Frau blickt ins Tal

Voll im Trend: Karrierechancen in der Informatik-Branche

Fortschrittlich, unverzichtbar, vielseitig, für jeden was dabei, herausfordernd, zukunftsweisend, verbindend, am Puls der Zeit – alles Attribute, die auf die Informatik-Branche zutreffen.

Vor allem in Zeiten von Smartphones und Tablets trägt mittlerweile fast jeder einen Minicomputer mit sich herum. Und wer das nicht tut, tippt seine Seminararbeit auf dem Laptop, hört Musik via MP-3-Player oder fährt ein Auto mit Navi. Soll heißen: Informatik trifft mittlerweile jeden von uns. In allen erdenklichen Bereichen. Sie erleichtert uns das Leben und immer häufiger sogar das Denken. Ohne die Informatik ginge wahrscheinlich wenig voran. »Die Informatik«, bestätigt auch Prof. Dr. Peter Liggesmeyer, Vizepräsident der Gesellschaft für Informatik (GI), »hat sich zum Innovationsmotor in fast allen Branchen entwickelt.« 

IT in allen Bereichen: Bindestrich-Informatik

Längst ist die Informatik also nicht mehr nur in ihrer eigenen Branche zuhause, sondern hat es sich in allen erdenklichen Bereichen, in denen es um Technik und Innovation, um Daten und Information geht, gemütlich gemacht.  »Gerade in den etablierten Branchen wie dem Automobil- und Maschinenbau bringt die Verschmelzung klassischer Ingenieurskunst mit der Informationstechnologie wesentliche Innovationsschübe«, so Liggesmeyer. »Sogenannte eingebettete Systeme finden sich in immer mehr Produkten. Hier gilt es zu kooperieren.« Auch in Bereichen wie der Elektro-, der Automatisierungs- oder der Medizintechnik sorgt die Informatik für entscheidende Fortschritte. IT steht also nicht mehr nur für sich allein, sondern nimmt mittlerweile auch eine Schnittstellenfunktion ein. »Deswegen«, erklärt Professor Liggesmeyer, »boomen auch ›Bindestrich-Informatiken‹, in denen Informatik mit Betriebswirtschaft, mit Medizin oder mit Biologie gekoppelt ist.« Diese Entwicklung beobachtet auch Dr. Oliver Grün, Präsident und Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes IT-Mittelstand (bitmi). »Es existiert heute kein technisches Projekt mehr, in dem die IT als Enabler- und Querschnittstechnologie nicht entscheidendes Entwicklungs- und Steuerungsinstrument ist.«

Informatik der Zukunft

Nicht nur in der Verschmelzung der Informatik mit anderen Fachgebieten liegt einer der Trends, die verstärkt auf die Informatik-Branche zukommen werden. Die Erfassung und Verarbeitung von steigenden Datenmengen, das Strukturieren und die Analyse von riesigen Informationsbergen unter dem Stichwort Big Data fallen da zuerst ein. Cloud Computing, also die Auslagerung von Teilen der IT-Landschaft, die dann über ein Netzwerk zugänglich gemacht wird, und die Anpassung von Anwendungen an mobile Endgeräte sind weitere Themen, mit denen sich Informatik-Experten in Zukunft viel beschäftigen werden. Industrie 4.0 ist ebenfalls ein Aspekt, der stärker vorangetrieben werden soll. Er umschreibt ein Zukunftsprojekt, das Teil der Hightech-Strategie der Bundesregierung ist. Ziel ist es, klassische Industriezweige mehr und mehr zu informatisieren, um so effizienter zu werden. »Zudem gelangt das Themenfeld Usability, die Gebrauchstauglichkeit von Software, immer mehr ins Blickfeld der Unternehmen«, ergänzt Dr. Oliver Grün. »Nicht zuletzt ist aufgrund der NSA-Affäre auch das Thema Sicherheit wieder in den Fokus gerückt. Wie können wir unsere Daten schützen? Damit müssen wir uns vermehrt beschäftigen.«

