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Embedded Software: So arbeiten Entwickler

Embedded Software liegt voll im Trend – und wird auch in Zukunft mehr als angesagt bleiben. Wir zeigen dir, was dich als Einsteiger erwartet.

Jürgen ist gerade in Barcelona angekommen. Er steht vor der verschlossenen Haustür seines Bekannten Carlos, der selbst nicht zuhause ist. Jürgen zückt sein Smartphone, klickt auf den Code, den Carlos geschickt hat – und die Tür öffnet sich. Diese moderne Form der ›Schlüsselverwaltung‹ des Start-ups Mutuum AirLock ist eines von unzähligen Beispielen für Embedded Software. Sie lässt sich in allen erdenklichen Bereichen finden: in der Medizin- und Kommunikationstechnik, in Industrie- und Fertigungsanlagen, im Gebäudemanagement, in der Luft- und Raumfahrt – und natürlich im Fahrzeugbau.

Projekte, Projekte, Projekte

So ist Embedded Software auch beim Technolgiekonzern ZF ein wesentlicher Bestandteil der intelligenten mechanischen Systeme in der Antriebs- und Fahrwerktechnik. Daneben kommt sie in den aktiven und passiven Sicherheitstechnologien zum Einsatz. »Unser Ziel ist es, Fahrzeugen das Sehen, Denken und Handeln beizubringen«, sagt Peter Feulner, Leiter Elektronik Antriebstechnik in der zentralen Vorentwicklung bei ZF. Dafür entwickelt ZF Sensorsysteme, elektronische Steuerungen und Aktuatoren weiter und vernetzt sie miteinander. Embedded Software ist für das Fortschreiten des vernetzten automatisierten sowie des elektrischen Fahrens von zentraler Bedeutung.

Eingebette Systeme lassen sich aber auch fernab von der Straße finden, zum Beispiel in der Fabrik. Werum IT Solutions arbeitet derzeit etwa an einer Lösung für den strukturierten Datenaustausch zwischen der Produktionssteuerungssoftware und dem Equipment in einer Pharmafabrik. Unter dem Motto ›Plug & Produce‹ sollen neue Maschinen so zukünftig mit viel geringerem Aufwand in das Produktionsnetzwerk eingebunden werden können.

Tiptop-Tasks

Zu den Tätigkeiten der ITler im Körber-Konzern gehört es unter anderem, Major Releases, Patches und Hot Fixes zu erstellen sowie den Release durchzuführen. Bei der Betreuung internationaler Großkunden sind die Softwareentwickler bei Körber für den gesamten Prozess verantwortlich, von der Bedarfsanalyse bis hin zur Inbetriebnahme von Embedded Software-Lösungen. Die spezifischen Anforderungen der Kunden werden dabei individuell konzeptioniert, technisch designt und schließlich umgesetzt. Auch beim Softwaredienstleister Infoteam Software gibt es eine große Vielfalt an Aufgaben. Absolventen starten meist mit klassischer Softwareentwicklung sowie Software Testing und übernehmen später Projektleitertätigkeiten oder Aufgaben als Consultant – je nach Interessen und Eignung. So werden sie von Beginn an in ein Projektteam integriert und schrittweise an die unterschiedlichen Aufgaben herangeführt. Die Einsatzgebiete für die Software fokussieren sich bei Infoteam Software auf die Medizintechnik, die Laborautomation und die Industrie.

Besonders anschaulich und deutlich wird die Tätigkeit eines ITlers im Automobilbereich: »Der Softwarearchitekt verleiht einem Auto Sinne und bringt ihm bei, was es tun soll – eine faszinierende Aufgabe«, sagt ZF-Mitarbeiter Peter Feulner. Im Bereich des automatisierten Fahrens arbeiten die Softwarearchitekten im Unternehmen sehr funktionsnah – von der Entwicklung von Fahrerassistenzsystemen bis hin zu vollautomatisierten Fahrfunktionen. Daneben haben Softwareentwickler aber auch Anknüpfungspunkte zur Hardware, etwa bei der Entwicklung von Basissoftware am Steuergerät oder der Infrastruktur im Fahrzeug.

Challenge accepted

Natürlich bringen diese komplexen Aufgaben auch Herausforderungen mit sich. Dr. Markus Schleicher, Chief Engineer und Consultant Industry bei Infoteam Software, betont etwa, dass sich Embedded Softwareentwicklung in vielerlei Hinsicht von der Programmierung mit Hochsprachen unterscheidet. »Ein wesentlicher Punkt ist die Zusammenarbeit mit Hardwareentwicklern und das Auftreten von Herausforderungen durch wechselseitige Abhängigkeiten von Hard- und Software«, sagt er. Besonders wichtig sei es auch, korrekt mit den vergleichsweise geringen Hardwareressourcen umzugehen. Speicheroptimierte Programmierung sei hierbei essenziell. »Letztlich müssen Embedded-Softwareentwickler tatsächlich noch in Bits denken können, nicht nur in Objekten«, stellt Dr. Schleicher fest. Auch das Einsatzfeld der Software spielt eine Rolle: Da Infoteam Software auch in der Medizintechnik tätig ist, muss die Embedded Software spezielle Normen erfüllen, die verpflichtend für die Zulassung als Medizinprodukt sind.

Neugierige Teamplayer

Bewerber, die sich diesen Herausforderungen stellen wollen, sollten offen und neugierig sein und keine Berührungsängste mit neuen Technologien haben. Von Vorteil sei Feulner von ZF zufolge die Fähigkeit, die ›neue Welt‹ – etwa künstliche Intelligenz – und die ›alte Welt‹ – physikalisches und mechatronisches Verständnis – in der Praxis kombinieren zu können.  Claudia Jeske, Recruitment Coordinator im Recruitment Center des Körber-Konzern, nennt als Voraussetzungen neben Begeisterungs- und Teamfähigkeit gute Programmierkenntnisse sowie erste Erfahrungen mit Entwicklungswerkzeugen und relationalen Datenbanken. Beim Softwaredienstleister Infoteam Software können Bewerber zudem mit Know-how in den Programmiersprachen C++ oder C# punkten,  insbesondere wenn sie Interesse oder Kenntnisse im Bereich der normativen Softwareentwicklung mitbringen.

Eingebettet in die Zukunft

Wer sich für den Einstieg im Bereich Embedded Software entscheidet, kann auf eine langfristige Karriere setzen, denn der Bedarf an diesen Lösungen nimmt zu. Dr. Schleicher von Infoteam Software rechnet mit einem anhaltenden Anstieg von Geräten mit Embedded Software, da das Internet of Things immer mehr eingebettete Geräte erfordert, um sie miteinander zu vernetzen. Diese zukünftigen Trends sind eng mit Visionen verknüpft. Im Straßenverkehr werden sie aus Sicht von ZF-Mitarbeiter Peter Feulner besonders deutlich: »Unser Ziel sind langfristig null Unfälle im Straßenverkehr und null lokale Emissionen. Beides erreichen wir nur durch mehr künstliche Intelligenz in der Mobilität. Denn intelligentere Fahrzeuge sind sicherere Fahrzeuge. Embedded Software ist hier der Schlüssel zu mehr Sicherheit, mehr Komfort und mehr Effizienz.« n


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