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Trendbranchen 2017: IT-Sicherheit, 3D Printing, Legal Tech, Medizinroboter und Big Datanalytics

Trendcheck - Fünf Branchen. Fünf Trends. Ein Überblick

ITK

IT-Sicherheit

Kurzgesagt

»Verschlüsselung und synchronisierte IT-Sicherheitssysteme werden immer wichtiger für Unternehmen. Sämtliche Funktionen für sich gesehen gelingen meist bereits einwandfrei, aber entscheidend ist heute, dass alle diese Systeme intelligent miteinander verknüpft sind und miteinander kommunizieren.«

Andreas Grosse, Development Manager bei dem Sicherheitssoftwareentwickler Sophos

Praxisbeispiel

»Als Teamleiter übernehme ich die Koordination sowie das Controlling von Projekten aus dem Bereich Sicherheitsanalysen. Neben den organisatorischen Aufgaben führe ich technische Sicherheitsanalysen in Form von Penetrationstests durch oder übernehme Notfalleinsätze im Rahmen unseres Computer Emergency Response Teams. Des Weiteren beraten wir, in Zusammenarbeit mit unserem Consulting Team, unsere Kunden zu Schwerpunktthemen wie der Absicherung von Produktionsumgebungen in der Industrie. Wir sind ständig neuen Themen, Produkten und natürlich Sicherheitslücken ausgesetzt, zu denen wir unsere Kunden beraten. Die Herausforderung besteht darin, sich in kurzer Zeit in neue Themen einzuarbeiten, diese aufzubereiten und den Kunden verständlich zu erklären. «

Sebastian Bittig, IT-Sicherheitsspezialist, r-tec

Mitbringen

»Wichtig sind gute Kenntnisse in der Netzwerktechnik und in Netzwerkprotokollen. Programmierkenntnisse sind ebenfalls notwendig, je nach Arbeitsbereich kann systemnahe Programmierung oder auch Erfahrung mit modernen Sprachen nötig sein. Erfahrung im Scripting mit Bash, Python oder Perl, sowie Einblick in die Funktion von Firewalls, Secure Coding Practices, Threat Modelling und Web Application Security sind ebenso hilfreich. «

Andreas Grosse, Sophos

Übrigens

Laut einer Studie der Cybersicherheitsexperten von Kaspersky Lab gehen 68 Prozent der befragten Unternehmen davon aus, dass die Anzahl der Mitarbeiter, die sich Vollzeit IT-Sicherheitsfragen widmen, steigen wird. Auch beim Staat sind IT-Sicherheitsexperten gefragt: Allein das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie stellte kürzlich 180 Spezialisten ein, die im Bundeswahlkampf 2017 für Sicherheit sorgen sollen.

Maschinenbau

Additive Manufacturing

Kurzgesagt

Horrende Produktionskosten und lange Vorlaufzeiten ade: Additive Verfahren ermöglichen eine individuelle und unglaublich flexible Herstellungsweise im Maschinenbau. Dr. Jörg Friedrich vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) erklärt Additive Manufacturing daher zu einem der wichtigsten Zukunftsthemen des Maschinen- und Anlagenbaus.

Der Clou

»Für die Fertigung im additiven Bereich werden keine Werkzeuge benötigt. Die neuen Verfahren bieten die Möglichkeit, beliebige Geometrien – fast – ohne Einschränkungen aufzubauen «,

sagt Rainer Gebhardt, Projektleiter der Arbeitsgemeinschaft Additive Manufacturing im VDMA.

»Hierbei können verschiedene Materialien wie zum Beispiel Metall und Kunststoff verwendet werden. Diese werden dann schichtweise aufgebaut. Dabei werden gezielt Formen erzeugt, indem Material selektiv verschweißt, aufgeschmolzen und abgelegt oder auch mittels UV-Strahlung ausgehärtet wird«,

erklärt Gebhardt weiter.

