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Einstieg in die Wirtschaftsinformatik

Wirtschaftsinformatiker verbinden IT und Business und sind damit Übersetzer zwischen Mensch, Maschine und Moneten

Big Data, E-Commerce, Workflow-Management. Schnittstellen zwischen Wirtschaft und Informatik finden sich viele. Die dafür ausgebildeten Experten sind allerdings momentan noch eine eher kleine Gruppe. »Leute, die einen technoökonomischen Hintergrund haben, sind prädestiniert, die Herausforderungen, die dadurch in der Welt entstehen, zu lösen«, so Marco Meier, Professor für Wirtschaftsinformatik und Management Support an der Uni Augsburg.

Lernbereitschaft wichtig

Dabei muss sich der Wirtschaftsinformatiker immer wieder fragen, wie sich Mensch und Computer eine spezielle Aufgabe sinnvoll aufteilen.

»Wichtig ist vor allem, dass er offen für Neues ist und eine hohe Lernbereitschaft hat«, meint Marco Meier, »um ein konkretes Zahlenbeispiel zu nennen: Um etwa 50 Millionen Nutzer zu erreichen, hat es beim Radio 38 Jahre gedauert, beim Fernsehen 13 Jahre, beim Internet vier Jahre und bei Facebook zwei Jahre.«

Die Welt entwickelt sich so schnell, gerade im technischen Bereich, dass man schon von einem exponentiellen Wachstum sprechen kann.

Fehler und Niederlagen gehören dazu

Der Mail-Verkehr der 1990er Jahre wird zunehmend über Facebook oder WhatsApp abgewickelt. Software, für die es vor ein paar Jahren noch einen sperrigen PC brauchte, findet sich mittlerweile in fast jeder Hosentasche. Die Diskette ist bei den allermeisten nur noch in der Symbolleiste fürs ›Speichern‹ zu finden. Wir leben in Zeiten von permanentem Wandel und zunehmender Komplexität: »Vor diesem Hintergrund braucht es den Willen, etwas bewegen zu wollen, gleichzeitig auch eine gute Portion Frustrationstoleranz, denn: In so komplexen und hochdynamischen Systemen macht man auch mal Fehler, erlebt man Niederlagen – das gehört dazu«, stellt der Professor für Wirtschaftsinformatik und Management Support klar.

Wer schon mal ein html-Dokument mit 4.000 Zeilen nach der scheinbar vergessenen Klammer durchsucht hat oder auch nur ein Bild 20-mal hochgeladen hat, damit es endlich auf die Webseite passt, weiß, wieso Kaffee für ITler kein Fremdwort ist, zumal es bei der Wirtschaftsinformatik um noch weit komplexere Probleme geht.

Kommunikation, Konfliktlösung und Zeitmanagement

Wer sich für Sprachen interessiert, kann natürlich auch über eine Computersprache nachdenken, aber logische Begabung und die Liebe zu Zahlen sind wohl unverzichtbar: »Ein Wirtschaftsinformatiker sollte keine Angst vor Computern haben. An der Uni Augsburg sollte er auch keine Angst vor Summenzeichen haben, weil bei uns viel gerechnet wird. Wir haben eine relativ quantitative Herangehensweise.« Dabei ist es nicht so, dass der perfekte Nerd gesucht wird, der sich dann mit seinem Laptop in die stille Ecke verzieht. Prof. Dr. Marco Meier denkt, dass eher das Gegenteil der Fall ist:

»Am Ende hat der Wirtschaftsinformatiker vielleicht sogar mehr mit Menschen als mit Computern zu tun, mit Menschen mit unterschiedlichen Ausbildungen und kulturellen Hintergründen – also sollte er auch keine Angst vor Menschen haben.«

Im Studium gibt es dementsprechend neben der Betriebswirtschaft und der Informatik auch einen außergewöhnlich hohen ›Soft Skill‹-Anteil. In Augsburg ist man davon überzeugt, dass das »die Faktoren sind, die oft über Erfolg oder Misserfolg entscheiden: Kommunikation, Konfliktlösung, Zeitmanagement und richtige Ressourcennutzung im Allgemeinen.«

Wirtschaftsinformatik bei ALDi SÜD

Interdisziplinäre Fächer mit bunt gewürfelten Schnittstellen kann man schnell für eine Masse an grauer Theorie halten, dabei ist bei der Wirtschaftsinformatik genau das Gegenteil der Fall: Hier muss der Entwickler praktisch denken, seine Lösungen für Fachfremde verständlich und für Ökonomen wirtschaftlich genug ausarbeiten.

