Berufsbild Medizininformatik

Berufsbild Medizininformatik

Sie werten Patienten-Daten aus und speisen die Ergebnisse von Experimenten in komplexe Rechenmodelle – Medizininformatiker werden immer wichtiger, sind aber viel zu wenige.

 

Sabine Bauer ist 30 Jahre alt und Informatikerin, genauer gesagt Absolventin der Computervisualistik von der Universität Koblenz-Landau. Und Sabine Bauer arbeitet derzeit hart daran, dass Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson noch früher erkannt und hinausgezögert werden können. »Allein der Gedanke dabei mitzuhelfen, gefällt mir«, sagt Sabine Bauer über ihren Beruf. Beim Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Bonn ist die Informatikerin eine von vielen Daten-Experten, die der medizinischen Forschung zu entscheidenden Fortschritten verhelfen. Ganz konkret: Sabine Bauer koordiniert die IT der sogenannten Rheinland-Studie. In dieser Gesundheitsstudie sollen bis zu 30.000 ausgewählte Personen ab 30 Jahren alle drei bis vier Jahre im Hinblick auf verschiedene Faktoren untersucht werden. Dazu gehören eine Kernspintomographie des Gehirns, die Untersuchung der kognitiven Leistungsfähigkeit, ein Check des Herz-Kreislaufsystems und der sensorischen Systeme. Ziel der Studie ist es, Biomarker und Risikofaktoren für neurodegenerative Erkrankungen – wie Alzheimer oder Parkinson – zu identifizieren. Daraus werden dann Schlüsse zur Prävention der Krankheiten abgeleitet.

 

Mit Informatik die Medizin vorantreiben

»Durch die Arbeit im Gesundheitssektor hat man die direkte Möglichkeit, mit den Ergebnissen seiner Arbeit die Lebensqualität der Bevölkerung zu steigern«, erklärt Sabine Bauer die Motivation in ihrem Beruf als Medizinische Informatikerin. »Weiterhin reizt mich die vielschichtige und komplexe Arbeit – das ist eine überaus spannende Herausforderung.«

So muss die DZNE-Informatikerin zum Beispiel ein Datenverwaltungssystem erstellen, das zuverlässig in der Lage ist, mit riesigen Datenmengen umzugehen und diese sicher zu verwahren. Außerdem müssen alle diagnostischen Geräte in das Netzwerk der Studie eingebunden werden. Schon als Sabine Bauer vor ihrem Jobeinstieg über eine Stellenanzeige erfuhr, dass bei der DZNE Datenspezialisten gesucht wurden, begeisterte sie die Idee, mit Informatik die Medizin voranzutreiben. »Die Vorstellung, am Aufbau einer der größten epidemiologischen Studien in Deutschland und der späteren Datenauswertung mitzuwirken, elektrisierte mich.«

 

Ohne Medizininformatik keine moderne Medezin möglich

Medizinische Informatiker wie Sabine Bauer sind keine ›Halbgötter in Weiß‹ – aber ohne ihren Einsatz wäre die moderne Medizin nicht mehr möglich: Sie stemmen die systematische und automatisierte Verarbeitung von Daten im Gesundheitssektor. Dies umfasst beispielsweise die Verwaltung von Patientendaten, die aus den Adressdaten, den digitalen Krankenakten sowie den Abrechnungsdaten mit den verschiedenen Krankenkassen bestehen. Außerdem gehört die Optimierung der Informationsströme und Infrastrukturen zu den Aufgaben der Medizinischen Informatiker: Sie vernetzen zum Beispiel alle Abteilungen im Krankenhaus und integrieren sämtliche diagnostischen Geräte in das Krankenhausnetzwerk. Auf diese Weise kann eine lückenlose digitale Krankenakte vorliegen – und somit die Diagnostik und Behandlung der Patienten deutlich optimiert werden. Und dann gibt es noch die Medizinischen Informatiker wie Sabine Bauer, die für eine Forschungseinrichtung arbeiten und auch dort vor allem die Datenverwaltung stemmen, ohne die Siege im Kampf gegen Krankheiten nicht möglich wären: »Denn eine chaotische Ansammlung von Datensätzen würde die Gewinnung neuer Forschungserkenntnisse sicherlich nicht fördern«, fasst Bauer trocken zusammen. Fachkräfte wie Bauer sind gewissermaßen die Daten-Ameisen der Medizin-Forschung.

