Junger Mann hält sich Dosentelefon ans Ohr

Trends und Jobchancen in der Telekommunikationsbranche

Kein Anschluss? Von wegen! Trotz einiger Turbulenzen blickt die Telekommunikationsbranche optimistisch in die Zukunft.

Keine Branche kommt heute ohne Informatiker aus

Die meisten Unternehmen verfügen über eigene IT-Infrastrukturen. »Das Spannende an der Telekommunikationsbranche ist, dass wir die Schlüsseltechnologien dafür liefern«, sagt Boris Kaapke von BT Germany, einem Tochterunternehmen der BT Group. BT Germany bietet ausschließlich Dienstleistungen für Geschäftskunden an.

»Die Ansprüche dieser Kunden sind hoch. Vor allem international arbeitende Unternehmen, von denen es in Deutschland sehr viele gibt, sind auf IT-Lösungen angewiesen, die eine Vernetzung über die ganze Welt ermöglichen«, erklärt Kaapke.

Durch den Breitbandausbau und die Verbreitung von Hochleistungsnetzen ergeben sich immer neue Kommunikationsmöglichkeiten. Früher gehörte es zum Kerngeschäft der Telekommunikationsunternehmen wie BT Germany, stabile Telefon- und Internetleitungen zur Verfügung zu stellen. »Heute geht unser Angebot weit darüber hinaus. Wir bieten Komplettlösungen an, bei denen auch die entsprechenden IT-Applikationen gleich von uns mitgeliefert werden, zum Beispiel Cloud-Computing-Services« – Software-Anwendungen also, auf die Benutzer über ein Netzwerk zugreifen können. Dabei spielen auch Speicherkapazitäten und Datenschutz eine wichtige Rolle. 

Als aktuelles Trendthema nennt Kaapke ›Unified Communications‹-Dienste, mit denen eine Zusammenarbeit in Echtzeit über das Unternehmensnetzwerk oder das Internet ermöglicht wird – ganz gleich, ob sich ein Mitarbeiter gerade in China, ein anderer in Deutschland und der nächste in Brasilien befindet. Sie zeigen zum Beispiel an – ähnlich wie ein Instant Messenger –, ob ein Mitarbeiter in einer anderen Zeitzone gerade für eine Besprechung zur Verfügung steht. Oder ermöglichen es, gemeinsam Dokumente in Echtzeit zu bearbeiten. Für Unternehmen bedeutet der Einsatz solcher Technologien ein Zeit- und Kostenersparnis. »Derartige  Dienste, die einen klaren Business-Vorteil bieten, rücken in der Telekommunikationsbranche stark in den Vordergrund«, weiß Kaapke. Und das bedeutet, dass die IT-Spezialisten, die diese Dienste entwickeln, immer wertvoller für die Telekommunikationsanbieter werden.

Im Vordergrund steht immer der Kundennutzen

 

»Die reine Betrachtung von Technologien um der Technologie Willen ist in den Hintergrund getreten«, so Guido Eidmann, Director des IT-Bereichs  bei der E-Plus Gruppe.

IT-Fachwissen alleine reicht deshalb nicht mehr aus. Auch betriebswirtschaftliches Denken ist gefordert, wenn es darum geht, innovative und benutzerfreundliche Produkte zu entwickeln. Die Unternehmen erwarten von den IT-Spezialisten, dass sie nicht nur mit ihresgleichen fachsimpeln, sondern sich erfolgreich abteilungsübergreifend mit anderen Kollegen austauschen und gemeinsam die Anforderungen an ein Produkt erarbeiten und umsetzen. Dazu gehört es auch, strategische Entscheidungen treffen und die Qualität von Dienstleistern und Outsourcing-Partnern bewerten zu können. Hier sind zudem gute Englischkenntnisse und interkulturelle Kompetenz gefragt, denn nicht alle Dienstleister des Unternehmens sitzen in Deutschland.

