Medieninformatiker: Spezialist für digitale Medien

Digitale Medien sind das Kommunikationsmittel des 21. Jahrhunderts. Ohne sie, so glaubt man zumindest, stünde die Welt still. Oder sie dreht sich zumindest unerträglich langsam. Um das zu verdeutlichen genügt ein Blick auf den Software-Markt in Deutschland: Das Geschäft mit den mobilen Anwendungen beispielsweise boomt wie nie.

2014 stieg der Umsatz um rund ein Drittel auf 717 Millionen Euro, wie der Hightech-Verband Bitkom berichtet.


Auch Computer- und Videospiele sind so beliebt wie nie, jeder dritte Deutsche verbringt regelmäßig seine Freizeit damit. Und nicht nur die Unterhaltungsindustrie setzt auf digitale Medien: Auch in Bereichen wie Bildung und Kultur spielen sie eine immer größere Rolle.

Selbst die klassischen Medien kommen an der Digitalisierung nicht vorbei. Basis für den Erfolg der Bits und Bytes ist die Informationstechnologie. Deshalb ist die Medienbranche auf Fachleute angewiesen, die auf die technische Umsetzung multimedialer Welten spezialisiert sind. Hier kommen die Medieninformatiker ins Spiel:

Im Gegensatz zur klassischen Informatik liegt ihr Fokus auf digitalen Medien und deren Gestaltung:

  • Programmieren von Spielen und Apps
  • Gestaltung von Filmen
  • Gestaltung von 3D-Animationen und Webseiten

Medieninformatiker bringen die perfekte Kombi aus IT-Fachwissen und Kreativität mit.

Beruf Medieninformatiker: Studiengänge

Genauso so breit gefächert wie das Angebot digitaler Medien ist auch das Berufsfeld Medieninformatik. Das zeigt schon die Auswahl an entsprechenden Studiengängen. Wurde die Medieninformatik früher nur als Teilbereich der Informatik behandelt, ist die Zahl der eigenständigen Medieninformatikstudiengänge in den letzten Jahren in die Höhe geschnellt. Fast 70 Bachelorstudiengänge gibt es mittlerweile an deutschen Hochschulen.

Es finden sich Studiengänge mit Betonung auf Softwaretechnik und die eher theoretischen Inhalte, aber auch stark interdisziplinäre Studiengänge mit hohen praxisorientierten Anteilen an Gestaltungsfächern«, sagt Jürgen K. Singer, Professor für Computergrafik, Animation und virtuelle Realität an der Hochschule Harz.

Dort stehen den Studenten unter anderem ein Film- und Tonstudio, ein Motion-Capture-Labor und Softwarelabore mit leistungsfähigen Rechnern für 3D-Grafik, Grafikdesign, Videoschnitt und Software-Engineering zur Verfügung. »Neben dem technischen Wissen brauchen Medieninformatiker vor allem ein Auge für gestalterische Aspekte und Ästhetik«, so Singer.

Um ein Designstudium handelt es sich trotz hohem Gestaltungsanteil aber nicht. »Und Medieninformatik ist auch kein ›Irgendwas-mit-Medien-Studium‹.« Denn Medieninformatiker produzieren nicht die medialen Inhalte, sondern kümmern sich um deren technische Umsetzung – ohne Fantasie geht es allerdings auch hier nicht.

»Der typische Medieninformatiker steigt als Programmierer beziehungsweise Webentwickler oder als Gestalter in Bereichen wie Webdesign oder Interfacedesign bei einer Agentur ein. Wer sich bewährt, hat zum Beispiel die Möglichkeit, zum Projektmanager aufzusteigen, denn Medieninformatiker haben den Vorteil, dass sie sowohl die Sprache und Arbeitsweise der Gestalter als auch die der Informatiker kennen«, erklärt Singer.

Medieninformatiker können vielfältig Karriere machen

Grundsätzlich sind Medieninformatiker breit aufgestellte Generalisten, denen die unterschiedlichsten Jobmöglichkeiten offenstehen:

»Sie reichen vom Datenbank-Administrator bei einer Bank bis zur Gründung einer eigenen Medienagentur, andere Absolventen arbeiten als Programmierer oder 3D-Artists in der Spieleindustrie oder in der Post-Produktion in der Film- und Fernsehindustrie. Die Berufsaussichten sind gut, viele unserer Absolventen werden nach ihrem Praktikum im letzten Semester direkt in eine Festanstellung übernommen.«

Etwa zwei Drittel der Absolventen steigt mit Bachelorabschluss in den Beruf ein. »Wir haben einen ständig steigenden Bedarf an Medieninformatikern, die sich in der App-Entwicklung auskennen«, sagt Rainer Hüther, Geschäftsführer bei Kupferwerk, nach eigener Aussage deutscher App-Marktführer. Die Agentur aus Regensburg programmiert zum Beispiel Apps für Großkunden wie Audi, ProSiebenSat.1 oder Wetter.com.