 

Gesundheitswesen braucht Medizininformatiker

Im Unterschied zu Ameisen gibt es jedoch von den Medizinischen Informatikern viel zu wenige Exemplare: Laut einer aktuellen Studie der Initiative für qualifizierten IT-Nachwuchs in der Gesundheitswirtschaft (INIT-G) hat derzeit nur jede dritte Klinik in Deutschland Medizinische Informatiker angestellt, jedes zehnte Krankenhaus konnte entsprechende Positionen nicht besetzen, da es nicht ausreichend qualifizierte Bewerber gab. »Das deutsche Gesundheitswesen braucht dringend Informatiker mit hochspezialisierten Kenntnissen in Medizin und Gesundheitswesen, da sich klinische IT-Systeme immer massiver in Krankenhäusern und Praxen etablieren«, urteilt Prof. Dr. Ursula Hübner, Leiterin Fachausschuss Medizinische Informatik der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS) und Professorin für Medizinische und Gesundheitsinformatik an der Hochschule Osnabrück. »Rechnen wir die Zahlen hoch, zeigt sich, dass in den kommenden Jahren an zwei Dritteln aller deutschen Krankenhäuser neue Stellen im Bereich der Medizinischen Informatik entstehen werden.« Die Expertin rechnet damit, dass mindestens 2.000 offene Stellen vorhanden sein werden, wenn nicht mehr Nachwuchskräfte aus der Medizinischen Informatik kommen.

Fakt ist, dass der größte Bedarf an Medizinischen Informatikern im Krankenhaussektor besteht: Der Kosten- und Rationalisierungsdruck ist hier so hart wie in keiner anderen Branche. Kliniken und Arztpraxen sind auf eine kontinuierliche Optimierung ihrer Arbeitsprozesse angewiesen, was heute ohne IT-Unterstützung nicht mehr möglich ist. In dieser Branche ist die Meierhofer AG als IT-Lösungsanbieter für Einrichtungen im Gesundheitswesen unterwegs. »Wir erwarten in den nächsten Jahren aufgrund der guten Position im Klinik-Markt eine positive Geschäftsentwicklung«, sagt Markus Schwarz, Leitung Projektmanagement & Consulting Deutschland bei Meierhofer. »Wir suchen deshalb laufend Mitarbeiter mit IT-Know-how, die in diesem spannenden Umfeld tätig sein möchten. Besonders genannt seien da die Bereiche Beratung sowie die Softwareentwicklung.« Stellen gebe es auch im Produktmanagement, in der Programmierung oder in der technischen Implementation ebenso wie in der Schulung und im Support. Je nach Bereich seien neben IT-Fachwissen vor allem medizinische Grundkenntnisse sowie Kenntnisse der Abläufe in einer Klinik wichtig. »Daneben zählen natürlich auch Softskills wie Team- und Kommunikationsfähigkeit ebenso wie Eigeninitiative, Engagement und Flexibilität zu den Eigenschaften, die ein Bewerber gerne mitbringen darf«, sagt Markus Schwarz.

 

Die Chance als Medizininformatiker nutzen!

Der 29-Jährige Matthias Becker hat den Bedarf in der Branche nach seinem Studium der Medizinischen Informatik an der FH Dortmund und einem kurzen Intermezzo bei einem Mitbewerber genutzt und sich bei Meierhofer beworben: »Unter den führenden Herstellern von Krankenhausinformationssoftware ist die Meierhofer AG das einzige eigentümergeführte Unternehmen«, berichtet Becker. »Da mich die Aufstiegschancen und Entwicklungsmöglichkeiten in einem mittelständischen Unternehmen sehr reizten, habe ich mich nach meinem Einstieg in der Branche dort beworben.« Mit Erfolg: Heute besorgt Matthias Becker bei Meierhofer die Abbildung und Optimierung aller klinischen Prozesse in einem Krankenhaus mit dem Krankenhausinformationssystem MCC. »Ich sorge dafür, dass das medizinische Personal möglichst schnell an Informationen zum Patienten gelangt, von der medizinischen Versorgung bis hin zur Abrechnung«, erklärt Matthias Becker. Ein besonderer Erfolg war für den Medizinischen Informatiker eines seiner ersten Projekte, bei dem er den Teilbereich ›Ambulanz‹ eines 600-Betten-Hauses betreute. »Hier war ich verantwortlich für alle Ambulanzen und deren Umstellung auf unser System MCC«, erzählt Becker. »Das war ein besonderer Moment.

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Foto: Pixabay / CC0

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