Im Interview: Astronaut Hans Schlegel

Hans Schlegel philosophiert im audimax-Interview über die verschiedenen Dimensionen des Fernwehs.

ESA astronaut Hans Schlegel arbeitet am Außenteil der Columbu

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ESA

Herr Schlegel, Sie waren so weit entfernt von der Erde wie sonst nur wenige Menschen. Kennen Sie eigentlich Fernweh?
Ich erinnere mich, in meiner Jugend so etwas gehabt zu haben. Es hat mich wahrscheinlich so früh gepackt, dass es keine Zeit hatte, sich auszubreiten, denn ich habe relativ früh viel unternommen und bin viel gereist. Zwischendurch bin ich aber etwa zehn Jahre so gut wie gar nicht gereist, sondern habe nur studiert und gearbeitet. Dann bin ich Astronaut geworden. Und in dieser Eigenschaft reise ich tatsächlich, zumindest als europäischer Astronaut, sehr viel in der Weltgeschichte rum. Mit Fernweh verbindet man ja die Sehnsucht, etwas Neues zu sehen, ferne Länder, Sonne oder gar Eis und Wind. Dieses Fernweh, das ich als Jugendlicher hatte, wird natürlich sehr schnell befriedigt, wenn man die Erde umkreist. Gleichzeitig wird der Blick dabei aber auch hinausgelenkt ins All, wenn man die Erde aus 350 Kilometern Entfernung vorbeiziehen sieht. Dann sieht man, wie sich unzählige Farben im Planeten Erde widerspiegeln und rechts, links, oben und unten ist nur die Schwärze des Universums. Es tun sich die Sterne, der Mond und andere Planeten auf. Das ist für mich dann Heimweh, ach nein, ich meine Fernweh der ganz anderen Art. Wenn ich nachts in der Wüste oder im Gebirge, wo es ganz dunkel ist, in den Himmel schaue, die vielen Milliarden Sterne sehe und mich frage, ob es irgendwo dort einen Planeten gibt, der für uns Menschen ähnlich wirklich wie die Erde wäre, dann hat das Fernweh eine ganz andere Dimension. Das hört sich jetzt vielleicht ein wenig abgehoben an. Aber ich möchte mich auch gar nicht distanzieren von dem Fernweh, das man hat, wenn man einem Routinejob nachgeht und ortsgebunden ist – dann entwickelt sich das Fernweh zum Beispiel auf die nächste Urlaubsreise. Das sind ganz ähnliche Motivationen, wenn auch vielleicht in einer anderen Größenordnung als wenn man davon träumt, einmal den Mars zu besuchen. Aber die Einsichten und die Erwartungshaltung sind eigentlich ganz ähnlich.

Lassen Sie mich Ihren herrlichen Versprecher aufgreifen: Kennen Sie als Weitgereister eigentlich das Gefühl des Heimwehs? 
Aber selbstverständlich! Das fängt bei mir schon an, wenn ich eine Woche auf Dienstreise bin. Dann sehne ich mich sehr danach, wieder zuhause bei meiner Familie zu sein. Vielleicht sogar nach dem Alltag im Büro, den man sonst oft als belastend empfindet. Mit jedem Tag, den man außerhalb ist, gewinnt das aber an Attraktivität. Allerdings muss ich sagen, während meiner zehntägigen D2-Mission vor 17 Jahren oder auf meiner 13-tägigen 1E-Mission vor zweieinhalb Jahren kein Heimweh empfunden zu haben – das war zu kurz und aufregend. Man hat zu wenig Zeit, um Heimweh zu entwickeln.

Ist das quasi Ihre Strategie gegen Heimweh im Orbit – sich abzulenken und ganz auf den Job zu konzentrieren? 
Strategie würde ich es nicht nennen. Es gibt auf einem Raumflug keine Wahl, kein Entkommen. Es ist einfach die schlichte Realität. Der ganze Tag und selbst die Schlafenszeit sind minutiös geplant. Es ist in etwa wie in der Jugendherberge: Man teilt relativ kleine Räume miteinander und da muss die Nachtruhe eingehalten werden, damit alle, die gerne früh ins Bett gehen und die, die lieber später schlafen, genug Ruhezeit haben. Wenn einer noch ein bisschen länger macht, kommt der Chef und sagt: „Beeil dich mal, alle wollen jetzt zu ihrer Ruhe kommen!“ Ich erzähle auch immer gerne, wenn ich Filme zeige von unseren Einsätzen im All: Die wichtigste Tätigkeit im Orbit während einer Mission ist tatsächlich, Ruhe zu bekommen. Ausruhen und schlafen. Denn wer nicht genug schläft, der ist nicht fit und tendiert dazu, mehr Fehler zu machen. Und das kann man sich in dieser Umgebung am allerwenigsten leisten. Denn unsere Aktivitäten sind minutenmäßig getaktet. Da bleibt keine Zeit für große Gefühle. Während der letzten 13-tägigen Mission habe ich vielleicht drei oder vier Mal nach Hause telefoniert.