»Ein großer Bestandteil unserer Arbeit in der IT liegt darin, Geschäftsprozesse zu verstehen und in geeigneten IT-Systemen abzubilden. In diesem Zusammenhang betrachten wir auch die Wirtschaftlichkeit dieser Systeme, um ihre Effektivität im Vorhinein beurteilen zu können. Die Verknüpfung dieser Bereiche ist unserer Erfahrung nach in der Wirtschaftsinformatik von Grund auf sehr ausgeprägt«, erklärt Maciej Nolewajka, Diplom-Ingenieur Informationstechnik bei ALDI SÜD.

Absolventen finden sich in verschiedenen Berufsfeldern mit unterschiedlicher Schwerpunktlagerung. Teamarbeit ist dabei immer wichtig, so Maciej Nolewajka von ALDI SÜD, wo modernste IT-Systeme zum Einsatz kommen:

»Durch die Zusammenarbeit mit jungen, motivierten Teams in nationalen und internationalen Projekten können unsere Wirtschaftsinformatiker früh eigene Verantwortung übernehmen und ihr Wissen durch zahlreiche Erfahrungen erweitern.«

Wirtschaftsinformatik sorgt auch bei ALDI SÜD für Effizienz: »Ein Beispiel für ein Projekt, das durch unsere Wirtschaftsinformatiker betreut wird, ist die Einführung einer neuen Filialwarenwirtschaft.« Neben der Abverkaufserfassung direkt vor Ort der einzelnen Filiale bieten diese computergesteuerten Systeme die Möglichkeit schneller Analysen und der Bestandsführung mit Filialwareneingängen, Lagerverwaltung und Inventuren. Der ein oder andere wird gerade von letzteren noch leidgeplagt sein: Zahlen aufschreiben, Strichlisten führen, zusammenrechnen – das können jetzt Computer. Danke, Wirtschaftsinformatik!

Keine Angst vor Menschen

›Keine Angst vor Menschen‹ ist auch das Stichwort für Wirtschaftsinformatiker im Handel, bestätigt Maciej Nolewajka: »Durch die internationale Zusammenarbeit mit anderen ALDI SÜD Ländern sind gute Englischkenntnisse, Teamgeist und Kommunikationstalent erforderlich.« Für Informatiker sind Englischkenntnisse sowieso unausweichlich. Computersprachen werden oft nur auf Englisch erklärt und beziehen sich in ihren Abkürzungen auf englische Begriffe. Auch ein Wirtschaftsinformatiker muss sich in diese Materie einarbeiten.

Rosige Aussichten für Wirtschaftsinformatiker

Prof. Dr. Marco Meier sieht bei der Zukunftsperspektive seiner Studenten keinen Grund für große Sorge:

»Zu Zeiten der Finanzkrise, auf dem Hochpunkt, also 2008/09, habe ich mitbekommen wie Studierende, die sich in anderen Bereichen spezialisiert hatten, teilweise ein Jahr gesucht haben, bis sie eine Stelle fanden. Wenn sie vorher noch nicht gearbeitet haben, dann war das umso dramatischer, weil sie direkt in Hartz IV fielen. Das war eine schlimme Zeit für einige. Bei den Absolventen aus der Wirtschaftsinformatik war es allerdings so, dass die meisten innerhalb von ein bis zwei Monaten etwas gefunden haben und mehrere noch zwischen zwei Alternativen wählen konnten – und das auf dem Hochpunkt der Krise.«

Je nachdem, wie sie sich Augsburger Studenten spezialisiert haben, arbeiten sie später hauptsächlich in zwei großen Bereichen. Zum einen im Finanzbereich, wobei der in diesem Fall nicht nur Banken und Versicherungen umfasst, sondern jeden Controllingbereich eines Unternehmens. Zum anderen im Logistikbereich, in Augsburg als Schwerpunkt ›Logistics and Operations‹, wo Marketing, Vertrieb und Produktion eine Rolle spielen, eben die ganze Logistikgestaltung. Wobei der Wirtschaftsinformatiker häufiger die fachliche Konzeption als die technische Realisierung übernimmt. 


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