Informatiker in der Luft- und Raumfahrt

Abheben programmiert 

Fliegen, der Traum der Menschheit. Die Technik lässt ihn für immer mehr Menschen Wirklichkeit werden. Einen wichtigen Teil dazu tragen Informatiker bei, die zum Beispiel an der Entwicklung von Raumfahrtsystemen, Flugzeugstrukturen und Satellitentechnologien beteiligt sind.

Die Luft- und Raumfahrt ist eine Zukunftsbranche, in der nicht nur Ingenieure spannende Jobs finden. Auch Informatiker werden in nahezu allen Bereichen wie der Forschung, Entwicklung, Produktion, im Betrieb und in der Instandhaltung gebraucht. Zwar bleiben sie in der Regel am Boden, ohne ihr Wissen kommt jedoch kein Satellit ins Weltall und kein Flugzeug in die Luft. Sie entwickeln zum Beispiel Raumsonden, Flugzeugsysteme und Beobachtungsinstrumente.

Informatiker in der Luftfahrt

In der Luftfahrt konzipieren sie etwa Navigations- und Cockpitsysteme, die zum Beispiel der Verarbeitung von Borddaten dienen. In der Raumfahrt entwerfen sie unter anderem Betriebssysteme für Raumfahrzeuge oder stellen die Software für Navigations- und Wettersatelliten bereit. Potenzielle Arbeitgeber sind sowohl internationale Konzerne als auch mittelständische Zulieferer sowie Forschungseinrichtungen.

„Jeder Satellit ist anders, in der Raumfahrt gibt es keine Serienfertigung. Das macht die Arbeit für Informatiker so spannend.“
Claudia Kessler, Geschäftsführerin HE Space Operations

„Die Aufgabenbereiche reichen von der Softwareentwicklung und Entwicklung von unterstützenden Tools, über Softwaretests und Softwareimplementierung, die Pflege und den Aufbau von Datenbanken und die Entwicklung von Systemen für die Flugsimulation bis hin zu beratenden Funktionen als Consultant“

, sagt Katja Lösche, Human-Resources-Spezialistin für den Bereich IT bei ARTS Deutschland in Dresden, einem Personaldienstleister mit der Spezialisierung auf die Luft- und Raumfahrt. „Die fachlichen Anforderungen sind von Stelle zu Stelle sehr unterschiedlich. Im Vorteil ist, wer Erfahrungen mit Softwareprojekten sammeln konnte und über gute Programmierkenntnisse, zum Beispiel mit C, C++, Java oder Python verfügt. Auch Kenntnisse in den Bereichen UNIX/LINUX, Windows, Betriebssysteme und Echtzeit-Technologien sind wichtig. Unabdingbar sind gute Sprachkenntnisse, wobei in den IT-Bereichen der Luft- und Raumfahrt Englisch sogar bedeutender ist als Deutsch.“

IT an Bord: Ansprüche sind hoch

Karriere bei Premium Aerotec

Der Luftfahrtzulieferer Premium Aerotec aus Augsburg fertigt Großbauteile für Kunden wie Airbus. „Unsere IT-Systeme unterstützen den Fertigungsprozess von der Kundenauftrag bis zur Auslieferung“, erklärt CIO Jutta von Mikusch-Buchberg. Dafür ist ein umfassendes Produktionsplanungs- und -steuerungssystem auf SAP-Basis notwendig. „Der Unterschied etwa zur Automobilindustrie ist, dass wir in geringeren Stückzahlen, aber längeren Zyklen denken müssen. Unsere einzelnen Bauteile sind jeweils sehr individuell. Das spiegelt sich auch in den IT-Systemen wider, die darauf angepasst werden müssen.“ Darüber hinaus unterstützen die IT-Spezialisten bei Premium Aerotec die digitale Produktentwicklung, wo mittels leistungsfähiger CAD-Programme konstruiert, Testreihen simuliert und Belastungsanalysen durchgeführt werden.

Für die dauerhafte Bereitstellung der Bauteilkonfigurationen sorgt ein PLM-System (Product Lifecycle Management). „Ein PLM-System ist sozusagen das Gedächtnis für unsere Flugzeugbauteile. Es enthält alle Informationen darüber, wie unsere Bauanteile im Flugzeug konfiguriert sind, wie die einzelnen Bauteile zu fertigen sind und ermöglicht den Zugriff auf diese Informationen über die komplette Lebensdauer des Produkts hinweg“, erklärt von Mikusch-Buchberg. „IT trägt also ganz wesentlich dazu bei, dass am Ende ein greifbares Produkt dabei herauskommt – und zwar nicht irgendeins. Denn die Luftfahrt übt von jeher eine besondere Faszination aus“, sagt von Mikusch-Buchberg über ihre Arbeit. Hinzu kommt: Jedes der Bauteile muss einen enorm hohen Qualitätsanspruch erfüllen. Ein Flugzeug ist schließlich 30 oder gar 40 Jahre in Betrieb.

Die IT-Mitarbeiter bei Premium Aerotec betreiben eine große IT-Infrastruktur, zu der unter anderem acht Rechenzentren gehören. Gearbeitet wird meist projektbezogen. „Bewerber sollten deshalb neben dem Fachwissen auch Projektmanagementkompetenzen mitbringen“, sagt von Mikusch-Buchberg. „Der Schwerpunkt liegt bei uns weniger auf dem reinen Programmieren, viel mehr haben unsere Informatiker eine Dolmetscherfunktion. Sie müssen verstehen, was der jeweilige Fachbereich für seine tägliche Arbeit benötigt und das in Form von Systemen umsetzen – und das ohne den laufenden Entwicklungs- und Produktionsbetrieb zu stören. Sie brauchen also ein gutes Verständnis für das jeweilige System und dafür, wie es eingesetzt wird. Dieses Fachwissen bringt man nicht unbedingt aus dem Studium mit, sondern eignet man sich im Job an.“

 

Informatiker in der Luft- und Raumfahrt: Spaß und Flexibilität

 

Eine technische Affinität gehört aber unbedingt dazu: „Nur so kann ein effizientes Zusammenspiel von Technik und Informatik erreicht werden, was in der Luft- und Raumfahrtindustrie einen wichtigen Erfolgsfaktor darstellt. Informatiker in der Luft- und Raumfahrt sollten Spaß am Erlernen des Umgangs mit unterschiedlichen Systemen und Tools haben und somit möglichst flexibel sein“, sagt Katja Lösche. Wegen der Internationalität der Branche findet die Arbeit häufig in interkulturellen Teams statt. „Es werden Teamplayer gesucht, denen die gemeinsame Arbeit an Projekten Spaß macht.“ Die Personalerin ist sich sicher, dass IT-Fachkräfte in der Branche auch in Zukunft sehr gefragt sein werden und der Bedarf weiter wächst. Sie gibt jedoch zu bedenken:

„Man sollte sich bewusst darüber sein, dass auch die Konkurrenz durch hochqualifizierte Informatiker aus dem Ausland beispielsweise aus Indien wachsen wird, während sich die Anforderungen verschärfen und immer mehr Wert auf Spezialkenntnisse und entsprechende Erfahrungen gelegt wird.“

Um diesen Herausforderungen gewachsen zu sein, sind Anpassungsfähigkeit im Hinblick auf Teamarbeit und sich ändernde Anforderungen von großer Bedeutung. Auch Reisebereitschaft und Sprachkenntnisse werden für Berufseinsteiger immer relevanter.Text: Mascha Dinter

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