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Spielwiese – Der Arbeitgeber Gamesbranche

Ein Einblick ins Tagesgeschäft und ein Ausblick, wer da so gebraucht wird.

Mario, die Sims, Assassin’s Creed, Zelda, Pokémon. Jump and Run, Adventure, Shooter, Strategie. Online, offline, Konsole, PC, Handy. Einzelspieler, Multi-Player. Gemeinsam mit den Helden unserer Kindheit sind wir über den Bildschirm in die buntesten und spannendsten Abenteuer abgetaucht. Per Knopfdruck in eine andere Welt. Wir waren fasziniert von den Charakteren, der Geschichte, der Umgebung, den Designs. »Der Entwicklungsprozess eines Computer- oder Videospiels ist wahnsinnig facettenreich«, weiß Christoph Plewe, Referent Talent & Services bei game – Verband der deutschen Games-Branche. Die Geschichte muss geschrieben werden und die Handlungsmöglichkeiten definiert, bevor es schließlich an die Produktion geht. »Die Spielmechanik wird von Game-Designer*innen erdacht und ihre grundlegenden Systeme werden programmiert.

Durch Grafik-, Animations- und Sound-Design erwachen die digitalen Welten zum Leben.« Dabei hängt der Entwicklungsprozess von unterschiedlichsten Faktoren ab: Wie groß ist das Team? Welches Genre wird bedient? Für welche und wie viele Plattformen wird entwickelt – PC, Mobile, Playstation, Xbox, Switch? Wie groß ist das Budget? Spielt man online oder offline? Vom Konzept geht es über einen ersten Prototyp in die längste Phase: die Hauptentwicklung. Karolina Böhm, Recruiting Managerin bei Ubisoft beschreibt den weiteren Vorgang: »In den späteren Alpha- und Beta-Phasen werden die vorhandenen Spielelemente und Ideen genau unter die Lupe genommen, getestet und immer wieder angepasst«. Drei bis vier Jahre Entwicklungszeit, bis ein Game gelauncht wird, sind keine Seltenheit.

WORK HARD, PLAY HARD

Genauso facettenreich wie der Entwicklungsprozess sind die Jobs der Gamesindustrie. Denn hier arbeiten unterschiedliche Berufsbilder Hand in Hand. »Der jeweilige Karriereweg hängt dabei natürlich von den Interessen, den Fähigkeiten und der Spezialisierung des Einzelnen ab«, erklärt Laura Brandes, PR Editor bei Kolibri Games. Alleine im Kernbereich Programmierung gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. »Dies kann dann aber sehr speziell werden«, wissen auch Matthias Fischer und Henning Schmid, Digital Marketing Manager und Head of Publishing bei Yager Games. »AI-Programmierung, Technical Artist Programmierung, Webprogrammierung, je nach persönlichem Schwerpunkt«. Hinzu kommen Engine- sowie Front- und Backend-Programmierung und Themen wie Tools und Datenbanken. Der Job des Technical Artist zeigt den interdisziplinären Charakter der Branche: An der Schnittstelle zwischen Design und Software werden die Grafik in das Programm übertragen und visuelle Effekte entwickelt. Ungefähr 70 Prozent Programmierung und 30 Prozent Know-How im Grafik-Design machen die Tätigkeit aus.

Auch Systemadministrator*innen, die den reibungslosen Ablauf und stabile Server garantieren, werden gesucht. Im Game-Design arbeiten die kreativen Köpfe jedes Spiels. Sie sind für die Konzeption der Spielwelt zuständig, erschaffen die grundlegende Spielmechanik und übertragen die Idee in Regeln, sodass sich der Spielablauf ergibt. Hier geht es vor allem um erzählende und interaktive Inhalte sowie Usability. Neben Kreativität brauchen Game Designer*innen vor allem Fähigkeiten wie analytisches und strukturiertes Denken und mathematisches Verständnis. Zwingend notwendig sind Programmierkenntnisse nicht, aber von Vorteil. Denn durch die enge Zusammenarbeit der verschiedenen Teams »können so bestimmte Prozesse besser verstanden werden, wenn einem beispielsweise jemand aus der Programmierung erklärt, warum man diese eine bestimmte Regel so nicht angehen kann, oder warum etwas so und nicht anders gelöst wurde« betont Karolina Böhm von Ubisoft. 


