Berufseinstieg: Software- und Webentwicklung

Mal wieder zu lange vor dem Rechner gesessen? Keine Panik: Onlinespiele zu programmieren macht sich hervorragend in jeder Bewerbung – ernsthaft.

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Online-Games schaffen Karrieren für Software- und Webentwickler

»Die Entwicklung von Spielen ist, was die Software betrifft, ein sehr gehobener Bereich, weil hier wirklich an die Grenzen gegangen wird. Wenn sich jemand privat damit auseinander setzt und sich in einer ›Opensource- Gemeinde‹ mit dem Programmieren beschäftigt, dann erhöht das die Chancen schneller einen Job zu bekommen. Die Praxiserfahrung, die man dabei sammelt, ist genau das, worauf wir bei Bewerbern achten«, erzählt Alexander Kuntz, Vorstand der Tintschl Communications AG. Generell sieht er die Chancen für Berufseinsteiger sehr gut, wenn Studenten auch schon während ihres Studiums viel Praxiserfahrung sammeln. »Ein Student, in dessen Lebenslauf ersichtlich wird, dass er schon Programmieraufgaben in der Wirtschaft gemacht hat, also in Form von einer Werkstudentenstelle, hat die besseren Aussichten. Ich persönlich bin kein Freund von kurzen dreiwöchigen Praktika, weil man da keinen sonderlich guten Einblick erhält. Bei einem sechsmonatigen Praktikum hingegen hat man viel bessere Chancen, sich einen Überblick über das Berufsfeld zu verschaffen«, fügt Kuntz hinzu.

Praxiserfahrung allein reicht jedoch auch nicht. Als Webentwickler muss man heute, im Vergleich mit den Anforderungen von vor zehn Jahren, noch andere Qualifikationen mitbringen. »Es sind Kenntnisse aus unterschiedlichen Bereichen wie Konzeption und Marketing, Interface Design, Usability, Softwareentwicklung, Datenbanken sowie System- und Netzwerkadministration nötig«, erklärt Dr. Thorsten Schneider, Präsident vom Berufs- und Fachverband Webmasters Europe und Leiter der webmasters akademie.

Web 2.0 hebt die Anforderungen an Software- und Webentwicklung

Der Grund für diese vielschichtige Arbeitsweise sind vor allem die zunehmend anspruchsvollen Websites, die den Nutzern immer mehr Kommunikationstools und Services bereitstellen – vom Bloggen bis zum Podcasten, vom Internet-Banking bis zur Online- Bewerbung. Web 2.0 lässt grüßen. Diese Dienste werden für eine breite Nutzerschaft entworfen und dafür ist ein umfassendes Know-how notwendig. Deshalb arbeiten Agenturen häufig mit Web-Experten unterschiedlicher Fachgebiete, die sich zu einem Projektteam zusammenschließen.

Dabei fungieren die Webentwickler auch als Berater, die eine gute Portion Kommunikationskompetenz sowie die Fähigkeit, sich in die Situation des Kunden hineinzuversetzen, brauchen. »Software- und Webentwickler müssen, um ein Softwaresystem zu entwickeln, das für den Kunden richtig zugeschnitten ist, das eigentliche Geschäftsmodell des Unternehmens verinnerlichen«, so Alexander Kuntz von Tintschl. »Ob man es glaubt oder nicht, manchmal gehört es auch zum Aufgabenbereich eines Software- und Webentwicklers zu erkennen, wo ein Problem nicht durch eine Softwarelösung gelöst werden muss, sondern der altmodische Papierweg der einfachste ist.«

Was braucht’s noch für die Arbeit als Webentwickler? Spaß am Design von Onlineauftritten und Websites, die Marken digital in Szene setzen und die Nutzer dazu anregen, sich aktiv zu beteiligen.

