Satellitenschüssel im Sonnenuntergang
Bildquelle: Pixabay/mmisof

Klingelingeling

…hier kommt der Handymann: Unser was-macht-Corona-mit-der IT- und Telekommunikationsbranche-Einblick

 

Online-Unterricht, Telefonkonferenzen, Remote-Learning − Alltag in Pandemie-Zeiten. Die Frage ist nur:  Wie funktioniert das Ganze eigentlich? Wer steckt hinter der Technik, den Netzen und vor allem: Wie sieht es in dieser Branche momentan aus?

Telekommunikationsunternehmen sind durch Corona umso wichtiger geworden – ohne sie wären wir alle ganz schön aufgeschmissen. Aber auch in dieser Branche sieht es nicht nur gut aus. Stichwort: Umsatzeinbußen. Diese Zeit scheint für die Telekommunikationsfirmen Weckruf, Test und Chance zugleich zu sein − um Digitalisierungslücken zu schließen, den Markt weiter auszubauen und zu zeigen, dass die Netze auch bei höherer Datennutzung nicht in die Knie zu zwingen sind.

 

Es geht nach Hause

Starten wir im März 2020, als die Pandemie  uns dazu zwang, den Hörsaal oder Seminarräume mit dem Home-Schreibtisch zu tauschen. Beispiel: Deutsche Telekom − Das Unternehmen reagierte laut eigenen Angaben schnell und effizient, ermöglichte es allen Mitarbeiter*innen so schnell wie möglich in Heimarbeit zu wechseln und sorgt durch Aufsplitten von Teams, die nicht von Zuhause aus arbeiten können, für Sicherheit in der Versorgung. Und auch in Sachen Nachwuchskräfte konnte die Telekom Positives berichten: Events und Vorstellungsgespräche fanden im selben Umfang, aber online statt. Im Jahr 2020 traten etwa 1450 Azubis und Dualstudierende ihren neuen Job an − 2018 waren es 1300. Auch Praktikant*innen und Trainees wurden weiterhin gesucht. Das deutet doch alles auf einen positiven Trend hin, oder?

Nicht nur: Einbußen gab es insbesondere in der Neukundenakquise und im Datenroaming − schließlich bleiben wir alle zu Hause und haben wenig Gelegenheit und Bedarf, Roaming zu nutzen.

 

Heimarbeit nicht Knackpunkt Nr. 1

Aber wie sieht Lage im Hinblick auf die Netzauslastung momentan konkret aus? Festnetz ist für viele wieder in! Die Telekom konnte auf diesem Terrain eine Verdoppelung des Sprachverkehrs feststellen. Im Mobilfunk gilt ein ganz ähnlicher Trend und auch die Datennutzung im Festnetz ist merklich angestiegen. Heimarbeit ist für die Branche allerdings gar nicht der Knackpunkt Nummer eins. Video- und Videospiel-Streaming sind der Endboss für Telekom, Telefónica und Co. Um auch hier bei Problemen oder Engpässen vorzusorgen, sind Streaming-Dienste wie Netflix oder YouTube dazu angehalten, bei einer drohenden zu hohen Auslastung mit gedrosselter Videoqualität zu arbeiten.

Ein weiterer Punkt, dem viele Unternehmen der Telekommunikationsbranche angesichts der Pandemie skeptisch gegenüberstanden: Probleme und Ausfälle durch Kontaktbeschränkungen oder andere Lieferketten-Zwischenfälle und die daraus resultierende verminderte Möglichkeit, den Netzausbau voranzubringen. 1und1 begegnet dieser Sorge mit Vorbestellungen und einer vergrößerten Lagerhaltung verschiedener Komponenten. Außerdem rät der Branchenverband Bitkom zu einer konstanten Überwachung der Funktionsfähigkeiten, um Netzüberlastungen zu verhindern.

 

Die Bundesnetzagentur arbeitet, nachdem sie selbst den dringlichen Umstieg auf Laptops pandemiebedingt beschleunigen mussten, in der Corona-Krise sehr nah mit Unternehmen der Telekommunikationsbranche zusammen. So wird eine möglichst lückenlose Versorgung gesichert. Aber auch hier kann man der Situation und deren Folgen Positives abgewinnen: Corona ist laut Ulrike Bünder, Juristin bei der Bundesnetzagentur, ein besonderer Antrieb für den Digitalisierungsprozess. Die Ergebnisse der Telekom geben ihr recht: Der Netzausbau insbesondere in 5G und Glasfaser konnte auch im Jahr 2020 erweitert werden, inklusive Umsatz-Plus von beinahe 32 Prozent. Aber auch die Bundesnetzagentur selbst reagiert positiv auf die Pandemie − und schafft 250 neue Stellen, trotz oder gerade wegen Corona.

Das Unternehmen Telefónica sieht nicht nur auf der Seite der Mitarbeitenden eine Entlastung durch’s Homeoffice und die damit verbundene verringerte Reisenotwendigkeit: Durch den Wegfall des Hauptteils der Kosten für Dienstreisen kann an anderen Enden mehr investiert werden. Außerdem soll den Telefónica-Angestellten auch in Post-Corona-Zeiten freigestellt werden, ob sie von zu Hause oder doch lieber vor Ort arbeiten. Meetings und Konferenzen sollen künftig ausschließlich digital abgehalten werden – so hofft man auf eine höhere Produktivität und eine gesteigerte Flexibilität für die Mitarbeitenden.

 

Die Bilanz nach einem Corona-Jahr ist also auch in der Telekommunikationsbranche nicht nur positiv. Das Resultat der verhältnismäßig guten Wirtschaftslage: ein um ein Vielfaches verringertes Entlassungsrisiko für die Mitarbeitenden, viele neue Erfahrungen, sowohl für Arbeitgeber*innen als auch für Arbeitnehmer*innen und eine gesteigerte Akzeptanz der Heimarbeit.


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