Telekommunitkation + Informatik = Telematik

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Aus Telekommunikation und Informatik wird Telematik

Eng Verschlungen: Telekommunikation und Informatik ergeben zusammen Telematik, bei der sowieso nie etwas allein funktioniert.

 

Es war eine Zeit, als Apple schon einmal den Markt beherrschte, mit dem Apple II, solche ›Computer für den Hausgebrauch‹, wie es damals hieß, aber noch gegen Taschenrechner konkurrierten und mit einem Arbeitsspeicher von vier Kilobyte auskamen. 1978 also, da war das erste Mal von Telematik die Rede.

 

»Die wachsende Verflechtung von Rechnern und Telekommunikationsmitteln eröffnet einen völlig neuen Horizont« hieß es seinerzeit in einem Bericht an den französischen Staatspräsidenten, in dem erstmals überhaupt der Begriff Telematik fiel. Und weiter: »Sie wird unser Kulturmodell verändern.« Fast 35 Jahre sind seither vergangen. Heute, so sagt Nick Walker, ein langjähriger Branchenmanager, sei die Telematik »erwachsen« geworden. Walker ist als Managing Director von Masternaut Chef eines führenden Anbieters, der 500 Mitarbeiter beschäftigt, davon 120 allein in Forschung und Entwicklung.

 

Telematik – das ist zunächst einmal ein Kunstwort aus Telekommunikation und Informatik

Ob es sich dabei im Grunde nur um ein Fachgebiet von letzterem handelt – oder aber um eine eigenständige Querschnittstechnologie, ist nach wie vor umstritten. Gemeint sind jedenfalls Computeranwendungen, die über Entfernungen hinweg interaktiv Daten austauschen und dabei mit spezieller Hard- und Software verknüpft werden. Dazu zählen ganz allgemein die Rechnernetze für Internet oder Mobilfunk. Im engeren Sinne aber gelten als Telematikanwendungen vor allem die verschiedensten Systeme zur Steuerung und Überwachung des Verkehrs zu Wasser, zu Lande und in der Luft – doch auch der E-Commerce, das E-Learning, die Telemedizin und das Facility Management gehören im Grunde dazu. Das erste Institut für Telematik hierzulande entstand 1982 an der Uni Karlsruhe. 2010 gab es laut dem Branchenmagazin ›Telematik-Markt‹ im deutschen Raum 859 Hersteller und Anbieter.

 

Gerade in die Verkehrstelematik werden immer wieder große Hoffnungen und Erwartungen gesetzt

Staus sollen so vermieden, Fahrzeuge aller Art sparsamer, Straße und Schiene besser ausgelastet, Autofahrer zum Umstieg auf Bus und Bahn bewegt werden. Was im Fahrzeug und um es herum passiert, ist immer mehr von intelligenter Vernetzung abhängig. Im Jahr 2000 lagen die Umsätze der Branche schon bei gut einer Milliarde Euro. Analysten erwarten, dass die Verkehrstelematik, die 2008 schon knapp fünf Millionen Systeme umgeschlagen hat, bis 2016 auf fast 25 Millionen Einheiten wachsen wird. Allein das Marktvolumen für die Telematik in Trucks könnte einer Studie zufolge bis 2020 drei Milliarden Euro erreichen – 2010 waren es noch 1,1 Milliarden Euro. Und das, wo laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Dataforce jedes dritte Unternehmen noch nicht einmal vom Nutzen der Telematik-Systeme überzeugt ist. »Eine fatale Fehleinschätzung«, urteilt der ›Telematik-Markt‹.

 

Für Absolventen seien die Aussichten derzeit »exzellent«, sagt Günter Müller, Professor für Telematik und Gründungsdirektor des Instituts für Informatik und Gesellschaft an der Uni Freiburg. »Gerade Informatiker fehlen.«

 

Er empfiehlt eine »solide Theorieausbildung, die nicht nur auf den kurzfristigen Wissenserwerb mit geringer Halbwertszeit« abstelle. Ähnliches ist von Stefan Fischer, Direktor am Institut für Telematik der Uni Lübeck, zu hören: Die Berufsaussichten seien, wie bei allen informatikverwandten Fachgebieten momentan »ausgezeichnet« – und das werde sicherlich auch so bleiben oder sogar noch »sehr viel intensiver« werden.

