Virtualisierung: IT-Spezialisten gesucht

Virtualisierung entfacht zwar kein neues IT-Jobwunder, verlangt aber zunehmend nach Spezialisten.

200 Professoren, 400 Angestellte und 7.800 Studierende greifen durchschnittlich auf die IT-Landschaft der FH Würzburg-Schweinfurt zu. Die dazu benötigten Rechnerleistungen sind enorm. Schließlich gilt es, zum Beispiel für die Studierenden möglichst viele Industrieanwendungen für die Lehre abzubilden.

Angehende Ingenieure lernen Entwicklungssoftware kennen, Betriebswirte arbeiten mit Resource-Planning-Systemen und Kommunikationsdesigner sammeln Erfahrungen mit grafischer Gestaltungssoftware. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, hat die Hochschule im vergangenen September ihre kompletten Systeme virtualisiert. ›Virtualisierung‹ heißt in diesem Fall, auf einem realen Rechner mehrere Rechner und Anwendungen virtuell laufen zu lassen und damit die Kapazitäten weniger Maschinen auszunutzen, anstatt für jede Anwendung ein eigenes Gerät einzuschalten.

»Unsere IT-Landschaft ist jetzt auf dem neuesten Stand«, sagt Professor Robert Grebner von der FH Würzburg-Schweinfurt.

Was die bayrische Hochschule jüngst umsetzte, gilt als heißer Trend in der IT: »Rechner sind mittlerweile so leistungsfähig, dass man die Hardware besser ausnutzt, wenn man nicht nur eine Anwendung über sie laufen lässt«, erklärt Dr. Raimund Vogl vom Zentrum für Informationsverarbeitung (ZIV) der Universität Münster. »Dadurch spart man auch Energie – Virtualisierung ist ein grünes IT-Projekt.« Auch das ZIV hat seine ehemals über 300 Rechner mittels Virtualisierung auf 19 reale Maschinen eingedampft. Inzwischen hat auch die Industrie die Möglichkeiten der Virtualisierung entdeckt – Virtualisierungssoftware für mittelständische Betriebe zum Beispiel werden große Absatzchancen eingeräumt.

»Ich arbeite in einem enorm innovativen Feld, das meinem generellen Interesse an Informationstechnik, das ich seit früher Kindheit habe, entgegenkommt.«

Bitkom sieht enormes Potenzial

Auch der IT-Branchenverband Bitkom sieht enormes Potenzial: So soll der deutsche Markt für die sogenannte Desktop-Virtualisierung allein im laufenden Jahr um rund 13 Prozent wachsen.

»Dank Desktop-Virtualisierung können Mitarbeiter unabhängig von ihrem aktuellen Arbeitsplatz und Endgerät problemlos auf ihre gewohnten Daten und Anwendungen zugreifen«, erklärt Bitkom-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer.

Desktop-Virtualisierung sei damit eine »perfekte Ergänzung des Megatrends Cloud Computing«. Die Wachstumsprognosen ziehen einen erhöhten Personalbedarf mit sich: 35 Prozent der Unternehmen in Deutschland planen, im laufenden und im kommenden Jahr ihre IT-Abteilung zu vergrößern. Bei knapp 43 Prozent der Unternehmen wird sich laut einer Umfrage der Stellenbörse IT Job Board die Anzahl der IT-Mitarbeiter im kommenden Jahr nicht ändern, 22 Prozent wollen Personal reduzieren. Unter denjenigen, die aufstocken, werden 74 Prozent in erster Linie neue Stellen schaffen. Nur sieben Prozent wollen den hohen Arbeitsanfall überwiegend mit freien Beratern ausgleichen und 18,6 Prozent mit Festangestellten und Freien gleichermaßen. Raimund Vogl vom ZIV der Uni Münster sieht Wachstumschancen vor allem in der Industrie. »Immer mehr Unternehmen beschäftigen sich mit den Möglichkeiten der Virtualisierung und schaffen sich eine Handvoll großer Rechner an, auf denen sie dann 20 oder 40 virtuelle Maschinen und Anwendungen betreiben.« Dazu gehören Kundenmanagement-Systeme, Verwaltungsprogramme oder E-Mail-Anwendungen. Dass der Nachwuchsbedarf vor diesem Hintergrund steigt, versteht sich von selbst: »Unser Bedarf an Spezialisten für Virtualisierung und Cloud Management ist stetig da und wir gehen nicht davon aus, dass er in naher Zukunft abflauen wird«, sagt Vasilios Nicolaides, Senior Recruitment Consultant bei SAP.

 

Als Virtualisierungsexperte bei SAP

Wer als Virtualisierungsexperte bei SAP einsteigen wolle, sollte unter anderem gute Kenntnisse der Programmiersprache Java mitbringen und schon erste Praxiserfahrungen während des Studiums gesammelt haben, sagt SAP-Recruiter Nicolaides. »Nach Möglichkeit sollte man auch verhandlungssicheres Englisch sprechen.« SAP-Entwickler Markus Winter rät Studierenden, die ihren Weg in die Virtualisierung gehen wollen, sich im Rahmen ihres Studiums zu spezialisieren und dann vor allem in der IT-Praxis Erfahrungen mit Virtualisierungsprojekten zu sammeln. Raimund Vogl vom ZIV hingegen glaubt, dass in naher Zukunft alle IT-Absolventen über Virtualisierungswissen verfügen müssen. »Schon bald wird das zum täglichen Brot der ITler gehören«, sagt Vogl. »Virtualisierung wird man in der IT beherrschen müssen, wie man am Bau Beton mischen können muss.« Noch eine etwas andere Perspektive liefert das Beratungsunternehmen Forrester Consulting: Mehr Virtualisierung heiße nicht automatisch auch mehr Personal für Virtualisierung.

 

»Virtuelle Server sind einfacher zu administrieren als ihre physischen Gegenstücke«, sagt Forrester-Analyst Andrew Bartels. »So ist es auch für kleine und geschrumpfte Wartungsteams leicht, größere Serverlandschaften zu pflegen.«

Eine Umfrage im Auftrag des Virtualisierungsanbieters VMware bestätigt diese Einschätzung: In den USA betreut ein Administrator im Schnitt 65 physische, aber 77 virtuelle Server. Das ist nicht wesentlich mehr als in Deutschland und spreche laut Forrester auch nicht dafür, in virtuellen Systemen deutlich mehr Wartungspersonal einzustellen. Unternehmen, die einmal einen Fachmann für Virtualisierung und Lizenzen eingestellt haben, müssen ihr Personal nicht aufstocken, nur weil sich die Zahl der virtuellen Server erhöht, heißt es bei Forrester Consulting. Wer seine Ausgaben für Virtualisierung um zehn bis 15 Prozent steigere, brauche vielleicht ein Prozent mehr Mitarbeiter, aber nicht mehr. Auf der anderen Seite sei es durch Virtualisierung aber möglich, das eingesparte Geld in andere, neue IT-Fachkräfte zu investieren. 

 

 

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