Praxisbeispiel

»Ein Beispiel für die additive Fertigung sind Spritzgusswerkzeuge, die als Einzelstücke gefertigt werden müssen. Dabei kann man durch optimierte, konturnahe Kühlkanäle beliebiger Geometrien eine Leistungs- und Qualitätssteigerung gegenüber herkömmlich gefertigten Werkzeugen erreichen.«

Rainer Gebhardt, Arbeitsgemeinschaft Additive Manufacturing, VDMA

Mitbringen

»Nachwuchskräfte sollten vor allem kreativ, innovativ und offen für digitale Fertigungskonzepte sein. Additive Manufacturing bietet maximalen Mehrwert, wenn es über den gesamten Produkt-Lebenszyklus verstanden wird: Von der Konzeption über die Fertigung bis zur Nutzung.«

Rainer Gebhardt, VDMA

Oho-Faktor

Wer sich davon überzeugen will, dass der 3D-Druck mittlerweile auch die vierte Dimension erobert hat, schaut sich die im Wasser ›aufblühende‹ Orchideenkonstruktion aus Hydrogel an. Forscher aus Harvard haben sie so designed und per 3D-Druck gefertigt, dass die flache Schablone erst in Berührung mit Wasser ihre Blütenform einnimmt – die Zeit als vierte Dimension.

Rechtswesen

Legal Tech

Kurzgesagt

Die Digitalisierung hat längst auch das Rechtswesen erreicht:

»Legal Tech, dass sind digitale Technologien, die dazu gedacht sind, juristische Arbeit zu unterstützen, zu vereinfachen und effizienter zu gestalten«,

fasst Natalie Eichler, Veranstaltungsleiterin und Organisatorin des ersten Legal Tech-Hackatons ›hacking. law‹, zusammen.

Die Szene der Legal Tech-Start-ups wächst aktuell zunehmend. Auch Rechtsabteilungen etablierter Unternehmen und Kanzleien rüsten sich für den digitalen Wandel. So steht beispielsweise der diesjährige Deutsche Anwaltstag des Deutschen Anwaltverein unter dem Motto ›Innovationen & Legal Tech‹.

Praxisbeispiel

Ansätze gibt es zahlreiche:

»Bei der Automatisierung der Erstellung von rechtlichen Texten, beim Handling von Verträgen, in der Due Diligence, bei strafrechtlichen oder kartellrechtlichen Untersuchungen, in großen Verfahren, bei den Anbietern von juristischen Datenbanken, aber natürlich auch in vielen Bereichen außerhalb der inneren Arbeitswelt der Juristen, wenn man zum Beispiel die Blockchain und Smart Contracts als Legal Tech einordnet«,

erklärt Dr. Frederik Leenen, Counsel und Leiter Legal Tech der Kanzlei CMS.

Verbraucherzentrierte Konzepte sind beispielsweise Rechtsdienste wie die digitalisierten Chat-bots von ›DoNotPay.co.uk‹, die Londoner und New Yorker Parksünder beraten oder etwa die kostenlose Überprüfung von Hartz-IV-Bescheiden des Start-ups ›rightmart‹.

Mitbringen

»Ich rate Studierenden, täglich auch spezifische Tech- Nachrichten zu lesen, sich immer die Hintergründe zu erschließen und vielleicht auch einmal eine Programmiersprache zu erlernen. Für den Juristen geht es nicht darum, ein vollwertiger Programmierer zu werden. Aber wer die grundlegenden Konzepte, die eigentlich alle Programmiersprachen vermitteln, einmal gesehen und verstanden hat, der tut sich im Umgang mit Technologie doch erheblich leichter.«

Dr. Frederik Leenen, Counsel und Leiter Legal Tech, CMS

Medizin

Roboter im OP

Kurzgesagt

Präzisere Eingriffe, kürzere OP-Zeiten: Das sind die Hoffnungen, die die Entwicklung von medizinischen Robotern voran treiben. Noch steht etwa die Chirurgierobotik am Anfang, doch teilautomatisierte OP-Prozesse sind immer weiter auf dem Vormarsch, besonders im Bereich minimalinvasiver Eingriffe.