Rund ein Viertel der Fachkräfte auf dem deutschen Games Arbeitsmarkt kommen aus dem Ausland. Ein Indiz dafür, dass in Deutschland selbst nicht genügend hochspezialisierte Fachleute vorhanden sind. Gegenüber der internationalen Konkurrenz, weiß Karolina Böhm, »war der Anteil der Arbeitnehmer in der Branche in den letzten Jahren eher rückläufig«. In Ländern wie Kanada ist die Gameindustrie einer der größten Wirtschaftsmotoren: Mit weniger als halb so vielen Einwohnern wie Deutschland gibt es dort doppelt so viele Beschäftigte in der Branche. Grund dafür sind vor allem enorme staatliche Förderungen. Die Regierung zieht nach: Mit der Games-Förderung des Bundes soll Deutschland international konkurrenzfähiger werden. »Die Game-Branche gehört auch zu den innovativsten und den am schnellsten wachsenden Bereichen.« Christoph Plewe vom Verband der deutschen Games Branche ist zuversichtlich: » Viele neue Technologien haben ihren Ursprung in der Games-Branche beziehungsweise werden dort als erstes angewendet. Dies bedeutet auch, dass immer wieder Fachkräfte gesucht werden, die ihr technisches Know-How in der Spiele-Entwicklung einbringen möchten, gerade auch in neu entstehenden Feldern«.

HIER KOMMST DU INS SPIEL

Die Einstiegschancen stehen gut, vor allem, »wenn man bereit ist, den Weg über die Einstiegspositionen zu gehen«, sind sich Henning Schmid und Matthias Fischer von Yager einig. Durch Praktika oder den Start in Junior-Positionen eröffnet sich die Möglichkeit, das richtige Spezialgebiet zu finden und von Seniors und Expert*innen zu lernen. Wer schon Vorkenntnisse mit Games, beispielsweise in Projekten während des Studiums, gesammelt hat: Jackpot. Wer nicht: Keine Sorge. Eine Möglichkeit, um Spieleluft zu schnuppern, sind Game Jams. Ein Zusammentreffen von Personen unterschiedlicher Kenntnisse aus Softwareentwicklung, Game-Design und Co., um innerhalb kurzer Zeit ein Spiel zu entwickeln. Neben dem Game- und Grafik-Design werden spezialisierte Fachkräfte besonders in der Programmierung gesucht. 

Zu Beginn sind Nachwuchsentwickler*innen oft mit Code Reviews oder im Quality Assurance Management beschäftigt, also mit der Qualitätskontrolle von Codes, Spielmechanismen und Technik. Geht es nach den Experten von Yager, ist das die perfekte Möglichkeit, seine eigentlichen Talente zu identifizieren: »Hier lernt man viel über den Entwicklungsprozess vom Prototyp bis zum Release und sogar darüber hinaus«. Abhängig von der Disziplin, ist die Branche auch für den Quereinstieg offen. Leidenschaft und Spaß am Spielen alleine reichen aber nicht aus. Der Meinung, dass ohne gewisse Kenntnisse nichts geht, ist auch Karolina Böhm von Ubisoft: »Wir sind bei unseren Produktionen auf erfahrenes Personal angewiesen, sodass bestimmte Skills für einzelne Jobs und Projekte unumgänglich sind«. 

MULTIPLAYER

Die Gamesindustrie ist international geprägt, daher ist vor allem bei größeren Studios die Arbeitssprache oft Englisch. Am wichtigsten aber bleibt: Teamwork. Ohne die interdisziplinäre Zusammenarbeit der verschiedenen Bereiche kann kein Spiel entstehen. Nachdem der sogenannte ›Crunch‹ in den letzten Jahren immer häufiger kritisiert wurde, versuchen die Studios Überstunden so gut es geht zu vermeiden. Flexibilität und Belastbarkeit sind trotzdem besonders in stressigeren Phasen wichtig, »wie beispielsweise kurz vor der Veröffentlichung eines Spiels oder wenn wichtige Meilensteine in der Entwicklung anstehen«, meint Böhm. Die harte Arbeit lohnt sich: Die Branche ist perfekt für kreative Teamplayer, denen Zusammenhalt auch über den Job hinaus wichtig ist. »Gemeinsame Mittagspausen, Game Nights und das gemeinsame Feiern der Erfolge gehören dazu«, verrät Laura Brandes von Kolibri Games. 

 

 


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