Junge Frau schaut erschrocken
cydonna/ Quelle:PHOTOCASE

Jobmöglichkeiten nach dem Informatikstudium

Ein Informatikstudium bietet eine große Bandbreite an Jobmöglichkeiten. Wir zeigen dir, welche das sind und welche Anforderungen gestellt werden

Als die TU München 1967 den ersten Informatikstudiengang unter dem Namen ›Informationsverarbeitung‹ eingeführt hat, war wohl kaum jemanden bewusst, wie die Welt fast 50 Jahre später aussehen würde. Auch wenn bis heute der Befehl ›Beam me up, Scotty‹ ins Leereläuft, so sind manche Dinge Realität, die noch vor ein paar Jahre als pure Science Fiction galten: Roboter, die unsere Wohnzimmer saugen, von Geisterhand bewegende Jalousien, Autos, die selbstständig einparken können und so weiter und so fort. Ohne Informatik wäre unsere Welt eine andere. Ob besser oder schlechter lässt sich schwerlich sagen, aber bequemer ist es für viele auf jeden Fall geworden. Dabei betrifft dies nicht nur die Komfortzonen im eigenen Heim, sondern alle Bereiche der Wirtschaft, der Gesellschaft und des Lebens. Das heißt: viel Arbeit. Aber auch: viele Fachkräfte, die diese erledigen.

Informatikstudium schafft lukrative Jobchancen

Nun ist es momentan so, dass es mehr Arbeit als Fachkräfte gibt – und dieses Ungleichgewicht scheint sich auch in den nächsten Jahren nicht auszubalancieren, was im Umkehrschluss wiederum bedeutet: Wer das Informatikstudium schafft, hat die besten Chancen auf einen lukrativen Job. Vor allem Softwareentwickler, Administratoren, Qualitätsmanager, Projektmanager und IT-Berater werden gesucht, wie BITKOM-Präsident Dieter Kempf letztes Jahr in einem Interview erklärte.

Jonathan Schlüßler ist Software-Entwicklungsingenieur. Aktuell arbeiteter als Teilprojektleiter an einer neuen Echtzeit-Plattform, die als gemeinsame Basis von mehreren Tools eingesetzt werden soll: »Dabei werden die einzelnen Teile der Plattform, je nach Echtzeitanforderung, auf unterschiedlichen Systemressourcen unter verschiedenen Betriebssystemen ausgeführt«, erklärt der 27-Jährige, der bei der Vector Informatik GmbH tätig ist. Dies berge manche Herausforderung, da es durch die verteilte parallele Architektur der Plattform technische Probleme gibt, über die es bisher noch keine oder sehr wenig Literatur gibt:

»Außerdem kommen bei unserem abteilungsübergreifenden Projekt verschiedene Anforderungen, Denkweisen und Prozesse zusammen, die es zu harmonisieren gilt. Um Missverständnisse vorzubeugen, sind daher ein häufiger Austausch und eine sinnvolle Aufteilung in Teilprojekte notwendig.«

Anforderungen an Informatiker wachsen

Es ist unwahrscheinlich, dass die Anforderungen abnehmen – eher werdenes mehr:

»Die Prozessoren werden zwar nach wie vor immer leistungsfähiger, jedoch teilt sich die Leistung auf immer mehr Kerne auf. Dies führt in vielen Bereichen der Informatik zu neuen Herausforderungen, so auch im Bereich der Echtzeitanwendungen.«

Schließlich seien vorhersagbare Echtzeitsysteme mit mehreren Kernen nur schwierig zu realisieren, da die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Kernen nahezu unmöglich zu bestimmen sind. Doch stellt dies nicht die einzige Herausforderung der Zukunft dar:

»Aufgrund der zunehmenden Vernetzung unterschiedlicher Softwarekomponenten erschließen sich für Angreifer neue Möglichkeiten, in bestehende Systeme einzudringen. Wenn sich beispielsweise ein Auto vom Handy des Besitzers fernsteuern lässt, kann der Zugriff auf das Handy für einen Angreifer ausreichend sein um damit das Fahrzeug zu kontrollieren«, beschreibt Schlüßler weiter.

Damit es erst gar nicht so weit kommen kann, sind die Experten aus dem Bereich der IT-Sicherheit gefragt. In diesem Bereich gibt es wiederum unterschiedliche Möglichkeiten: ob IT-Security-Consultant als Kundenberater in komplexen Sicherheitsprojekten, Information Security Officer, der die Verantwortung für die IT- und Informationssicherheit im Unternehmen übernimmt, Virusanalyst beziehungsweise Softwareentwickler für Sicherheitslösungen, der Signaturen erstellt, Schadsoftware analysiert und Sicherheitssoftware entwickelt oder Datenschutzbeauftragter, der die interne und externe Beratung im Bereich Datenschutz und Informationssicherheit übernimmt.

Informatik bietet zahlreiche Jobmöglichkeiten

In diesem Zusammenhang sind auch Kryptographen gefragt, zu deren Aufgaben die Verschlüsselung von Daten und die Gewährleistung von Datensicherheit gehören. In diesem Zusammenhang versuchen diese auch, die Programme der Kollegen zu knacken – schließlich müssen sie sich davon überzeugen, ob diese zuverlässig und sicher sind. Weiter gehört der Schutz von Pass- und Kennworten ebenso zum Tätigkeitsprofil wie die Entwicklung und Anwendung von Verschlüsselungsverfahren. Jobs finden Kryptografie-Experten, deren Berufsbezeichnung auch Systemintegrator, - betreuer, - entwickler oder Netzwerkmanager lautet, in allen Unternehmen, die im Internet vertreten sind. Je nach Unternehmen finden Informatiker und verwandte Fächergruppen hierweitere Einsatzmöglichkeiten – wie die Technische Informatik, die sich unter anderem mit Architektur, Entwurf, Realisierung und Betrieb von Rechnersystemen beschäftigen, die Praktische Informatik, in deren Fokus beispielsweise die Entwicklung Programmiersprachen oder Datenstruktur ensteht oder die Theoretische Informatik, die die Abstraktion, Modellbildung, grundlegene Fragestelllungen zu Struktur, Verarbeitung, Übertragung und Wiedergabe von Informationen zum Inhalt haben undundund. Letztlich ist die Informatik ein Fass ohne Boden – nicht nur wegen der Fülle an Spezialisierungen und Jobmöglichkeiten, sondern auch weil sie nie aufhören wird, sich weiterzuentwickeln.


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