Frauen in der IT-Branche: Tschüss, Klischee!

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Die IT-Branche ist immer noch Männerdomäne. Dabei warten auch für Frauen viele Jobs und Perspektiven Die Zahl der Informatikstudentinnen an den Hochschulen steigt. Trotzdem arbeiten Informatikerinnen in der IT-Branche so selten wie Männer in Pflegeberufen. Noch geringer ist ihre Anzahl in den Führungsetagen.

Woran liegt das? Vielen mangelt es an Selbstvertrauen in die eigenen technischen Fähigkeiten und sie fürchten den Konkurrenzkampf auf einem Gebiet, das fest in Männerhand ist. So ist es auch kein Wunder, dass es Mädchen schon in der Schule an weiblichen Vorbildern fehlt, die ihr Interesse für die IT-Welt wecken und ihnen zeigen könnten: Programmieren ist kein reines Männer-Ding.

»Informatik ist eine Schlüsseltechnologie. Da sollten Frauen sich nicht heraushalten, sondern mitgestalten. Denn Männer und Frauen haben nun einmal unterschiedliche Herangehensweisen«, sagt Diplom-Informatikerin Angela Schwabl vom Fachbereich Informatik an der Universität Hamburg.

Sie wünscht sich, dass Frauen sich nicht davon abschrecken lassen, dass die Branche derzeit noch eine Männerdomäne ist.

»Gerade jetzt ist eine gute Zeit für Frauen in der IT. Es gibt viele Förderprogramme und die Unternehmen haben erkannt, dass es nicht ohne weibliche Unterstützung geht. Diese Chance sollte man nutzen. Und in Männerberufen verdient man eben in der Regel deutlich mehr als in klassischen Frauenberufen«, so Schwabl.

IT-Branche: Klassisches Rollenbild immer noch in Köpfen

»Männer sind von Natur aus technikaffin. Das wurde von Kindesbeinen an gefördert«, sagt Claudia Isler, HR-Managerin bei der BSI Business Systems Integration AG.

Höchste Zeit, solche angestaubten Rollenmuster aufzulösen. Das Unternehmen will mit gutem Beispiel vorangehen, wenn es darum geht, mehr junge Frauen für einen technischen Beruf zu motivieren und bietet seinen Mitarbeitern unter anderem Teilzeitmodelle und flexible Arbeitszeiten. Außerdem unterstützt der Softwarespezialist, der seinen Hauptsitz in der Schweiz und drei Niederlassungen in Deutschland hat, die Frauenförderung an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich und sponsert Veranstaltungen für Frauen im IT-Bereich.

Pia Windisch, Softwareentwicklerin bei BSI, weiß aus eigener Erfahrung: Auch Frauen können ihren Traumjob in der IT-Branche finden.

Aktuell ist ihr Einsatzgebiet ein Projekt für die PostFinance, eines der größten Schweizer Finanzinstitute. Das Projekt umfasst ein Costumer-Relationship-Management (CRM) für die Berater und den Kundendienst der Bank. »Das Spannende an meiner Arbeit ist, dass ich die Projekte von Anfang bis Ende, sprich von der Entwicklung über das Design und die Spezifikation bis hin zum Testing realisiere.« Während ihres Informatikstudiums an der ETH Zürich absolvierte sie ein Praktikum bei BSI, nach ihrem Bachelorabschluss wurde ihr die Stelle als Softwareentwicklerin angeboten.

»Es gab im Studium schon ab und zu Situationen, in denen ich gemerkt habe, dass gewisse Mitstudenten mich nicht ernst genommen und mir technisch nicht viel zugetraut haben. Andererseits gab es aber auch viele, die sehr hilfsbereit und offen gegenüber ihren Kommilitoninnen waren«, erinnert sich die 28-Jährige.

Immer mehr Unternehmen entwickeln Programme für Frauen

Auch im Arbeitsleben begegnen manchen Informatikerinnen entsprechende Vorurteile. Dabei ist es im Sinne vieler Unternehmen, auch weibliche Talente für sich zu interessieren. Nicht nur, weil Fachleute fehlen. Die Firmen profitieren von der Sichtweise der Informatikerinnen, vor allem wenn es darum geht, Produkte zu entwickeln, die auch weibliche Nutzer ansprechen sollen.