»Wir betreuen viele große, internationale Projekte. Unsere Medieninformatiker arbeiten entweder im Bereich iOS- oder Android-Apps. Neben der Entwicklung der Apps sind sie auch für die App-Modellierung, die Umsetzung des Designs und die Pflege der Apps verantwortlich«, erklärt Hüther. »Bei uns ist möglichst viel konkrete Erfahrung mit der Entwicklung von mobilen Applikationen gefragt. Eigenes Engagement neben dem Studium ist immer von Vorteil – je mehr praktische Erfahrung und erste Referenzen, umso besser. Viele unserer Bewerber haben schon eigene kleine Apps entwickelt oder an App-Projekten mitgearbeitet.«

Da das fachliche Know-how im Vordergrund steht, müssen Bewerber zwar nicht zwingend aus der Medieninformatik kommen. »Das spezielle, interdisziplinäre Wissen aus diesem Studiengang ist aber eine hervorragende Grundlage für die Arbeit bei uns.«

Entwicklungschancen als Medieninformatiker

Seinen App-Entwicklern bietet Kupferwerk eine Reihe von Entwicklungsmöglichkeiten: »Nach dem Einstieg in der App-Entwicklung kommt üblicherweise der Schritt zum Lead Entwickler, danach zum Team Lead. Außerdem bieten wir laufend Weiterbildungsmöglichkeiten in Form von Schulungen oder Konferenzen an.« Andrej Maibaum, Director of Human Resources bei dem Ubisoft-Entwicklerstudio Blue Byte in Düsseldorf, das unter anderen für Strategiespiele wie ›Die Siedler‹ oder ›Anno‹ bekannt ist, erklärt:

»Die Aufgabe unserer Programmierer ist es, die Konzepte, die unsere Game Designer entwickeln, in Programmiersprache umzusetzen. Uns kommt es dabei nicht so sehr darauf an, ob jemand aus der Medieninformatik oder einem anderen Informatikstudiengang kommt. Im Mittelpunkt steht die Kernkompetenz, das Programmieren. Besonders hohen Bedarf haben wir zurzeit in den Bereichen Web-Development und Backend.«

Der Weg zum Programmierjob bei Blue Byte führt in der Regel über ein Praktikum. »Hier wird ausgelotet, über welche Programmierkenntnisse derjenige verfügt und was ihm am meisten liegt.« Anschließend winkt der Einstieg als Junior-Programmierer. »Die meisten spezialisieren sich dann mit der Zeit, zum Beispiel als PHP-, Backend- oder Frontend-Programmierer.« Wer zum Producer aufsteigt, übernimmt als Projektverantwortlicher die Vermittlung zwischen Game Designern und Programmierern – ein idealer Job für Medieninformatiker.

»Die Zeiten, in denen Informatikern das Nerd-Image anhaftete, haben wir hinter uns gelassen. Das heißt aber auch, dass von ihnen mehr als nur Fachwissen verlangt wird«, sagt Maibaum.

Glück für die Medieninformatiker, die sich von Haus aus nicht nur mit dem Programmieren auskennen, sondern sich schon im Studium mit Bereichen wie Medienpsychologie, Mediendidaktik, Soziologie, Projektmanagement und Design beschäftigen.

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Die Medienbranche, vor allem im Bereich Verlag, Film und Fernsehen, gilt gemeinhin nicht unbedingt als Goldgrube.


Informatikern bieten sich aber auch hier vielversprechende Jobaussichten, da die zunehmende Digitalisierung ohne sie nicht möglich wäre. Die Gehälter sind teilweise sehr unterschiedlich und hängen stark vom jeweiligen Bereich ab.


Außerdem werden sie von Faktoren wie Region, Unternehmensgröße und Berufserfahrung beeinflusst und sind nicht zuletzt auch davon abhängig, wie gut sich der Bewerber vermarktet.

Was verdient ein Medieninformatiker?

Laut der Vergütungsberatung Personalmarkt verdienen Medieninformatiker beim Berufseinstieg im Schnitt etwa 37.670 Euro brutto im Jahr.

Insgesamt variieren die Absolventengehälter aber zwischen 32.240 Euro und 47.260 Euro.

Der Frauenanteil unter den Medieninformatikern ist deutlich höher als in der klassischen Informatik, an der Hochschule Harz liegt er beispielsweise zwischen 30 und 50 Prozent.


Auch die Weiterbildungsmöglichkeiten sind breit gefächert. Wer sich spezialisieren will, findet beispielsweise eine Vielzahl an Masterstudiengängen von Medienmanagement über Medienkunst, klassische Informatik, Computervisualistik, IT-Systems Engineering bis hin zu Animation und Interaktionsdesign.