Praxisbeispiele

Derzeit lassen sich drei Typen von Medizinrobotern unterscheiden: ferngesteuerte Robotersysteme, Hands-on- Roboter, an denen ein Instrument zwar befestigt ist, die jedoch durch den Arzt bewegt werden sowie vollautomatische Roboter. Letzere werden derzeit vor allem für bildgebende Verfahren wie beispielsweise der Röntgen- oder Ultraschalluntersuchung verwendet. Dabei fährt der Roboter auf einer vordefinierten Bewegungsbahn relativ zum Patienten wie der Angiograph von Siemens, mit welchem mittels 3D-Bildgebungsverfahren Gefäßerkrankungen diagnostiziert und therapiert werden können. Ein Beispiel für ein ferngesteuertes Robotersystem ist der Intuitive-Surgical-s DaVinci-Roboter für Eingriffe im urologischen und gynäkologischen Bereich:

»Die Roboterarme sind dabei über der Patientenliege angebracht, der Arzt sitzt daneben an der Steuerkonsole und bewegt die Instrumente im Inneren des Patienten«,

erklärt Prof. Dr. Tim Lüth vom Lehrstuhl für Mikrotechnik und Medizingerätetechnik der TU München.

Mitbringen

Wer in der medizinischen Robotik einsteigen wolle, sollte logisches Denkvermögen, ein gutes Prozessverständnis und eine starke medizinaffine Grundneugier mitbringen, meint Dr. Joachim Schulz, Vorsitzender des Vorstands des Medizintechnik- Herstellers Aesculap. Außerdem von Vorteil: Die Krankenhauspraxis etwa in Praktika kennenlernen. Gesucht werden beispielsweise Ingenieure aus den Bereichen Medizintechnik, IT, Elektronik, Elektrotechnik, Maschinenbau, oder Mechatronik.

Marketing

Big Data Analytics

Kurzgesagt

»Durch Big Data-Analysen wird ein jahrzehntelang unerfüllter Marketingtraum wahr: die Entdeckung von Ursache-Wirkungs-Beziehungen. Bringt etwa eine Werbekampagne nicht den erhofften Erfolg – meist die Erhöhung der Absatzmenge –, hieß es bisher: ›Ist aber gut für das Markenimage.‹ Die Frage, ob das verpuffte Budget nicht besser in andere Werbekanäle oder Sendezeiten investiert gewesen wäre, war auch durch aufwändige Marketingforschung kaum zu beantworten. Im Big Data-Marketing ist heute analytisch nachvollziehbar, woran es gelegen hat. Außerdem können durch die Nutzung der Analyseergebnisse Marketing-, Vertriebs- und Serviceprozesse oft sprunghaft effizienter gestaltet werden: Denn wenn ich weiß, welcher Kunde voraussichtlich positiv auf eine Direktmarketingaktion reagiert, kann ich zielgenau nur diese Kundengruppe kontaktieren. Das spart Kosten und reduziert zudem den Werbedruck erheblich.«

Peter Neckel, Leiter Analytics, mayato

Praxisbeispiele

»Die Analyseszenarien sind gerade im Marketing–umfeld sehr vielfältig – das Spektrum reicht von der Preisanalyse über Absatzprognosen bis zu Media Analytics, der Voraussage, wie das Marketingbudget am effizientesten über alle Kanäle aufgeteilt werden sollte. Prognosen aller Art sind besonders gefragt: Für eine Bank prognostizieren wir beispielsweise aktuell, welche Kunden aus welchen Segmenten voraussichtlich zu welchem Zeitpunkt ihr Tagesgeldkonto kündigen werden. Dieses Wissen kann dann für gezielte Kundenrückgewinnungsaktionen genutzt werden.«

Peter Neckel, mayato

Mitbringen

»Big Data-Marketing vereint mindestens zwei Bereiche: Das Marketing und die Analytik. Big Data-Marketiers müssen beide Bereiche im Blick haben – das heißt, sie kennen idealerweise die fachlichen Anforderungen aus dem Marketing und können ihr Verständnis der Marketingprozesse mit den aktuellen Möglichkeiten moderner Datenanalyseverfahren verheiraten. Dazu braucht es eine gewisse Zahlenaffinität sowie Neugier und Spaß daran, den Ursache-Wirkungs-Beziehungen im Marketing auf den Grund zu gehen.«

Peter Neckel, mayato


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