Digital Workplace – Wie die Digitalisierung unseren Arbeitsplatz verändert

Wie sich unser Arbeitsplatz durch die Digitalisierung verändert und wie er künftig aussehen könnte - László Földesi mit einem Ausblick

László Földesi

László Földesi ist selbstständiger Berater zu den Themen Digitalisierung und Arbeit der Zukunft. Mehr Infos unter www.kompetenzzentrum-digitalisierung.com

Herr Földesi, wie wirkt sich die Digitalisierung auf unsere Arbeitsweise aus?

Die technische Entwicklung führt zu einer höheren Kommunikationsdichte. Smartphones und Computer bieten uns nicht nur die Möglichkeit mit Personen zu kommunizieren, die mit uns im Raum sind, sondern verbinden uns zeitgleich mit Menschen überall auf der Welt. Im analogen Raum gibt es weniger Produktivitäts-, dafür aber mehr Kommunikations- und Erholungsfläche. Der digitale Raum wird über Angebote wie Software-as-a-Service (SaaS) und Platform-as-a-Service (PaaS) zum Produktivitätsraum. Produktion kann damit in vielen Branchen günstiger sowie orts- und zeitunabhängig stattfinden.

Und in Bezug auf unseren Arbeitsplatz – was zeichnet einen Digital Workplace aus?

Es muss einen guten Fluss zwischen analogen sowie digitalen Kommunikations- und Arbeitsmitteln geben. Neben einer guten Internetverbindung geht es vor allem darum, wie ich unabhängig vom Betriebssystem mit verschiedenen digitalen Werkzeugen team-, orts- und zeitübergreifend arbeiten kann – ob aus dem Büro oder von der einsamen Insel. Dafür bedarf es einer guten Nutzerführung.

Das heißt konkret?

Die Systeme müssen einfach und gut erklärt sein, verlässlich funktionieren, ein ansprechendes Design haben sowie ergonom und individualisierbar sein. Verschiedene Dienste müssen interkonnektiv zusammenwirken.

Welche Vorteile bieten diese Arbeitsplatzumgebungen?

Der digitale Raum ermöglicht es global mit- einander zu arbeiten. Arbeitsplatzumgebungen können und müssen flexibler werden. Arbeit, Methoden und Programme sind gezwungen, sich ständig weiterzuentwickeln. Kommunikation und Prozesse haben die Möglichkeit sich nachhaltig zu verbessern, und zwar dann, wenn klare Kommunikationsregeln und eine wertschätzende Feedback- und Unternehmenskultur entstehen. So können Arbeitnehmer und Arbeitgeber ihre eigene Vorstellung von Arbeitsweise und Arbeitsplatzumgebung entwerfen.

Der Digital Workplace stellt Informatiker sicher auch vor neue Herausforderungen …

Sicher, Informatiker werden zu Allroundern. Sie sind nicht länger nur mit Code beschäftigt, sondern müssen sich stärker in die Nutzer einfühlen und die Perspektive wechseln. Es geht darum, Probleme der Nutzer zu erkennen und zu verstehen, diesen empathisch zu begegnen und flexible Individuallösungen anzubieten. Das erfordert eine stetige Weiterentwicklung der Soft und Coaching Skills sowie die Zusammenarbeit mit Arbeitspsychologen, Anthropologen oder Feelgood Managern.

Sie haben gesagt, Informatiker müssen sich stärker in die Nutzer einfühlen und ihnen Individuallösungen anbieten. Welche Anforderungen werden Nutzer denn künftig an ihre Arbeitsplätze stellen?

In unserer Freizeit nutzen wir viele Programme, die auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten sind und die wir zu einem großen Teil selbst gestalten können. Zum Beispiel für unsere Lebens- und Freizeitplanung. Diese Anforderungen übertragen wir auf unsere Arbeitsplätze: Wir wollen leistungsfähig kommunizieren, arbeiten und gleichzeitig eine bessere Balance zwischen Arbeit, Freizeit und Familie. Beide Entwicklungen werden dazu führen, dass Arbeit und Freizeit fließend ineinander übergehen.

Welche Berufsgruppen werden besonders von einem Digital Workplace profitieren?

Alle Berufsgruppen werden direkt oder indirekt von der Digitalisierung profitieren können, aber nicht im gleichen Maße. Erzieher oder Altenpfleger werden beispielsweise durch Maschinen und Programme unterstützt und entlastet. Am meisten profitieren werden meiner Meinung nach Unternehmen und Selbstständige, die Informationen verarbeiten oder einen fernmündlichen Kundenservice anbieten. Ebenso wie beispielsweise Webdesigner und Programmierer haben sie die Möglichkeit, Dienste zu einem Großteil zu automatisieren und orts- und zeitunabhängig durchzuführen.

Und was glauben Sie, wie werden unsere Arbeitsplätze in zehn Jahren aussehen?

Es wird viel mehr Selbstständige sowie kleine und mittlere Unternehmen geben, denn Fachwissen und digitale Werkzeuge stehen heute nahezu jedem gleichermaßen zur Verfügung. Konzerne werden sich massiv entwickeln müssen, um nicht disruptiven Geschäftsmodellen zum Opfer zu fallen. Es wird weniger Büros geben, die nach Arbeit aussehen. Büroflächen werden kleiner und eher Wohnzimmercharakter haben. Viele Prozesse und Arbeiten werden von Maschinen und Programmen erledigt. Coworking Spaces und Home Offices werden stark zunehmen und Digitale Nomaden werden ihre Arbeit von dort erledigen, wo andere Urlaub machen.


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