Für die Werbekampagne eines großen Soft-Drink-Herstellers etwa brachte die Interactive- und Dialog-Agentur argonauten G2, die an ihren Standorten in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und Hamburg kreative Ideen entwickeln, bunte Figuren ins Web. Diese sprangen frech auf den Seiten einer Online-Community herum, um die Mitglieder in Form von Downloads und Gewinnspielen auf die Marke aufmerksam zu machen. Bei diesem Projekt waren auch die Entwickler mit ihren gestalterischen Ideen gefordert, damit das Konzept technisch umgesetzt werden konnte.


»Absolventen unserer Hochschule arbeiten als Werkstudenten bereits während ihrer Studienzeit oder schreiben ihre Abschlussarbeiten bei kleinen und großen Unternehmen. Dadurch kommt es bei vielen von ihnen zu einem nahtlosen Übergang zwischen Studium und Beruf.«

Barbara Paech, Studiendekanin Informatik an der Uni Heidelberg und Sprecherin des Fachbereichs Softwaretechnik bei der Gesellschaft für Informatik.

Perspektive und Einstiegsgehälter für Software- und Webentwickler

»Auch unsere Branche leidet unter dem Fachkräftemangel, er im Bereich der technischen Berufe existiert«, so Kuntz weiter. Die Branche gedeiht und wächst, was mitunter an der immer größer werdenden Unverzichtbarkeit des Internets liegt. Die Zahl derer, die durch iPhone und Co stetig und ständig online sein können, wird immer größer. Trotz Wirtschaftskrise vermerkten Unternehmen wie Siemens IT Solutions einen Gesamtumsatz von rund 4,6 Millionen Euro.

Auch die Gehälter können sich sehen lassen. Fachkräfte ohne Personalverantwortung im Bereich Softwareentwicklung haben ein Jahresbruttogehalt von circa 49.670 Euro. Als reiner Webentwickler ist dies ein wenig geringer mit rund 38.132 Euro brutto jährlich.
 

Software- und Webentwicklung: Ausbildung und Studium

Weniger eindeutig festgelegt sind die Ausbildungsvoraussetzungen, um in der Webentwicklung Fuß zu fassen: In Stellenanzeigen wird selten ein speziell auf das Web ausgerichtetes IT-Studium gefordert. Trotzdem ist es sicher von Vorteil, sich schon als Student mit HTML, Java und Co vertraut zu machen.

Oliver Brendl, seit zwei Jahren Softwareentwickler bei Tintschl, ist als Quereinsteiger in die Branche reingerutscht. »1995 habe ich meinen Realschulabschluss gemacht und danach eine Lehre zum Banker begonnen. Danach habe ich mein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt, bevor ich ein Studium der Mathematik und Informatik aufgenommen habe. Dieses habe ich jedoch nie beendet. Über eine Freundin bin ich dann auf das Unternehmen Tintschl aufmerksam geworden und nach meiner Bewerbung ging es ziemlich flott.«

Jetzt betreut er eigene Projekte. Viele Hochschulen wie die Fachhochschulen Wolfenbüttel oder Wedel bieten entsprechende Studiengänge im Bereich Medieninformatik an. Studienabbrecher oder Quereinsteiger bereitet die web masters akademie in Nürnberg auf eine Tätigkeit als Webentwickler vor. Letztendlich haben in dieser Branche aber die praktischen Erfahrungen einen noch höheren Stellenwert. Zusätzlich zu Praktika kann man zum Beispiel auch im privaten Umfeld an kleinen ›Projekten‹ arbeiten und sich somit selbst das nötige Wissen aneignen.

Allerdings reicht es nicht aus, ›nur‹ auf dem neuesten Stand der Technologien zu bleiben. Denn das Web wächst weiter. Wichtig sind daher auch das Interesse und die Fähigkeit, Trends zu erkennen. Gefragt ist dieses Wissen im medialen Zeitalter allemal. Als wichtigstes Medium unserer Zeit steht das Internet nie still; es warten täglich neue Aufgaben. Das Web entwickeln – definitiv ein Beruf mit Zukunft.


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