Serkan Camdereli

IT-Consultants

Ich packe meinen Koffer und geh’ dann mal auf Arbeit. IT-Consultants als die ewig Reisenden, unangefochtenen Meister der Projektarbeit und sportliche Freizeitgestalter.

Momentan arbeitet Serkan Camdereli an der Industrialisierung einer IT-Organisation. »Ziel des Projekts ist es, in allen Länderorganisationen des international aufgestellten Unternehmens global standardisierte Prozesse und Tools in der Softwareentwicklung zu definieren und einzuführen«, sagt der 35-Jährige, der Wirtschaftswissenschaften an der Uni Duisburg-Essen studiert hat. Ein Projekt, dessen Ziel klar gesteckt ist, aber bei dessen Umsetzung er flexibel agieren können muss. Deshalb gestaltet er seinen Tag mit zeitlichen Puffern, »da im Projektgeschäft nicht selten unvorhergesehene Ereignisse auftreten«, erklärt Camdereli. Seine Arbeit bei Atos Origin basiert auf Kommunikation: Im Regelfall finden vor- und nachmittags Meetings statt oder er nimmt an Video- oder Telefonkonferenzen teil. Der Consultant bereitet Präsentationen vor und dokumentiert die Ergebnisse der Meetings. Weiter konzipiert er seine Beratungs- und Implementierungsprojekte und prüft den jeweiligen Projektfortschritt. Dabei ist er immer in Kontakt mit den Kunden. Das macht auch das Besondere für ihn aus: »Ich arbeite an facettenreichen Aufgabenstellungen zusammen mit Menschen aus unterschiedlichen Fachrichtungen. Im ITConsulting herrscht eine starke Dynamik, so dass sich mir abwechslungsreiche Herausforderungen bieten«, erklärt Camdereli. Abwechslung bringt auch die vermehrte Reisetätigkeit – je nach Projekt ist er einen bis fünf Tage die Woche unterwegs. Dass er dabei neue Menschen, Unternehmen und Orte kennenlernen kann, empfindet er als Vorteil. Wo sind die Nachteile? »Ich kann zum Beispiel keine regelmäßigen Termine wie Trainingseinheiten im Sportverein wahrnehmen«, sagt er. Sein Smartphone sorgt dafür, dass er auch bei Reisen »die Verbindung mit der Welt« nicht verliert. Rituale, damit er sich auch unterwegs ein wenig zu Hause fühlt, hat er nicht – er reist einfach gerne und genießt die Zeit in der Fremde.

 

Stephanie Ann Lockemann, SAPEinen typischen Arbeitstag gibt es für Dr. Stephanie Ann Lockemann nicht. Die 41-Jährige nimmt verschiedene Rollen in ihrem Job als Consulting Managerin bei SAP ein: »Ich habe eine disziplinarische Verantwortung für circa 25 Mitarbeiter und sorge dafür, dass die einzelnen Berater in Projekten untergebracht sind. Letztendlich bin ich für die qualitative Umsetzung der jeweiligen Projekte verantwortlich und auch dafür, dass die Mitarbeiter entsprechend ausgebildet werden«, sagt Lockemann. Weiter sorgt sie als Key Account Managerin für die Akquise und Lieferung von Projekten. Momentan bearbeitet sie zwei Ausschreibungen. Dabei handelt es sich um eine komplette ERP-Implementierung und um eine Lösung in einem Spezialthema, das sehr industriespezifisch ist. Im Schnitt ist sie die Hälfte ihrer Arbeitszeit unterwegs. »Es würde mich nicht ausfüllen, wenn ich jeden Tag im Büro sitzen und das Gleiche machen müsste«, erklärt die Beratungsleiterin und fügt hinzu, dass sie gerne auf Reisen ist und es genießt, neue Menschen und Orte kennenzulernen. In ihrem Reisegepäck finden sich meistens Sportklamotten. Sport hilft ihr abzuschalten, sich Freiräume zu schaffen. Die promovierte Maschinenbauerin trennt klar zwischen Berufsleben unter der Woche und Privatleben am Wochenende und weiß, dass sich ihr Beruf nicht für ein regelmäßiges Vereinsleben eignet. Sie zieht die Abwechslung in ihrem Job der Routine vor: »Selbst ein geplanter Tag kann durch einen Anruf völlig aus dem Konzept fallen, aber genau das macht es für mich spannend. Es macht mir sehr viel Spaß, immer wieder vor neuen Aufgabenstellungen zu stehen. Hinzu kommt, dass ich sehr gerne mit meinem Team zusammenarbeite«, erklärt Lockemann. Dabei betont sie, dass eine einwandfreie Abwicklung des Projekts höchste Priorität hat, aber ein IT-Consultant nie vergessen sollte, dass »der Kunde immer im Fokus steht«.

