.

Um Lösungen zu entwickeln, die Arbeits- und Lebenssituationen vereinfachen sollen, ist es wichtig, sich in solche Situationen hineinversetzen zu können. Ebenso wichtig ist es, mit Menschen gut umgehen und ihnen die richtigen Fragen stellen zu können. Neben den technischen sind natürlich auch analytische Fähigkeiten wichtig, um sich Problemen zu nähern.

»Eine gute Strukturierung des Problemfeldes hilft«, sagt Wyzgol, »dieses nach und nach lösen zu können. Eine rasche Einarbeitung in unbekannte Technologien ist dabei sehr hilfreich. Man sollte außerdem auch keine Scheu haben, sich mit Dingen zu beschäftigen, die nicht primär mit informationstechnischem Wissen zu tun haben. Dann erkennt man des Öfteren, dass es ähnliche Probleme auch in anderen Feldern gibt und man kann sich deren Lösungen zunutze machen.«

Ohne die Softwareentwicklung würde uns seiner Meinung nach einiges entgehen: Die Welt wäre  nicht das vielzitierte Dorf, würde sich langsamer drehen, wäre weniger interoperabel und viele Tätigkeiten ließen sich nicht automatisieren.

Die Arbeit als Softwareentwickler hat Felix Otto zufolge aber noch einen weiteren, entscheidenden Vorteil:

»Da wir mit den aktuellsten Technologien auf dem Gebiet arbeiten, sind wir am Puls der Zeit und eine gute Anlaufstelle für Bastler und Technikinteressierte. Gerade über ein Forschungsprojekt an einer Hochschule kann an interessanten Teilgebieten mit aktuellen Problemen gearbeitet werden, um sich neueste Kenntnisse anzueignen und sein Profil für den späteren Einstieg in die Wirtschaft zu schärfen.«


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