Toni Hukkanen/unsplash

Wie IT-Lösungen die Städte der Zukunft formen

Schlaue Städte: Von Sensoren, Modellen und der Verbesserung der Lebensqualität

In knapp 30 Jahren werden 68 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben, in reichen Ländern wie Deutschland könnten es sogar bis zu 88 Prozent sein. Mehr Menschen bedeuten aber automatisch auch mehr Herausforderungen: Mehr Verkehr, Verschmutzung und CO2-Ausstoß sind nur einige negative Aspekte dieser Entwicklung. Um diesem Chaos vorzubeugen und die Städte zukunftstauglich zu machen, wird heute schon in urbane Lösungen investiert. Die gibt es für alle möglichen Aspekte, die das Stadtleben verbessern. Das fängt bei der Luftreinheit an und endet dabei, wie sicher sich Bewohner nachts auf der Straße fühlen. Laut einer McKinsey-Studie können Städte ihre Lebensqualität durch smarte Lösungen um bis zu 30 Prozent steigern.

10-15 Prozent der städtischen Treibhausgase ließen sich durch smarte Lösungen einsparen.

Für Mensch und Umwelt

Stichwort Smart Cities: Damit Autos nicht nur in der Gedankenfabrik autonom Stadtbewohner auf dem schnellsten Weg durch den Großstadtdschungel navigieren, benötigt es IT-Expertise an allen Ecken. Aber was macht eine Stadt überhaupt smart? Pascal Fuckerieder ist Informatiker bei den Stadtwerken München und befasst sich dort auch mit diesem Thema. Er betont: »Moderne Städte werden mit einer Vielzahl von Sensoren ausgestattet sein, die kontinuierlich Daten ermitteln, die anschließend zu Informationen aufbereitet und verknüpft werden.« Smart Cities nutzen diese Informationen, um die Lebensqualität zu verbessern. Voraussetzung dafür ist in erster Linie eine Basis an vernetzten Endgeräten und Sensoren, die im zweiten Schritt auf intelligente Programme zugreifen, die dann konkrete Empfehlungen geben. So könnten Routen für die Abfallentsorgung optimiert, die Kapazität von Verkehrsmitteln bedarfsgerecht angepasst oder generell Empfehlungen für die aktuell schnellste Verkehrsroute gegeben werden. In München erfassen zum Beispiel intelligente Lichtmasten Umweltdaten und die Parkraumnutzung. Die gewonnenen Infos stehen den Bürgern dann auf einer IT-Plattform zur Verfügung.

50 Städte in Deutschland sind auf dem Weg zur Smart City.

Planen, Simulieren, Vorbeugen

Auch andere Städte in Deutschland haben den Nutzen von smarten Citylösungen erkannt, so startet Bamberg gerade ein vom Innenministerium gefördertes Pilotprojekt. Neben intelligenten Lösungen für den Pendler- und Touristenverkehr in der Stadt bietet die Vernetzung noch weitere Benefits: Datenplattformen sollen genauso wie Strom- oder Gasnetze Teil der Daseinsvorsorge werden. Auf diesen werden öffentliche Daten vernetzt und in Echtzeit in handlungslenkende Informationen verwandelt. Sascha Götz, Programmleiter des Projekts, erklärt den Vorteil: »Die Stadträte können Entscheidungen auf Grundlage von Datenauswertungen treffen, die nicht erst erhoben werden müssen: Die Zahl der Fußgänger, Radfahrer und Pkw ist bekannt und jederzeit abrufbar, ebenso viele Indikatoren für die Nachhaltigkeit der Stadt.« Dadurch können Auswirkungen von Katastrophenfällen in einem 3D-Stadtmodell simuliert werden und die Stadt ist im Stande, Abwehrmaßnahmen zu planen. Sein Kollege Dr. Stefan Goller ergänzt einen weiteren wichtigen Faktor: »Auch die Bürgerbeteiligung ist über digitale Portale selbstverständlich und die Betroffenen werden zu Beteiligten, die in frühen Phasen der Planung ihre Ideen und Interessen einbringen und aushandeln können.«

30 Prozent der Deutschen wären bereit, für Smart-City-Technologien zu zahlen.

Die Technik hinter der Idee

Ein Faktor dafür, dass diese Visionen umgesetzt werden können, ist die passende Infrastruktur. Als erster Schritt in diese Richtung ist ab 2022 die Digitalisierung von analogen Diensten für Städte und Kommunen verpflichtend. Deshalb hilft zum Beispiel die Telekom, professionelle Apps zu entwickeln, die Bürgerdienste digital anbieten. Mindestens genauso wichtig werden, wenn es um die Datenerfassung geht, auch Technologien wie Narrowband- IoT: Ein spezielles Netz für den Betrieb von Sensoren. Michael Frank, der als Leiter des Bereichs Smart City bei der Telekom arbeitet, zeigt sich begeistert hinsichtlich des unerschöpflichen Fundus an Möglichkeiten: »Es ist ein sehr spannendes, dynamisches Feld zum Austoben. Vor allem für Absolventen der Informatik, Telekommunikationswissenschaften oder Wirtschaftswissenschaften.« Ziel ist dabei immer, den urbanen Raum beständig aufzuwerten und die Lebensqualität zu verbessern. Und er hat noch einen Tipp für alle, die sich für einen Job in diesem Bereich interessieren: »Zusatzqualifikationen wie Kenntnisse der eingesetzten Technologien wie Low Power Wide Area (LPWA), Lora, Sigfox oder den gängigen Internet-der-Dinge- Plattformen sind hilfreich für einen erfolgreichen Start im Smart-City-Umfeld.«

New York, Singapur und San Francisco sind die Top drei Städte, wenn es um digitale Infrastruktur geht.

Unendliches Potenzial

Ein Job im Bereich Smart City ist nicht nur technisch spannend, er leistet einen direkten Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität. Die McKinsey- Studie sieht das Potenzial, durch verschiedenste smarte Lösungen – auch im Bereich datenbasierte Polizeiarbeit, intelligentes Verkehrsmanagement oder Verbesserung der Energienutzung – die Kriminalitätsrate um bis zu 40 Prozent zu senken, 15 bis 30 Minuten beim täglichen Pendeln zu sparen und 25 bis 80 Liter Wasser pro Person und Tag weniger zu verbrauchen. Die Smart City kann kommen.

 


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