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Software Made in Germany: Bitkom Experte Dr. Frank Termer zum deutschen Silicon Valley und dem Start-up Standort Berlin

Standort und Status: Was Software Made in Germany drauf hat. Ein Gespräch Mit Bitkom-Experte Dr. Frank Termer

Kein kleiner Fisch: So bedeutend ist die Softwarebranche  Im Jahr 2014 waren rund 90.000 Unternehmen in der deutschen Informations- und Kommunikationsbranche tätig. Über 90 Prozent dieser Firmen - 83.000 an der Zahl - erwirtschafteten ihren Umsatz dabei mit dem Schwerpunkt Software- und IT-Services. Dies zeigte eine Erhebung des Branchenverbandes Bitkom.

Herr Dr. Termer, was zeichnet Deutschland als Standort für Softwareentwickler aus?  Wir sind in Sachen IT-Arbeitgeber sehr breit aufgestellt, sowohl bei großen als auch bei mittleren und kleinen Unternehmen sowie Start-ups. Und nicht nur allein in der IT-Branche, sondern auch in anderen Branchen nimmt Software einen immer größeren Stellenwert ein. Deshalb haben wir für fast jeden Arbeitnehmer etwas in petto.

In welchem Bereich nimmt Deutschland eine Vorreiterrolle in Sachen Softwareentwicklung ein?  Besonders stark sind wir in den Bereichen Embedded Systems und Shopsysteme sowie im Automotivesektor. Insgesamt ist es jedoch schwierig, einer ganzen Nation eine Vorreiterrolle zuzuschreiben. Wer beispielsweise an U.S.-amerikanische Software denkt, assoziiert sofort B2C-Unternehmen wie Google oder Facebook – wieder ein ganz anderer Bereich und somit nicht wirklich vergleichbar.

In den USA ist die Standortfrage klar: Das Silicon Valley is the place to be. Gibt es dazu ein deutsches Pendant?  Die Frage ist, wie man das Silicon Valley definiert. Letztendlich ist es ein Ort, an dem Ideen mit technischem Know-how, Wissen und Geld zusammenfließen. Es ist ein Raum, um Neues auszuprobieren und diese neuen Ideen dann auch zu Geschäftsmodellen heranwachsen zu lassen. Etwas Vergleichbares schaffen wir in Deutschland aktuell mit den sogenannten ›Hubs‹, die das Bundeswirtschaftsministeriums auf Initiative des Bitkom ins Leben gerufen hat. Hier geht es darum, deutsche Leitindustrien zu digitalisieren.

Und welche sind das?  Beispielsweise sind für den Bereich Logistik in Hamburg und Dortmund schon zwei solcher Hubs entstanden sowie für Mobility in München. Andere sollen noch folgen, wie etwa für Gesundheit in Nürnberg/Erlangen. Das Ziel ist jeweils, ein Gebäude oder eine Fläche dort bereitzustellen, wo sich die Spieler einer Branche – Global Player, Mittelständler und Start-ups, genauso wie Wissenschaft, Kommunen und öffentliche Verwaltung – treffen können, um eine Basisinfrastruktur zu schaffen und um Ideen auch ausprobieren zu können.

Können die Hubs dem Vergleich mit dem Silicon Valley standhalten?  Es geht nicht darum, ein eigenes Silicon Valley in Deutschland zu haben, sondern darum, zu verstehen, wie dieses Ökosystem für IT-Unternehmen funktioniert. Das Konzept ist dann auf die Gegebenheiten und Rahmenbedingungen Deutschlands anzupassen.

Trotzdem schmücken sich IT-Unternehmen rund um Dresden mit dem Beinamen Silicon Saxony …  Eine Einszueins-Kopie des Silicon Valley würde keinen Sinn machen, denn sie würde so bei uns nicht funktionieren. Sicher sind die Ansätze in Sachsen oder etwa im Softwarecluster Rhein-Main-Neckar ähnlich, die Kultur ist aber eine andere.

Ein junger IT-Gründer fragt Sie, wo in Deutschland er auf fruchtbare Gründerwiesen stößt – was wäre Ihr Rat?  Das hängt natürlich von der Branche ab. In einer Studie haben wir Start-up-Gründer selbst befragt, welche deutsche Stadt sie für den besten Ort für Gründungen halten. Knapp drei Viertel, also 73 Prozent der befragten Gründer, entschieden sich für Berlin, weit abgeschlagen folgen Hamburg mit 14 und München mit neun Prozent.

Warum Berlin?  Diese Stadt hat schlicht die besten Voraussetzungen für die Gründung eines IT-Start-ups. Es wirkt sich einerseits günstig aus, dass es dort bereits so viele Start-ups gibt. Dadurch hat sich eine gründerfreundliche Kultur entwickelt. Andererseits sind dort Lebenshaltungskosten noch vergleichsweise niedrig. Nicht zu unterschätzen ist auch der international sehr gute Ruf Berlins, denn viele Unternehmen streben eine schnelle Internationalisierung an.

Nicht jeder ist ein Gründertyp. Woran können sich Absolventen orientieren, die in der Softwarebranche einsteigen wollen?  Wer weiß, womit er sich nach dem Einstieg beschäftigen möchte, sollte sich in den jeweiligen Schwerpunktregionen umsehen. Typischerweise finden sich Automobilunternehmen eher im Süden Deutschlands, im Großraum München oder Stuttgart. Für Finanzen ist die Region um Frankfurt, für Versicherungen um Köln und für Logistik um Dortmund oder Hamburg attraktiv. Das Potenzial für Software in Deutschland ist sehr groß. Nun braucht es noch die entsprechenden Fachkräfte, um dieses Potenzial auch auszuschöpfen.


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