Cloud Computing: Interview zum Trendthema

Den Megatrend Cloud Computing hat Matthias Zachner in seiner Studie ›Cloud Computing in Deutschland 2017‹ analysiert. Im Interview berichtet Zacher, wie es auf dem deutschen Markt in Sachen Cloud aussieht.

Matthias Zacher, Autor der Studie "Cloud Computing in Deutschland
Matthias Zacher, Autor der Studie "Cloud Computing in Deutschland" privat

Herr Zacher, inwieweit haben sich deutsche Unternehmen bereits auf Cloud Computing eingelassen?

Etwa 63 Prozent der deutschen Unternehmen nutzen derzeit Cloud Services oder haben Cloud Technologie implementiert – Tendenz steigend. Damit hinken sie aktuell im Vergleich zu europäischen Ländern und der USA allerdings etwas hinterher: hier liegt der Wert im Schnitt um fünf bis zehn Prozent höher. Cloud Technologien werden also mehr und mehr genutzt.

Die Frage bleibt, wie intensiv?

Auch hier ist in deutschen Unternehmen tendenziell noch viel Luft nach oben: rund 45 bis 50 Prozent haben bereits eine höhere ›Cloud Reife‹ erreicht, der Rest tastet sich heran. Zur Bewertung der Lage sollte man auch die Herstellerseite nicht außer Acht lassen; also diejenigen Unternehmen, die Cloud Services anbieten. Der Blick auf die Applikationslandschaft und Cloud Technologie zeigt, dass die großen Cloud Services aktuell noch häufig aus dem englischsprachigen Ausland kommen.

In der Studie steht die ›Cloud Reife‹ als Maßstab für die Intensität, mit der sich Unternehmen mit Cloud Computing beschäftigen. Ist die von Branche zu Branche unterschiedlich?

Sicher, auch in der Art und Weise der Implementierung. In der Fertigungsindustrie ist der Cloudeinsatz weit vorangeschritten. Hier setzten Unternehmen vor allem auf Private Clouds. In der Telekommunikations- und Medienbranche beobachten wir ebenso große Fortschritte. Nachzügler sind neben Financial Services die Öffentliche Hand und zum Teil auch Versorgungsunternehmen – Unternehmen, die relativ stark reglementiert sind, und bei denen vielleicht rechtliche oder andere Compliance Aspekte gegen Cloud-Lösungen sprechen. Interessant ist, dass im Jahr 2016 vor allem der deutsche Mittelstand intensiver nach Cloud Services fragte – hier tut sich etwas in Sachen Cloud Computing.

Geht es eigentlich noch ohne Cloud?

Mittelfristig funktioniert es häufig noch ohne, aber langfristig sind die Weichen eindeutig Richtung Cloud Computing gestellt. Das liegt erstens daran, dass sich Unternehmens-IT durch Cloud Computing effizienter und kostengünstiger gestalten lässt. Und zweitens, alle künftigen Technologien direkt oder indirekt auf Cloud Technologie basieren werden.Klingt nach tiefgreifenden Veränderungen der Unternehmens-IT.

Was ändert sich hier durch den Vormarsch von Cloud Technologien?

Security-Fragen werden immer relevanter. Außerdem stellt sich nun für viele Unternehmen die grundsätzliche Frage, ›Soll ich wirklich weiter in IT investieren, ergo regelmäßig neue Hardware kaufen, oder beschaffe ich mir alle Anwendungen aus einer Cloud?‹. Zudem bietet die Cloud die Möglichkeit, projektweise kurzfristig auf Ressourcen wie Server, Applikationen oder Betriebssysteme zuzugreifen – diese können einfach bei einem der großen Anbieter dazu gebucht werden. Diese Option lässt auch Szenarien zu, bei denen die gesamte innerbetriebliche IT auf externe Ressourcen verlagert wird – das Start-up, das lediglich mit einem Notebook auskommt. Auch hybride Szenarien sind denkbar: Wichtige Dinge werden inhouse betrieben, andere in der Cloud verwaltet.

Wo liegen die größten Herausforderungen im Cloud Sektor?

Eines der grundsätzlichen Probleme ist auch ein geopolitisches: Ist es angesichts der aktuellen Entwicklungen sicher gestellt, dass Cloud Services weltweit verfügbar sind? Gibt es vielleicht politische oder staatliche Interessen, die dem entgegenwirken könnten? Ein Risiko, das berücksichtigt werden muss. In Deutschland gibt es weiterhin das mittelfristige Problem, dass es in ländlichen Gebieten keine ausreichende Breitbandverbindung gibt. So können Cloud-Ansätze  beispielsweise in Nordmecklenburg-Vorpommern auch Teils an ganz banalen infrastrukturellen Dingen scheitern.

Welche Auswirkung hat der Cloud Computing-Boom auf den Arbeitsmarkt für ITler?

Da gerade die großen Public Cloud Provider wie Microsoft, Amazon Web Services, Google oder SalesForce einen erheblichen Einfluss auf den Markt haben, ist es wichtig für Einsteiger, sich mit den entsprechenden Lösungen und Technologien vertraut zu machen. Basistechnologien wie Open Stack und Microservices spielen dabei genauso eine Rolle wie Prozess- und Projektmethoden wie Scrum – all jene Dinge, die es Unternehmen ermöglichen, IT schnell und effizient zu betreiben. Das sind Themen, die für Absolventen wichtig sind.


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