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Beam me up! IT-Trends

Clouds, Cars, Chatberatung: die IT-Trends der Zukunft zwischen Nachhaltigkeit und Datensicherheit

Gestern war das neue Smartphone noch in, heute kommt schon das nächste Update und lässt uns mit einer veralteten Version dastehen und morgen braucht es dann eine Smartwatch, um zu den angesagten Typen zu gehören. Die IT-Branche überrascht uns immer wieder mit neuen Produkten und Technologien. Wir haben uns in der Branche umgehört, welche Trends uns in der Zukunft begleiten werden.

Sei gespannt

Branchenübergreifend lässt sich folgendes festhalten: Zum einen werde die universelle Vernetzung weiter zunehmen, Stichworte Industrie 4.0 und Internet of Things, prophezeit Thomas Reinhold, CEO der ITstrategen, IT-Dienstleister, der sich auf die Entwicklung von Web-Applikationen für Unternehmen sowie auf das individuelle Hosting von Unternehmensapplikationen und -Websites spezialisiert hat. Zum anderen werden neue Technologien und internetbasierte Geschäftsmodelle in der Finanzwelt eine immer wichtigere Rolle spielen. »Und nicht zuletzt erwarten wir eine Zunahme von Wearable- und Robotics-Technologien, die in Verbindung mit neuen User-Interfaces in Form von Augmented- beziehungsweise Virtual-Reality-Angeboten unsere Wahrnehmung der Welt und die Interaktion mit Technik stark verändern werden«, fügt Reinhold hinzu. Auch in anderen Bereichen werde die Realität immer mehr mit der Technik verschmelzen. Besonders im Automobilbereich werden wir bald nicht mehr nur über selbstfahrende Fahrzeuge oder Roboter sprechen, sondern diese ständig im Alltag einsetzen, ist Reinhold überzeugt.

Neue Technologien bringen nicht nur neue Herausforderungen, sondern auch veränderte Anforderungen an IT-Mitarbeiter mit sich. Eines können wir aber gleich vorweg nehmen: ITler werden wirklich in jedem Bereich händeringend gesucht. Das werde künftig auch eher zu- als abnehmen, ist sich der Experte sicher. IT-Absolventen müssen sich jedoch auf vielschichtigere Aufgaben vorbereiten. Es reicht nicht mehr, wenn man nur eine Programmiersprache beherrscht, vielmehr müssen ITler über die Zusammenhänge aller beteiligten Technologien Bescheid wissen, denn Software muss in komplexen Zusammenhängen beziehungsweise Systemlandschaften entwickelt werden. »Das bedeutet auch, dass ein ITler heute viel teamfähiger sein muss als noch vor ein paar Jahren, damit er sich mit Kollegen angrenzender Bereiche austauschen und ein Projekt vollumfänglich verstehen und vorantreiben kann«, fügt Reinhold hinzu. Besondere Herausforderungen werden auch in Zukunft die Wahrung von Datenschutz und Selbstbestimmung sein – bereits bei der Planung und Konzeption, aber auch bei der Entwicklung und Durchführung eines Projektes.

Die Cloud

IT reicht schon lange über ein kleines heimisches Computernetzwerk hinaus. »Neben Cloud-Anwendungen zu jedem erdenklichen Thema, wird es immer mehr ein Internet der Dinge geben. Wir werden nicht nur Windeln mit App-Schnittstelle erleben, sondern genauso ›ausdruckbare Produkte‹ wie zum Beispiel Ersatzteile oder Schuhe, für die wir online einfach nur noch einen Code herunterladen und sie sodann zuhause ausdrucken«, weiß Hazel Ahamer, kreativer Kopf bei Head-on Solutions.