»Im zunehmenden Umfang erfolgt Kommunikation und Wertschöpfung über Dienste und Möglichkeiten, die die Telekommunikationsindustrie bereitstellt – sei es im Rahmen von Datentransport, Zugriff auf Daten oder Sprachkommunikation, privat und geschäftlich«, sagt Guido Eidmann, und prognostiziert: »Dementsprechend wird die Telekommunikationsindustrie auch weiterhin eine der führenden Innovatoren sein. Hier wird technologischer Fortschritt in konkreten Kundennutzen übersetzt.«

Das bedeutet, dass die Informatiker mit ihrer Arbeit unmittelbar zum Umsatz der Unternehmen beitragen. Gleichzeitig verlangen die Unternehmen von Bewerbern, dass sie auf dem Laufenden sind, was aktuelle Entwicklungen in der IT angeht. Und die schreiten hier viel schneller voran, als in anderen Bereichen. »Wissen von vor zehn Jahren ist heute in der IT nichts mehr wert«, so Karl-Heinz Reitz, der bei Unitymedia KabelBW den Bereich Organisationsentwicklung in der Personalabteilung leitet. Wer erfolgreich sein will, muss bereit sein, sich kontinuierlich
weiterzubilden.

Das weiß auch Bastian Schumann, der bei der E-Plus Gruppe in Düsseldorf als Systemanalytiker im Bereich der Entwicklung von Customer-Relationship-Management-Systemen arbeitet. »Ich beschäftige mich mit der Konzeption und Entwicklung von Software und Prozessen, die in unserer Kundenbetreuung eingesetzt werden. Dabei gilt es, die Probleme nicht nur ›quick and dirty‹ zu lösen, sondern nachhaltig Prozesse zu verbessern und Softwarebetriebslösungen zu finden«, erklärt der 31-Jährige. Soll zum Beispiel das Kundeninteraktionssystem in den Shops des Mobilfunkanbieters optimiert werden, kümmern sich Bastian Schumann und seine Kollegen darum. »Ich prüfe dann die Anforderungen des Fachbereichs und suche nach optimalen Lösungsmöglichkeiten – nicht nur aus technischer Perspektive, sondern auch aus Kundensicht.« Die Umsetzung der Optimierungsmaßnahmen erfolgt dann durch einen externen Dienstleister. »Ich bin somit die Schnittstelle zum Dienstleister, wie auch zum anfordernden Fachbereich. Weiterhin stelle ich durch Steuerung des Dienstleisters während der Umsetzung die Qualität des Ergebnisses sicher.« Lösungen entwickeln, Standards umsetzen, aber auch neue Wege gehen – das sind die Aufgaben des Systemanalytikers. Ständige Veränderungen sind in seinem Berufsalltag an der Tagesordnung, denn in der IT-Welt kommt ständig etwas Neues auf den Markt. »Das heißt auch, viel Neues zu lernen. Die Kollegen sind hier offen und kollegial, es gibt nirgends verschlossene Türen. Alle teilen ihr Wissen«, sagt Bastian Schumann und lobt: »Flexibilität und variable Arbeitszeiten finde ich super, um Job und Privatleben vereinbaren zu können. Es gibt aber noch andere Benefits wie Home Office, die das Komplettpaket attraktiv machen.« Der Mobilfunknetzbetreiber E-Plus bildet selbst Informatikkaufleute aus und hat unter anderem auch ein duales Studium im Bereich IT und Technik in seinem Ausbildungsportfolio. In der Regel sind außerdem mehrere Stellen im IT-Bereich ausgeschrieben.

Der Kabelnetzbetreiber Unitymedia KabelBW bietet seinen Kunden Internet, Telefon und Fernsehen/Radio via Breitbandkabel an und erreicht damit rund 12,6 Millionen Haushalte in Deutschland. »In den letzten 15 Jahren hat sich die Branche komplett gewandelt«, sagt Karl-Heinz Reitz. Die Kommunikationskanäle wachsen immer weiter zusammen – eine Entwicklung, die erhebliches Innovationspotenzial bietet. Dieser Wandel hat auch Auswirkungen auf das Berufsprofil des Informatikers in der Telekommunikationsbranche. »Es gehören auch Projektmanagement-, Organisations- und Planungsfähigkeiten dazu.« Formale Voraussetzungen für Bewerber wie ein bestimmter Studienabschluss oder Notenschnitt gibt es bei Unitymedia KabelBW hingegen nicht. »Ob jemand einen Bachelor- oder Masterabschluss mitbringt, spielt für uns eine untergeordnete Rolle. Wichtiger ist uns, dass derjenige fachlich und persönlich zum Unternehmen und auf die ausgeschriebene Stelle passt.«


Anzeige

Anzeige