Alles aus einer Hand: Inhouse IT-Consulting
Alles aus einer Hand: Inhouse IT-Consulting JD Hancock/Flickr.com unter CC BY 2.0

Was machen Inhouse IT-Consultants?

Nicht für jedes Computerproblem braucht es Experten von außerhalb: Inhouse IT-Consultants lösen es auch so

Computer, sagt man, machen vielleicht nicht alles, aber doch sehr vieles leichter. Buchführung, das Planen von Gebäuden oder komplizierten Maschinen, ja selbst das Schreiben dieses Textes wird in gewisser Weise einfacher, da heutzutage keiner der vielen, vielen Rechtschreibfehler noch umständlich mit Tippex oder Kleber und Schere ausgebessert werden muss. Das erledigen Backspace- und Entfernen-Taste inzwischen deutlich sauberer und schneller. Allerdings: Dass ein Computer so manches unnötig verkompliziert, weiß jeder, der in einem Anflug von Verzweiflung und Wut schon einmal seinen streikenden Rechner aus dem Fenster werfen wollte. Nicht jedes Programm ist intuitiv, und je vertrackter es ist, desto mehr Erklärungsbedarf besteht bei jenen, die zu IT und Technik ein, nunja: gespanntes Verhältnis pflegen. Auch in Unternehmen. Und hier kommen IT-Consultants ins Spiel.

Externe vs. interne IT-Berater

Als Dienstleister beraten sie, weiß das Onlinelexikon Wikipedia (ja, auch die schnelle Informationsbeschaffung gehört zu den großen Vorteilen des digitalen Zeitalters), »bei der Einführung, Wartung und Weiterentwicklung von IT-Systemen«. Mancher Betrieb vertraut dabei auf das Wissen externer IT-Consultants. In aller Regel aber hat jedes Unternehmen einer bestimmten Größe eine eigene IT-Abteilung, und zu dieser gehören selbstverständlich auch interne IT-Berater. »Auch wenn sie«, sagt Roman Melcher von der Drogeriemarktkette dm, »nicht immer so heißen.« Melcher ist Geschäftsführer Informationstechnologie bei dm und Leiter der für die IT zuständigen dm-Tocher Filiadata, die Homepage des Unternehmens zitiert ihn mit den Worten: »Regelmäßige Investitionen in die IT sind entscheidend, um unseren Kollegen in den Filialen, den Verteilzentren und den Fachressorts in elf europäischen Ländern einen möglichst optimalen Arbeitsablauf zu ermöglichen.«

Dafür unterhält Filiadata die Bereiche Hardware, Entwicklung, Support und eben: Beratung. Die Aufgaben der internen IT-Consultants beschreibt Melcher dabei so: »Wenn wir ein neues Lager und Verteilzentrum bauen, ist das hochtechnisiert, voller IT. Da geht es dann darum, das passende System zu wählen und den Kollegen genau zu erklären, wie es funktioniert.«
 

IT-Consulting: Quereinstieg die Regel

Nicht alle dieser IT-Experten, die viel mehr erklären können müssen als programmieren, sind dabei studierte Informatiker. Sie sind unter all den Beratern nicht einmal die Regel. Natürlich müssen IT-Consultants mit Computern mehr anfangen können als sie nur einzuschalten, diejenigen aber, »die wirklich tief in die Entwicklung eintauchen«, sagt Melcher, »landen meist in Softwarehäusern«. Unter IT-Beratern, seien sie nun intern oder extern, tummeln sich deshalb Wirtschafts- und Naturwissenschaftler, Mathematiker – oder auch ein studierter Maschinenbauer wie Stefan Strehlow.

Während eines Praktikums lernte der heute 32-Jährige CAD-Anwendungen kennen. Hinter dem Kürzel verbirgt sich die Formel vom ›computer-aided design‹, zu deutsch: dem rechnergestützten Konstruieren. Alle nur denkbaren Bauteile werden heutzutage am Computer entworfen, ob nun in Architektur, Bauingenieurwesen, Maschinenbau oder der Zahntechnik. Strehlow wollte CAD nicht nur anwenden, »sondern auch verstehen, wie das funktioniert«. Er vertiefte sich in die entsprechenden Programme, fuchste sich in die Materie hinein und war hinterher in der Lage, sie als Tutor seinen Kommilitonen zu erklären – »mein Einstieg in das IT-Consulting«, bilanziert Strehlow rückblickend. Nach seinem Studium landete Strehlow bei der MAN Truck & Bus AG in München, wo er an Schulungsunterlagen zu CAD mitschrieb.

