Internet der Dinge: Die Welt wird zum Dorf

Das Internet der Dinge verändert unser Leben immer mehr. Wie sehr die 
Vernetzung die verschiedenen Branchen durchdringt, liest du hier

Wenn Drahtlosigkeit vollständig angewendet wird, wird sich die ganze Erde in ein riesiges Gehirn verwandeln, was bedeutet, dass alle Dinge Teile werden eines realen und rhythmischen Ganzen sein werden. So wird Nikola Tesla schon in einem Interview von 1926 zitiert. Inhaltlich war seine Aussage damals lediglich auf die Zukunft der Kommunikation bezogen. Zur Einordnung: Der Erste Weltkrieg war erst kürzlich überwunden, das erste ›Fließband‹, wie wir es kennen (Ford) war nicht älter als zehn Jahre und deutschlandweit gab es gerade einmal rund drei Millionen Telefonanschlüsse. Was Tesla zum damaligen Zeitpunkt nicht wissen konnte, war wie nahe seine Vorhersage der Realität kommen würde: Die Welt als vernetztes Gehirn existiert bereits heute – und wird in allen Branchen und Arbeitsbereichen immer stärker vorangetrieben.

Distanzen spielen keine Rolle mehr

Ein Beispiel dafür ist die Heidelberger Druckmaschinen AG. »Wir haben bereits heute eine sehr hohe Connectivity Rate«, weiß Tom Oelsner, Leiter Digitale Innovation in der Heidelberg Digital Unit. Er arbeitet mit seinem Team derzeit daran, anhand von Daten aus der ›Heidelberg Cloud‹ neue Businessmodelle zu entwickeln – unter anderem den Heidelberg Assistant, der eine digitale Plattform darstellt: Hier können Kunden etwa Servicemeldungen aufgeben und verfolgen, den Ersatzteilversand nachvollziehen und sehen: Welche Performance hat meine Maschine? Auf dieser Plattform, die derzeit weltweit ausgerollt wird, sollen alle Dienstleistungen digital abwickelbar werden. Ein wichtiger Schritt hin zum Internet der Dinge (IoT) war, dass das Unternehmen früh auf Vernetzung gesetzt hat: »Bereits als ich 2002 zu den Heidelberger Druckmaschinen kam und der Begriff IoT noch nicht erfunden war, haben wir Maschinen über das Internet verbunden«, so Oelsner. Mittlerweile seien die Maschinen sogar über ihr gesamtes produktives Leben hinweg mit der Serviceeinheit des Unternehmens verbunden. »Distanzen und Standorte spielen dabei keine Rolle mehr. Die Welt wird zum Dorf«, weiß Oelsner. Dem zukünftigen Absolventen ruft der Informatiker deshalb zu: »Beherrsche dein Fach! Heute solltest du Cloudnative sein.« Um an Portalen wie dem Heidelberg Assistant zu arbeiten, benötigen Berufseinsteiger zudem Kenntnisse zu Big Data, KI sowie entsprechenden Mining-Technologien – also das Wissen, aus großen Datenmengen Muster, Zusammenhänge und Trends zu erkennen. Aber vor allem auch methodische Kenntnisse, um agil und auf den Kunden abgestimmt zu arbeiten, seien wichtige Skills.

Handschuh aus der Zukunft

An einem ganz anderen Punkt setzt die Firma ProGlove von Mitgründer Paul Günther an. Sie entwickelt smarte Handschuhe, um den Arbeiter mit der Industrie 4.0 zu verbinden. Seine Industrie-Wearables mit eingebautem Scanner helfen dem Träger, in Fertigung und Logistik schneller, sicherer und ergonomischer zu arbeiten. »Für uns geht es im Grunde genommen schon von Anfang an um das Zusammenspiel von Nutzer und Technik«, so Günther. Gleichzeitig bemängelt er, dass sich zwar in den höheren Management-Ebenen mit dem Internet der Dinge und der Produktion 4.0 auseinandergesetzt wird, der einzelne Arbeiter aber bisher nicht mit einbezogen worden sei. Deshalb sei es wichtig, »sich jetzt gezielt in den Arbeiter hineinzuversetzen und die Dinge aus seiner Perspektive zu betrachten.« Und zwar immer dann, wenn es um Fragen wie Dateneingabe oder maschineller Rückmeldung als Unterstützung des Arbeiters geht. Auf die Idee, die ihn zur Gründung des Start-ups brachte, kam Günther übrigens bei Werksführungen für BMW während seines BWL-Studiums an der Technischen Universität München: »Für mich ist es immer schon wichtig gewesen, mir viel Zeit dafür zu nehmen, Dinge auszuprobieren.« Mittlerweile nutzen BMW, Lufthansa oder auch Ikea den intelligenten Handschuh in ihrer Produktion. Was für Günther den Erfolg ausmacht? »Der Drive, sich direkt mit Kunden auseinanderzusetzen, ist eine Fertigkeit, die den Unterschied ausmachen kann. Darüber hinaus ist es wichtig, in der Lage zu sein, sich eine andere Perspektive anzueignen und den Anwender zu verstehen.« Denn das Start-up hat eine klare Meinung: Der Mensch wird weiterhin fester Bestandteil der Industrie bleiben.

Smart Factory für alle

Auch Sebastian Scheck von der Munich Re ist ein weiteres gutes Beispiel, wie sehr das Internet der Dinge Berufe und Karrierewege verändert. »Ich habe hier ein duales Studium in Economics and Management mit Schwerpunkt Controlling, Finanz- und Risikomanagement absolviert, in mehreren Abteilungen und im Ausland gearbeitet.« Seine Stellenbeschreibung heute: Project Manager Internet of Things. Als solcher ist er sich sicher: Industrieunternehmen stehen zunehmend unter Erfolgs- und Innovationsdruck. Das wird die Art der Produktion verändern. Die Möglichkeiten, »die technologischer Fortschritt und Digitalisierung den bestehenden Geschäftsmodellen bietet, sind schon heute immens.« Damit ihre Kunden flexibel produzieren können, bietet die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft in Kooperation mit anderen Firmen mit der ›SmartFactory as a Service‹ vollständig digitalisierte Produktionsabläufe an. »Unsere Kunden sollen in Zukunft herstellen können, was sie wollen, wann sie wollen und wo sie wollen, ohne sich dabei um die Technologie, Algorithmen oder sonstige operative und finanzielle Risiken kümmern zu müssen.«

Diese Beispiele lassen sich beliebig auf weitere Branchen und Geschäftszweige erweitern: im Transportwesen, dem Smart Entertainment, bei Umweltlösungen oder dem Energiemanagement. Deshalb sind sich alle drei Experten einig: Ob Digitalisierung, Vernetzung, Weiterentwicklung bestehender Geschäftsmodelle oder Aufbau neuer Systemstrukturen, die Teslas von morgen werden in nächster Zukunft beste Jobaussichten haben.


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