 

»Da die Telematik immer noch relativ schnelllebig ist, halte ich ein ausgeprägtes Faktenwissen zwar nicht für schädlich, aber auch nicht für überlebenswichtig«, so Fischer weiter. Viel wichtiger, vor allem für Führungspositionen, sei das Wissen darüber, warum bestimmte Dinge sind, wie sie sind. Entscheidend sei deshalb, dass man sich bemühe, »eine breite Informatikausbildung zu bekommen und sich nicht komplett auf ein Teilgebiet konzentriert«.

 

Dazu gehöre auch, dass man selbst Programme lesen und schreiben könne – »eine Selbstverständlichkeit, die sich offenbar immer noch nicht richtig herumgesprochen hat«, sagt Fischer. Eine Selbstverständlichkeit, die aber von den Unternehmen honoriert wird. Christina Merkel-Reif, Personalerin bei der Init AG, antwortet bei der Frage nach Fachkenntnissen, die sie von Bewerbern erwartet, vor allem mit Programmiersprachen wie Java, C#, .NET und C++. Init, führender Anbieter auf dem Gebiet der Telematik- und elektronischen Zahlungssysteme in Bus und Bahn, beschäftigt heute weltweit 350 Mitarbeiter, 280 davon in Deutschland. Im laufenden Jahr könnten zehn bis 20 neue Leute eingestellt werden, vor allem Informatiker, aber auch Elektro- und Nachrichtentechniker. Eine Chance hat dabei vor allem, wer teamfähig ist und neben Sprachkenntnissen auch Praxiserfahrung vorzuweisen hat. Wer neben dem Studium einschlägig jobbe, habe es in der Regel einfacher, berichtet Merkel-Reif, weil er »weiß, wie der Hase läuft«. Viele Studenten kämen erst am Ende ihrer Ausbildung mit der Praxis in Kontakt. »Das ist spät«, so Merkel-Reif – »aber eben die Realität, vor allem an Universitäten«. An den Hochschulen gebe es das Problem weniger, erklärt die Personalerin.

 

Auch bei Continental kommt es auf die richtige Balance zwischen akademischer Ausbildung und praktischen Erfahrungen an. Studierende sollten sich unbedingt die Zeit nehmen, um über Praktika erste Berufs-erfahrungen zu sammeln. Auch außeruniversitäres Engagement etwa bei studentischen Organisationen wie Formula Student, Bonding oder AIESEC sei »durchaus empfehlenswert«, sagt Enne Pflug von Continental. »Zudem sind eine klare und offene Kommunikation sowie die Fähigkeit in Teams arbeiten zu können zentrale Eigenschaften«, so Pflug weiter. Und, natürlich, Fremdsprachen: »Ohne gute Englischkenntnisse wird es sehr schwer in der heutigen Arbeitswelt Fuß zu fassen.«

 

Immer wieder werden dabei neben Informatikern auch Elektrotechniker und verwandte Fachrichtungen gesucht. Bei TomTom, Spezialist für tragbare Navigationsgeräte, heißt es zudem: »Auch Quereinsteiger haben die Möglichkeit sich zu bewähren«, etwa im Support oder der Testabteilung. Aber für alle gilt, so Stefan Fischer, einen Hochschulabschluss zu erwerben. In der Computerbranche locke immer noch das schnelle Geld, manch einer bleibe da in einer Firma hängen, ohne sein Studium zu beenden. »Das kann sich irgendwann rächen«, sagt Fischer.

 

Apropos Geld: Was verdient man denn derzeit so in der Branche?

Bei dieser Frage halten sich die Unternehmen sehr bedeckt. »Wir zahlen marktübliche Einstiegsgehälter«, ist die Antwort, die man meist zu hören bekommt. Das dürften so zwischen 40.000 und 45.000 Euro im Jahr sein.

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