 

Lia Grunwald, Capgemini, Nach zwei Jahren in der Prozessabteilung in einem Logistikunternehmen entschied sich Lia Grunwald bewusst dafür, wieder in die Beratung zurückzugehen. Sie hatte schon direkt nach ihrem BWL-Studium an der Uni Osnabrück zwei Jahre in einer kleinen Unternehmensberatung gearbeitet. Beratung bedeutet für sie Abwechslung, ständig neue Herausforderungen und ein Eldorado für Lernwillige: »Nirgendwo lernt man so viel und so schnell. Durch das ›training-on-the-job‹ konnte ich sehr schnell Fuß fassen und habe viele interessante Menschen aus sämtlichen Führungsebenen kennengelernt«, sagt Grunwald. Momentan ist sie an einem internenAkquiseprojekt beteiligt. Falls der Kunde seine Zusage gibt, steht die Wochenplanung fest: »Am Anfang steht die Ramp-up-Phase, in der sich das ganze Team trifft und sich kennenlernt. Ich bin für ein kleines Teilprojekt mit Themenverantwortung vorgesehen. Dabei werde ich die meiste Zeit beim Kunden vor Ort verbringen«, erklärt die Consultin bei Capgemini. Auch sie ist sehr viel unterwegs – im Schnitt vier bis fünf Tage die Woche. Die erhöhte Reisetätigkeit macht ihr grundsätzlich Spaß, aber sie genießt es auch, wenn sie für längere Zeit zu Hause sein kann. Ihre Strategie für einen gewissen Alltag auf Reisen? »Um eine minimale Kontinuität zu bekommen, versuche ich, wenn ich am gleichen Ort, beim gleichen Kunden und im gleichen Hotel bin, das gleiche Zimmer zu bekommen«, erklärt die 28-Jährige. Wenn die Zeit es zulässt, verbringt sie ihre Abende mit Sport, Lesen oder Telefonaten mit ihren Freunden. Ihre Beratertätigkeit hat sie schon für längere Zeit nach Paris geführt, wo sie für einen Investitionsgüterhersteller an der Umstellung des After-Sales mitgearbeitet hat. Nach Ende des Projekts lud der Kunde alle 800 Mitarbeiter ein, um die Neuerung vorzustellen. Als er den Saal betreten hat, bekam er Jubel und Applaus. Ein tolles Gefühl auch für Grunwald »mit der Arbeit etwas bewirkt zu haben«.

 