Das Nürnberger Software-Start-up Head-on Solutions bietet Cloud-Lösungen für kleine und mittelständische Unternehmen wie Friseure, Fitnessstudios oder Kanzleien an. Funktionsumfang sind dabei Kundenverwaltung, Marketing Tools, Online-Termine und Statistiken. Ein besseres IT-System also für den Laden um die Ecke: »Es handelt sich bei der ›Digitalisierung von lokalen Geschäften‹ nicht um einen Trend, sondern vor allem um eine Chance, das eigene Geschäft zu verbessern – die IT ist hier Mittel zum Zweck. Nur mit einem elektronischen System, das die Daten aus Kasse, Terminbuch und Kundenverwaltung zusammenführt, bekommt zum Beispiel ein Friseur einen umfangreichen Einblick in sein Geschäft. Er weiß damit, wie wertvoll für ihn ein Kunde oder wie rentabel für ihn ein Mitarbeiter ist. Er kann seine Auslastung berechnen und besser einschätzen, ob eine Tasse Kaffee genug Kundenservice bietet. Die Entscheidung einer IT-gestützten Nutzung hängt dabei nicht so sehr vom Alter ab, sondern von der eigenen Situation und der Optimierungsbereitschaft oder womöglich auch dem Optimierungszwang.«

Ein solches System cloudbasiert zu betreiben, ist für das Team von Head-on Solutions nur logisch: »Die Cloud hat einfach wesentliche Vorteile in der Anwendung, im Service, der Erweiterbarkeit und Pflege. Insofern gehen wir davon aus, dass fast jede Anwendung Cloud- oder Teilcloud-basiert sein wird. Das bedeutet vor allem auch eine Umstellung in den Softwareunternehmen sowie eine Umstrukturierung von Budgets und  Erlösstrukturen – zum Beispiel in Richtung Abo-Modelle anstatt Kauf. Hier stehen auch große Unternehmen wie SAP gerade vor großen Aufgaben.«

Start-ups scheint es wie Sand am Meer zu geben. Kann jetzt jeder IT-Unternehmer werden? »Die Gründung ist relativ einfach – der Haken liegt dann beim Erfolg. Dazu gehört sehr viel mehr, als einfach nur etwas zu entwickeln, denn meist gibt es nicht das eine geniale Produkt, das Millionen abwirft. Es ist ein Prozess, zu dem Timing, Budget und Produktnutzen gleichermaßen gehören – sowie ein bisschen Glück. Eine Basis dafür ist der Businessplan, den man vor allem für sich selbst schreibt und erst in zweiter Reihe für potenzielle Investoren. Das Schreiben des Businessplans zwingt einen Gründer, sich Gedanken über den Markt und die eigenen Chancen zu machen. Danach sollte viel mit Fachleuten, aber auch mit fachfremden Menschen diskutiert werden, um den Plan und den Kundennutzen zu ›verteidigen‹«, so Ahamer.

Car IT

Besonders im innovativen Bereich der Car IT ist man sich bewusst, was einen echten Trend ausmacht: »Ein echter Trend liefert andauernden, nachhaltigen Nutzen, vor allem für Endkunden – deshalb setzt er sich durch und auf längere Zeit fort«, erklärt Dr. Stefan Bunzel, Car IT-Experte bei Continental.

In der Car IT lassen sich vor allem drei Trends ausmachen: »Die Vernetzung des Fahrzeugs mit seiner Umwelt, das heißt mit anderen Fahrzeugen, mit Passagieren, mit der Infrastruktur und allgemein mit dem Internet. Hieraus resultieren enorme Anforderungen an die IT Sicherheit. Als Zweites die Automatisierung des Fahrens. Hier steht ein Paradigmenwechsel für die individuelle Mobilität an, der die Verarbeitung riesiger Datenmengen zum Beispiel von Kamerabildern, Radarbildern vieler Sensoren und auch eine hochgradige Vernetzung von Funktionen erfordert. Als Drittes ist ein Komplexitätszuwachs der Gesamtsoftware im Fahrzeug zu verzeichnen. Die steigenden Anforderungen hinsichtlich Unfallvermeidung, Komfort oder Nachhaltigkeit lassen sich nur mittels Software realisieren. Die wachsende Komplexität muss in der Softwareentwicklung, aber auch in der Wartung der Software beherrscht werden.«

IT ist bereits heute aus dem Fahrzeug nicht mehr wegzudenken. »Der Gesamtumfang der Software in einem modernen Automobil hat den Umfang von über 100 Millionen Zeilen Code erreicht. Aktuell sind mindestens rund 20 Millionen Fahrzeuge weltweit über festverbaute SIM-Karten mit dem Internet verbunden«, so Bunzel. Nicht nur deshalb rät er, dass »insbesondere das Thema Datensicherheit signifikanter Teil der IT-Ausbildung sein sollte«.