Strehlow heuerte zwischenzeitlich bei einem externen IT-Berater an, wo er sich vornehmlich um den Punkt Datenqualität kümmerte, später kehrte er, nun als Projektmanager, zu MAN zurück. Strehlow kennt deshalb beide Beraterperspektiven sehr gut, die externe wie die interne. »Externe Consultants lernen viele Firmen kennen«, sagt Strehlow, »das heißt aber auch, dass sie sehr viel reisen müssen.« Nicht mit jedem Lebensentwurf sei eine solche Tätigkeit vereinbar. Der interne IT-Berater scheint dagegen als gleichsam sesshaft gewordenes Gegenstück zu seinem umtriebigen externen Pendant. Natürlich lernen Inhouse IT-Berater nicht kontinuierlich neue Menschen, Kunden und Unternehmenskulturen kennen. Dafür, sagt Strehlow, kommunizierten sie mit ihren Kollegen auf Augenhöhe und könnten sie ein Projekt von Anfang bis zum Ende begleiten. Externe Berater dagegen? Sind nach der Planungsphase oft längst weg.
 

Vom Plan bis zur Realisierung: Vorteil Inhouse IT-Consulting

Diesen Unterschied streicht auch Frank Peffekoven heraus: »Inhouse Berater erleben auch die Realisierung und Umsetzung eines Projekts, das sie beraten haben«, sagt der 50-Jährige. »Inhouse Berater sind damit immer greifbar und bleiben in der Pflicht, wenn etwas nicht wie geplant läuft.« Peffekoven ist Volkswirt, nach seinem Studium promovierte er an der Bundeswehr Universität in Hamburg über Konzernrechnungslegung. Heute allerdings ist er Leiter des Kompetenzfeldes IT-Management bei der Gesellschaft für Entwicklung, Beschaffung und Betrieb (Gebb), einer Art Ausgründung des Bundesverteidigungsministeriums, die sich auf ihrer Homepage selbst als »Die Inhouse Berater der Bundeswehr« bezeichnet. Innerhalb der Gebb unterstützt das Kompetenzfeld IT dabei vor allem zwei Projekte: Zum einen das Nachfolgeprojekt von Herkules, einem milliardenschweren IT-Projekt, in dessen Zuge die Bundeswehr bis 2012 ihre IT modernisierte. »Daneben unterstützen wir das Bundesverteidigungsministerium bei Fragen zur IT-Konsolidierung des Bundes«, berichtet Peffekoven.

Alle Lösungen, die er und seine Kollegen dabei entwickeln, müssten vor allem eines: »In einem sozialen Umfeld funktionieren.« Wenig Sinn habe es, eine vermeintlich brilliante Lösung gegen die Widerstände derjenigen umzusetzen, die später damit arbeiten müssen. Es ist eine Form der Rücksichtnahme, so wie sich Consultants generell verantwortlich für die Ergebnisse ihrer Beratung fühlen müssten – zumal sie ja ›ihr‹ Unternehmen beraten. Stefan Strehlow ergänzt dieses Profil eines idealtypischen Inhouse IT-Consultant noch: Interne Berater, sagt Strehlow, müssten genau ergründen können, was die Motivation hinter und die Anforderungen an ein bestimmtes Programm seien. Mancher Kunde habe zwar schon eine sehr detaillierte Vorstellung von einer Maske im Kopf, ohne aber genau abschätzen zu können, ob diese Maske in der Lage ist, sein eigentliches Problem zu lösen. Hier müsse ein Inhouse IT Consultant scharf analysieren und geschickt argumentieren können. Damit die dann gefundene Lösung das Leben des Kollegen auch tatsächlich erleichtert, und nicht etwa zu vielen frustrierten Wutausbrüchen führt. 


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