Foto: William Daigneault/Unsplash

Das Bauen der Zukunft ist digital

Wir zeigen dir, was den Job des Bauinformatikers ausmacht und warum er immer wichtiger wird.

Building Information Modelling (BIM), Virtual und Augmented Reality, Künstliche Intelligenz oder das Internet der Dinge – in der Baubranche gibt es momentan viele zukunftsweisende Trends. Um diese Trends entsprechend zu gestalten und umzusetzen, braucht es das notwendige Know-how. Von Bauingenieuren, Informatikern oder im Idealfall einer Mischung aus beiden: dem Bauinformatiker. »Im digitalen Zeitalter unterstützen moderne PC-Technologien nahezu alle Arbeitsprozesse im Bauwesen. Bei Josef Gartner in Gundelfingen werden Fassaden für die ganze Welt entwickelt, geplant und gebaut. Das wäre ohne Computerlösungen und damit auch ohne Informatiker gar nicht mehr möglich«, betont German Beischler, Software Coordinator & BIM Manager bei Josef Gartner, die Wichtigkeit eines Bauinformatikers. 

Nachhaltigkeit als oberste Priorität
Das wohl allerwichtigste Thema des Bauens ist die Nachhaltigkeit. Ein Feld, das gerade für Bauinformatiker wie gemacht ist: Durch entsprechende Simulationen können sie beispielsweise Ressourceneinsparungen gekonnt ermitteln. Das Beratungsunternehmen für den Bau- und Immobiliensektor Drees & Sommer ist diesbezüglich einer der Vorreiter: Letztes Jahr hat das Unternehmen mit Hauptsitz in Stuttgart die Mehrheitsanteile der EPEA GmbH erworben, welche maßgeblich für das ›Cradle to Cradle‹-Prinzip verantwortlich ist. Der Zweck dieses sogenannten Circular Economy-Gedankens ist es, aus Abfall Rohstoffe für Produkte, Prozesse und Gebäude in immer gleicher Qualität zu gewinnen und wieder einzusetzen. Die Circular Economy soll einer der großen Zukunftsmotoren bei Drees & Sommer werden.

Hier gilt es, diese Gedanken mit neuen digitalen Lösungen in Verbindung zu setzen: »Worauf wir hinarbeiten ist, dass es einen digitalen Zwilling, also ein virtuelles Abbild mit allen relevanten Daten von Immobilien gibt, der sie über den gesamten Lebenszyklus bis hin zum Rückbau begleitet – egal, wem das Gebäude wann gehört. Das können Bauinformatiker vorantreiben und mit ihrer Software das Bauen der Zukunft revolutionieren«, beschreibt Peter Liebsch, Leiter der Abteilung Digitale Werkzeuge und Senior Projektpartner bei Drees & Sommer, die Strategie des Unternehmens.

Beraten und Probleme erkennen
Die Aufgaben eines Bauinformatikers sind sehr vielseitig. Schon vor dem Beginn eines Projekts geht es darum, die Kunden über ihre Bauvorhaben, und die Digitalisierungsstrategie im Speziellen, zu beraten. Das betrifft die Planung, die Installation und den Einsatz neuer Systeme. Zwei wichtige Fragen, die unbedingt geklärt werden müssen, nennt Liebsch: »Was brauchen die späteren Nutzer eigentlich an digitalen Lösungen im Gebäude und was davon ist machbar?« Wenn diese Fragen geklärt sind, machen sich die Bauinformatiker an die Umsetzung. Dazu gehören auch Smart-Building- und Cyber-Security-Konzepte.

Bei Josef Gartner arbeiten Bauinformatiker an der Schnittstelle zwischen der Problemstellung und der Software. Sie analysieren mögliche Gefahrenpotenziale – unter anderem in den Bereichen Organisationsstruktur, Prozess, Informationsfluss oder Bearbeitungsmodellierung. Dann gilt es, Lösungen zu finden. Auch dafür gibt es viele verschiedene Ansätze – beispielsweise durch statistische Berechnungen, das Auswerten von Geometrien oder die Automatisierung und Digitalisierung der Produktion, Baustellen oder Prozesse im Unternehmen. Selbst Softwarelösungen können von Bauinformatikern vorangetrieben werden. Das ist etwa bei der maßgeschneiderten Abwicklung von Fassadenprojekten der Fall.

Bildung auf dem Vormarsch
Auch Hochschulen und Universitäten bemühen sich, die Studienrichtungen Informatik und Bauingenieurwesen zu kombinieren. Die TU Dresden beherbergt beispielsweise das Institut für Bauinformatik und an der TU Berlin wurde das Institut für Bauingenieurwesen um das Fachgebiet Bauinformatik erweitert. Ebenfalls nicht zu vergessen ist der im Wintersemester 2019/20 startende Studiengang Bauinformationstechnologie an der Jadehochschule Oldenburg. »Der Studiengang Bauinformationstechnologie wird die Lücke schließen, die traditionelle Berufsbilder, wie Architekten, Bau- und Wirtschaftsingenieure, bei der zunehmenden Digitalisierung aufgrund ihrer Ausbildung ohne Informatikanteil nicht schließen können. Unternehmen benötigen Informatiker, welche in erster Linie die Informationstechnologie, aber auch die Baubranche verstehen«, erklärt Studiengangsleiter Prof. Dr. Franz Diemand. Er betont weiterhin, dass sie in erster Linie Informatiker ausbilden, die zusätzlich Wissen über die Baubranche mitbringen. Die Informatik stehe somit an erster Stelle. Für die Zukunft ist eine Kooperation mit dem Master Wirtschaftsinformatik der Universität Oldenburg geplant. Bestimmte Module des Studiengangs sollen dann auch dort angeboten werden, damit Absolventen nach dem Bachelorabschluss den Weg der Bauinformationstechnologie weiter beschreiten können.

Rosige Zukunft
Auch wenn mit fortschreitender Digitalisierung die Job- und Gehaltsperspektiven eines Bauinformatikers steigen werden, so erhöht sich gleichzeitig auch der Druck, eine klimafreundliche Arbeitsweise an den Tag zu legen. »Angesichts der Tatsache, dass das Bauwesen zu den größten Verbrauchern von Rohstoffen zählt, kommt unserer Branche eine große Verantwortung im Umgang mit Ressourcen zu«, kommentiert Liebsch von Drees & Sommer. Doch das ist bei Weitem kein Grund klein beizugeben. Denn die Zukunft für IT-Spezialisten, die in der Baubranche arbeiten wollen, gestaltet sich positiv. »Die Nachfrage nach Bauinformationstechnologie-Absolventen ist jetzt schon riesig und wird weiter ansteigen. Der Markt ist groß«, beschreibt Diemand von der Jade Hochschule die aktuelle Lage. 


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