Diese Entwicklungen werden sich nicht über Nacht durchsetzen. Gerade, wenn Computer den Fahrer ersetzen, »wird das ein schrittweiser Prozess sein, der dem Fahrer zunehmend Aufgaben und Belastung abnimmt und ihm dabei mehr Freiheit und Komfort bietet«, verspricht Stefan Bunzel.

Green IT

Ein großes IT-Thema ist auch Nachhaltigkeit wie Emissionsminderung. »›Grüne‹ IT zeichnet sich durch geringen Energieverbrauch, Erweiterbarkeit und Langlebigkeit sowie Reparaturfreundlichkeit und gute Recyclingfähigkeit aus. Diese Eigenschaften helfen nicht nur die Umweltbelastungen durch Produktion, Betrieb und Entsorgung so gering wie möglich zu halten und viele Wertstoffe am Lebensende wieder zurückzugewinnen. Dadurch wird auch der Ressourcenverbrauch bei der Produktion von Neugeräten reduziert. Der geringe Energieverbrauch ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern schont auch den Gelbeutel durch eine geringere Stromrechnung«, führt Dr. Hans-Jürgen Baumeister vom Umweltbundesamt  aus. Die IT-Ausstattung sorgt sehr häufig für einen hohen Energieverbrauch. Deshalb ist es wichtig, energieeffiziente Geräte einzusetzen, die über einen möglichst langen Zeitraum genutzt werden können. »Notebooks sollten aufgrund des größeren Ressourcenverbrauchs bei ihrer Herstellung am Arbeitsplatz nur dann zum Einsatz kommen, wenn dieses auch regelmäßig mobil genutzt wird. Auf einen lokalen Arbeitsplatzdrucker sollte im Allgemeinen verzichtet werden und stattdessen ein Etagen- oder Abteilungsdrucker genutzt werden«, rät Dr. Baumeister beispielhaft, »besonders ökologische Geräte erkennt man an der Auszeichnung mit dem Blauen Engel. Alternativ ist es sinnvoll den Energieverbrauch der Geräte sowohl im Betrieb als auch im Standby zu vergleichen und bei der Beschaffung zu berücksichtigen.«

Versicherungsbranche

Die Versicherungsbranche beschäftigt vor allem eine Frage: Wie verändert sich die Lebenswelt der Kunden durch den digitalen Wandel? Die immer stärkere Digitalisierung ermögliche es den Versicherern, neue Formen von Kundenbeziehungen aufzubauen, etwa mit einem Online-Kundenportal, mobilen Apps, oder Kontaktangeboten über Facebook und Twitter, betont Sebastian Pitzler, Leiter des Ergo Digital Lab. Ergo und Ergo Direkt bieten ihren Kunden zum Beispiel persönliche Beratung via Skype und Chat. Außerdem wird im Ergo Digital Lab an digitalen Services und Produkten gearbeitet. Für junge Menschen gibt es beispielsweise die App ›Starter Kit‹, die zeigt, welche Versicherungen in ihrem Alter wichtig sind und welchen Schutz sie sich sparen können. »Die Digitalisierung hilft den Versicherungsunternehmen, die Bedürfnisse der Kunden besser zu verstehen, ihnen passende Angebote zu machen und neue Geschäftsfelder zu erschließen«, fügt Pitzler hinzu.

Um dies zu ermöglichen sucht die Branche nach Mitarbeitern, die moderne Programmiersprachen und flexible IT-Infrastrukturarchitekturen beherrschen. »Unser Ziel ist nämlich, bestehende Digitalangebote agil in kurzen Entwicklungszyklen weiterzuentwickeln und neue Angebote schneller als bisher auf den Markt zu bringen«, erklärt der 34-Jährige. IT-Absolventen sollten daher offen sein für neue Technologien und Trends. Außerdem werde das agile Projektmanagement immer wichtiger. »Der ITler der Zukunft sollte vernetzt denken und die Bedürfnisse des Geschäfts verstehen«, fasst Pitzler zusammen.