»Frauen sollten schlichtweg mehr auf ihre Fähigkeiten vertrauen. Überholte Rollenbilder sollten kein Grund mehr dafür sein, dass eine Frau nicht ihren Interessen nachgeht und nicht das tut, was sie am besten kann«, wünscht sich auch Stefanie Geiler, Leiterin der Abteilung Human Resources der Bundesdruckerei in Berlin.

Immer mehr Unternehmen fördern deshalb Initiativen und entwickeln selbst Programme, die Frauen den Einstieg in die Tech-Welt erleichtern sollen. Bedacht werden muss dabei, dass für Frauen bei der Berufswahl teils andere Themen im Fokus stehen; ein wichtiger Punkt etwa ist die Vereinbarkeit von Familie und Berufsleben. Unternehmen, die das erkannt haben, bemühen sich, Arbeitsbedingungen zu schaffen, die für Frauen genauso attraktiv sind wie für Männer. Das ist auch das Ziel der Bundesdruckerei: »Da nach wie vor Frauen einen Großteil der Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen übernehmen, haben wir in den vergangenen Jahren unser familienfreundliches Angebot erweitert«, sagt Geiler. Dazu gehören unter anderem flexible Arbeitszeitmodelle und eine Kindertagesstätten-Notfallbetreuung. Derzeit sind 35 Prozent aller Mitarbeiter der Bundesdruckerei weiblich, auf den vier Führungsebenen sind es insgesamt 25 Prozent.

»Wir wünschen uns einen noch höheren Frauenanteil im Unternehmen, denn wir haben sehr gute Erfahrungen mit heterogenen Teams gemacht. Aus unserer Sicht ist Diversität ein Vorteil bei der Arbeit und ein Gewinn für das ganze Unternehmen.« Doch es fehlt häufig an Bewerberinnen: »Es gibt einfach deutlich mehr männliche Absolventen IT-spezifischer Studiengänge. Derzeit und wahrscheinlich auch in naher Zukunft ist es daher schwierig, bei technisch ausgerichteten Berufen eine 50/50-Verteilung zu erreichen.«

Bessere Aufklärung über Arbeitsbereiche gewünscht

Das mag auch daran liegen, dass die Arbeit in der IT-Branche im Allgemeinen gern als langweiliger Schreibtischjob dargestellt wird, der nur was für Computerfreaks ist – und damit sind dann in der Regel Männer gemeint. Das Klischee trägt nicht gerade dazu bei, Frauen für die Informatik zu begeistern. »Viele Frauen haben immer noch ein falsches Bild von der Informatik oder fühlen sich im Nachteil, weil sie befürchten, Männer hätten aufgrund ihrer Hobbys technische Vorkenntnisse. Dabei setzen wir im Studium keinerlei Informatikkenntnisse voraus«, sagt Schwabl. Pia Windisch wünscht sich eine bessere Aufklärung in Bezug auf die vielfältigen Arbeitsbereiche in der Informatik.

»Das würde bestimmt einen Beitrag dazu leisten, mehr Frauen an Bord zu holen. Schließlich gibt es noch viel mehr als die Entwicklung am Bildschirm.« Ob Beratung, Sicherheit oder Design – die Arbeitsfelder in der IT sind vielfältig. Analytiker werden genauso gebraucht wie kreative Köpfe. In ihrem Team ist Pia Windisch derzeit die einzige Frau. »Das stört mich eigentlich nicht, aber es gibt manchmal Situationen, in denen ich froh um weibliche Unterstützung wäre.«

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Generell sind Frauen in den sogenannten MINT-Fächern unterrepräsentiert. 2012 lag der Anteil an Studienanfängerinnen in der Informatik laut dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) bei gerade einmal 22,5 Prozent.


Auch beim Gehalt sind Männer und Frauen in der IT nach wie vor nicht gleich auf: Während das Durchschnittsgehalt von Männern laut einer Auswertung von Personalmarkt im Jahr 2012 in Baden-Württemberg – dem Bundesland mit den höchsten IT-Gehältern – bei 58.533 Euro lag, verdienten Frauen dort im Schnitt 48.994 Euro.


Nicht nur die Arbeitgeber, auch die Universitäten und Fachhochschulen werden aktiv, um mehr Frauen in die Informatik zu holen. So bieten zum Beispiel die Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin und die Hochschule Bremen eigene Frauenstudiengänge im Fach Informatik an. Ziel ist es, Studienanfängerinnen den Zugang zur Informatik zu erleichtern, außerdem ist die HTW Berlin beispielsweise bemüht, den Studiengang mit den Lebensumständen junger Mütter vereinbar zu machen.

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