Maria Hoppe, IBMMit 24 Jahren hat Maria Hoppe schon einen einen sehr verantwortungsvollen Job. Das ist für sie auch das Besondere an ihrem Beruf als Unternehmensberaterin im Global Business Services bei IBM. »Nicht der Lebenslauf ist ausschlaggebend, sondern die Leistung zählt. Flexibilität wird zwar gefordert – im Gegenzug geht der Arbeitnehmer auch auf die individuellen Wünsche ein«, erklärt Hoppe. Aktuell ist sie als IT-Consultant tätig und leitet ein zehnköpfiges Project-Management-Office-Team. Dieses Team ist unter anderem für die Finanzplanung, den reibungslosen Ablauf der Lieferanteneinbindung und für die IT-Security verantwortlich. Berlin ist ihr Stammsitz, im Moment ist sie aber hauptsächlich vor Ort in München. Ihr Arbeitsumfeld ist sehr international: »Unser Projektteam setzt sich aus rumänischen, indischen und deutschen Kollegen zusammen, was zur Folge hat, dass sich ein ständiger Kontakt mit allen Kollegen schwierig gestaltet«, erklärt Hoppe, die ein Duales Studium der International Business Administration an der Berlin School of Economics absolviert hat. Die Teamzusammensetzung hängt vom Projekt und Kunde ab. Das Global Delivery Center in Indien wird vor allem für die englischsprachigen Aufgaben herangezogen. Hoppes Aufgabe ist es dann, vor Ort in Indien das Team aufzubauen und einen Wissenstransfer durchzuführen. Dabei lernt sie die Unterschiede zwischen den beiden Kulturen kennen. »Die Inder haben ein anderes Hierarchiebewusstsein. Wenn ich in einer E-Mail etwas anfrage, was den Anweisungen ihres Chefs widerspricht, bringe ich sie in eine Konfliktsituation, die ich umgehen kann, indem ich den Chef auf Kopie setze. Bei deutschen Kollegen wäre dieses Vorgehen kritischer«, sagt Hoppe und fügt hinzu: »Es ist einfach schön, wenn alle, trotz kultureller Unterschiede, an einem Strang ziehen und als Team funktionieren.« Wichtig dabei ist Offenheit und sich die Fähigkeit zu bewahren »keine Angst vor Veränderungen zu haben«.

 

Mareike Kalweit, Cirquent Mareike Kalweit hört nie auf zu lernen. Die 29-Jährige, die eine Ausbildung zur Fachinformatikerin in der Anwendungsentwicklung absolviert hat, hat es deshalb noch keinen Tag bereut, in die Unternehmensberatung eingestiegen zu sein, weil sie immer hinzulernt: »Für Berater ist es eine Voraussetzung, sich weiterzubilden – vor allem in der IT und in der Bankenwelt«, sagt Kalweit. In ihrer Tätigkeit als Consultant bei Cirquent sieht sie sich als Vermittlerin, die zwischen der IT- und den Fachabteilungen moderiert. Dabei muss sie immer wieder knifflige Situationen lösen: »Meine Arbeit besteht darin, Lösungen zu finden, die von allen beteiligten Parteien akzeptiert werden, zum Beispiel, wenn sich fachliche Anforderungen nicht ohne Weiteres mit den Sicherheitsrichtlinien verbinden lassen«, erklärt Kalweit. Momentan arbeitet sie an einem Update für eine Börsenschnittstelle, die einen Überblick über verschiedene Börsenmärkte bietet. Für dieses Projekt ist sie einen Tag die Woche unterwegs – in anderen Projekten erstreckt sich dafür die Reisetätigkeit auf bis zu fünf Tage die Woche. Dabei reizt sie nicht das Reisen als solches, umso mehr dafür die neuen Projektsituationen, Kollegen und Mitarbeiter, das wechselnde Umfeld und die Möglichkeit, aktuelle Technologien einzusetzen. Außerdem schätzt sie das direkte Feedback bei den Kunden vor Ort. Obwohl sich vieles ändert, kann sie beim Programmieren und der Projektleitung auf ihre Erfahrung zurückgreifen. Die Mitgliedschaft in einem deutschlandweit vertretenem Fitnessstudio bietet ihr die Gelegenheit, sich auch auf Reisen einen Ausgleich zu schaffen und Kontinuität in ihre Freizeitgestaltung zu bringen. Abschließend erklärt Kalweit: »Das größte Kompliment für mich ist, wenn der Auftraggeber im Nachhinein nochmal auf mich zukommt und mir sagt, dass er mich gerne wieder mit einem Projekt betrauen würde«, und betont, dass es jedes Mal ein schönes Erlebnis sei, ein Projekt erfolgreich zu Ende zu bringen. Der Weg zum Erfolg führt auch über die richtige Einstellung: »Ein IT-Consultant sollte nie glauben, schon alles zu wissen!«


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