Digitalisierung

Die Vernetzung ist in jeglicher Hinsicht ein großes Thema für die IT. In Zusammenhang mit der Digitalisierung lassen sich drei Hauptströmungen erkennen, erklärt Christian Scholz, Geschäftsführer von Itaricon, das digitale Geschäftslösungen für Kunden- und Logistikprozesse gestaltet. Zum einen nennt Scholz die Digitalisierung der Customer Journey. Das heißt, die Kundeninteraktion vom Marketing bis zum Service wird durch digitale Kanäle und digitale Medien abgebildet. Zum zweiten ist die Digitalisierung der Produktionsabläufe und Lieferketten, auch bekannt als Industry 4.0, ein wichtiges Thema. Zuletzt darf die Digitalisierung im Privatbereich, wie zum Beispiel Social Media, die auch von Unternehmen in der Kundenansprache und Bindung genutzt werden, nicht außer Acht gelassen werden.

Die Umstellung auf digitalisierte Abläufe bedeutet für viele Unternehmen einen tiefgreifenden Eingriff in die IT-Landschaft. »Für gewachsene Unternehmen sind enorme Anstrengungen notwendig, um die Organisation und Geschäftsprozesse auf die Digitalisierung vorzubereiten, betont Scholz. Bestehende IT-Architekturen und Systeme müssen aufwändig mittels Adapterlösungen in die digitalen Prozesse integriert werden. Zudem werden die Produkte und Leistungen viel stärker in die Geschäftsprozesse integriert werden. »IT, Fachbereichs- und Produktentwicklungsabteilungen müssen gemeinsam an der Entwicklung der Unternehmensleistungen arbeiten«, fügt der Experte hinzu. Für neue ›Internet-Unternehmen‹ wiederum ermöglicht die Digitalisierung den Eintritt in bestehende Märkte mit disruptiven Geschäftsmodellen.

Die Digitalisierung ist für alle Unternehmen unumgänglich, ist sich Scholz sicher: »Neue digitale Technologien werden von den jungen und zukünftigen Generationen in weiten Teilen erwartet.« Unternehmen, die sich der Digitalisierung nicht stellen, können daher langfristig nur in Nischenmärkten überleben. Die Digitalisierung bringt ja auch viele Vorteile mit sich: Sie ermöglicht zum Beispiel neue Geschäftsmodelle. Der direkte Kundenzugang wird zukünftig durch Telematik und ›Internet of Things‹-Technologien einfacher und umfassender möglich sein. Unternehmen können ihre Kunden während der Produktnutzung außerdem besser analysieren und unterstützen. Wichtige Faktoren sind dabei selbstverständlich IT-Sicherheit und Datenschutz. In diesem Zusammenhang seien noch viele Fragen zu klären. Unter Berücksichtigung dieser Themen berge die Digitalisierung enorme Potenziale für Kunden und Unternehmen, ist sich Scholz sicher. Denn die Digitalisierung steigere die Transparenz der Märkte und erhöhe den Kontakt zwischen Kunde und Anbietern. Aber auch die Verbraucher stehen in der Pflicht ihre Privatsphäre zu schützen. Daher fordert Scholz in Zukunft mehr Kompetenzen für den Umgang mit digitalen Medien.

Auch für die IT-Mitarbeiter entstehen durch die zunehmende Digitalisierung sich verändernde Anforderungen. Während die IT-Mitarbeiter in der Vergangenheit meist die Umsetzer der Anforderungen aus den Fachabteilungen waren, werden diese zukünftig zu Gestaltern in den Unternehmen. »Sie werden in der Gestaltung der Customer Experience und Customer Journey Vorreiter und Impulsgeber sein«, prophezeit Scholz. Das werde in Zukunft auch für Branchen gelten, in denen die IT in den letzten Jahren nur eine untergeordnete Rolle spielte, wie etwa in der Automobilbranche. Damit werden mehr ITler im Produktdesign und der Unternehmensentwicklung benötigt. Die beruflichen Aussichten für IT-Absolventen sind somit ausgezeichnet. Gerade der Einstieg über die IT-Beratung ermögliche es Absolventen, einen Überblick über verschiedene Branchen und IT-Bereiche zu erlangen. Beratungshäuser stehen in der ersten Reihe bei der Digitalisierung der Wirtschaft. Hier können IT-Absolventen auch schnell die notwendigen Social-Skills lernen. 


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