Der Bedarf an Informatik-Experten steigt

Für den Arbeitsmarkt bedeutet das ungebrochenen Bedarf an Informatik-Experten. Und zwar branchenübergreifend. »2012«, erzählt Oliver Grün, »wurden allein in der IT- und Telekommunikationsbranche rund 18.000 offene Stellen für Informatik-Fachkräfte und 43.000 offene Stellen in der gesamten deutschen Wirtschaft gezählt.« 2013 gab es 39.000 Vakanzen. Die Fachkräftelücke klafft also nach wie vor. Mit schwerwiegenden Folgen für die Wirtschaft: Viele Unternehmen können nicht so handeln, wie sie gerne würden und werden dadurch in ihrer Innovationskraft ausgebremst. Besonders hart trifft das den Mittelstand. »Zwei von drei mittelständischen Unternehmen haben mindestens zwei Stellen zu besetzen. Schwierig ist es auch für Start-ups, die keine geeigneten Entwickler finden, um weiter wachsen zu können.« Die großen Konzerne haben es da schon leichter: Sie locken mit Einstiegsgehältern von knapp 48.000 Euro brutto pro Jahr, während es bei kleineren Unternehmen schnell 10.000 Euro weniger sind. Nicht immer nur aufs Geld zu schauen, das rät Dr. Oliver Grün daher, sondern auch auf die »Entfaltungsspielräume, die beispielsweise der Mittelstand bieten kann«. Besonders vom Fachkräftemangel betroffen sind zudem Software-Sekundärbranchen. »Das sind jene Branchen, die keine Software-Produkte an sich, sondern Systeme verkaufen, in denen Software eine tragende Rolle einnimmt«, beschreibt Prof. Dr. Liggesmeyer. Die Automobilbranche zum Beispiel ist eine davon.

Dass die Fachkräftelücke in naher Zukunft geschlossen sein wird, davon geht heutzutage niemand aus. Im Gegenteil: Die Anforderungen, die Unternehmen an ihre Einsteiger stellen, steigen zusätzlich. Eine immer komplexer werdende IT-Welt verlangt längst nicht mehr nur reines Informatik-Handwerkszeug, sondern das Gespür für die Trends der Zukunft. »Um neue Technologien voranzutreiben, brauchen wir daher nicht nur mehr Fachkräfte, sondern Spezialisten, die diesen veränderten Anforderungen gerecht werden«, wünscht sich Dr. Oliver Grün und erklärt dies an einem Beispiel:

»Setzt ein Unternehmen auf die Cloud, verändern sich die Strukturen in diesem Unternehmen. IT-Sicherheits- und Compliance-Experten sowie Enterprise-Architekten sind dann stärker gefragt.«

Mangels eines Usability-Experten im Unternehmen passiert es zudem immer öfter, dass Unternehmen ihre Aufträge an externe Dienstleister auslagern müssen oder auf die Weiterverfolgung von Projekten schlicht verzichten. Sogar Quereinsteiger, die sich Spezialwissen aneignen können, sind in der Informatik-Branche umworbene Arbeitskräfte. Allerhöchste Zeit also für die Hochschulen, sich in ihrer Lehre auf diese Entwicklungen einzustellen. »Diese darf die Grundlagen nicht vernachlässigen«, meint Prof. Dr. Liggesmeyer, »muss ihren Studierenden aber schon früh die Möglichkeit der Spezialisierung bieten.«  Anwendungswissen ist eben in allen Branchen unverzichtbar. Dr. Oliver Grün sieht jedoch nicht nur Hochschulen in der Verantwortung.

»Auch allgemeinbildende Schulen müssen der gestiegenen Bedeutung von IT gerecht werden und bundesweit einen verpflichtenden Informatik-Grundkurs einrichten. Die jungen Leute sollen frühzeitig Gespür für die Technik entwickeln, mit der sie heute so selbstverständlich umgehen.«

Ohne sie, die Informatik, funktioniert heutzutage eben relativ wenig. Oder, um es mit den Worten von Prof. Dr. Liggesmeyer zu sagen:

»Die Informatik ist einfach spannend.«


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