Das heißt, Sie können während einer Mission mit Ihrer Familie kommunizieren? 
Ja, wir können telefonieren. Zu ausgesuchten Gelegenheiten war ich auch mal mit einer Videoleinwand verbunden, aber mit der Qualität, die eine Videokonferenz auf der Erde hat, können wir noch nicht mithalten. Allerdings ist das innerhalb der vergangenen zwei Jahre auch stark verbessert worden. Raumfahrer, die ein halbes Jahr auf der Station sind, haben heute deutlich bessere Kommunikationsmittel. Wenn man dann aber mal telefonieren kann, vielleicht für fünf Minuten, ist es schwierig, auf Knopfdruck die eigentlichen Gefühle und Gedanken rüberzubringen. Das wäre viel besser möglich, wenn man spontan anrufen könnte.

Gibt es denn irgendetwas, was Sie auf jede Reise mitnehmen, das Sie an zuhause erinnert? 
Ich habe zumindest immer Bilder dabei. Und ein Schweizer Taschenmesser, obwohl mich das natürlich nicht an zuhause erinnert, sondern meiner Vorstellung geschuldet ist, für alle möglichen Widrigkeiten präpariert zu sein. Das ist auf Reisen aber oft schwierig, da man’s nur mitnehmen kann, wenn man im Flieger Gepäck aufgibt. Ins All dürfen Sie es aber mitnehmen? Ja, im All haben wir auch welche gehabt, aber etwas größere – solche Vielzweckwerkzeuge, „Leathermans“. Um ehrlich zu sein, verwenden wir sie jedoch recht selten. Mein Taschenmesser ist eher Schlüsselanhänger als dass es tatsächlich in Gebrauch ist. Wenn Sie sich jetzt spontan entscheiden könnten, irgendwo hinzureisen, welche Destination würden Sie wählen? Ich würde mich für Neumexiko entscheiden. Dort ist jetzt Winter, da gibt’s Gebirge und tollen Schnee. In zehn Tagen fahren wir zum Skifahren hin. Die zweitliebste Reise wäre natürlich zurück nach Deutschland, um dort mal wieder Weihnachten zu erleben. Das habe ich schon lange nicht mehr getan.

Haben Sie denn viel Verwandtschaft in Deutschland?
Ja, meine Frau und ich sind sozusagen die einzigen, die in den USA leben. Wie oft können Sie Ihre Familie treffen? Ich versuche immer Dienstreisen mit privaten Terminen zu kombinieren und reise etwa vier, fünf Mal im Jahr nach Deutschland. Da ich eine sehr große Verwandtschaft habe, ist es ein bisschen schwierig, immer alle zu sehen. Da braucht es wirklich ein Jahr, bis ich alle einmal dran hatte. Zum Schluss noch eine halbernst gemeinte Frage: Hat Ihnen schon einmal jemand gesagt, er würde Sie am liebsten auf den Mond schießen? Aber klar! Ich habe gehört, Minister Brüderle habe verkündet, dass es nicht mehr Deutschlands Ziel sei, bemannt zum Mond zu fliegen. Des Weiteren habe er dementiert, eine Liste zu besitzen, auf die er alle Menschen gesetzt hat, die er gerne zum Mond schießen würde. Da stünde ich als Astronaut natürlich auch drauf. Und stellen Sie sich vor, wie häufig ich in meinen 22,5 Jahren als Astronaut schon gefragt wurde, wie oft ich denn auf dem Mond gewesen sei.

Inga Bertz

Dieser Text stammt aus der Feder von:

Inga Bertz

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01.02.2011
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Es geht voran: Die Beschäftigtenzahlen von Wirtschaftsingenieuren wachsen seit Jahren kontinuierlich. Im Jahr 2000 zählte die Bundesagentur für Arbeit noch 144.300 sozialversicherungspflichtig Beschäftige, 2005 waren es bereits 175.800 und 2010 schließlich 224.300. 


Nicht ganz so kontinuierlich sinkend haben sich Arbeitslosenzahlen von Wirtschaftsingenieuren entwickelt. Im Jahr 2000 waren 4.400 Wirtschaftsingenieure arbeitslos gemeldet, 2003 waren es 4.500. Bis 2008 sank dieser Wert beständig und rapide auf 1.800, ehe er krisenbedingt 2010 wieder auf 2.900 kletterte.

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Foto: Armando Aguayo Rivera / Quelle: Flickr.com unter CC BY 2.0

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