INGs in der Luftfahrt

Aufschwung einer ganzen Branche: Ingenieure in der Luftfahrt starten durch

INGs in der Luftfahrt

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skeeze / Quelle:Pixabay unter CC0 Public Domain

Die Turbinen heulen laut auf. Das wuchtige Flugzeug rast schneller und schneller über die Startbahn. Schon neigt sich die Nase in die Höhe. Schließlich hebt der ganze Flieger ab und steigt steil nach oben. Kurz darauf zieht sich das Fahrwerk geschmeidig in den Flugzeugrumpf zurück. Das sind Momente, die Stefan Hermann liebt. Denn er sorgt dafür, dass sich das Flugzeug am Boden überhaupt fortbewegen und auch sicher landen kann. Der 23-Jährige entwickelt Fahrwerke.

»Ich bin Festigkeitsberechnungsingenieur im Bereich Fahrwerkssysteme«, erklärt er. Nach seinem dualen Maschinenbaustudium übernahm ihn sein Studienpartnerunternehmen Liebherr-Aerospace Lindenberg GmbH in Lindenberg im Allgäu sofort. Dass er irgendwann einmal an der Konstruktion von Flugzeugen beteiligt sein würde, wusste Hermann schon früh. »Seit Kindesalter habe ich mich schon immer für die Luftfahrt und den Modellbau interessiert «, erinnert er sich. Seine Begeisterung für Mathematik schafft die ideale Kombination für seinen Job: »Ich mache jeden Tag viele finite Elementeberechnungen für die Fahrwerksprimärstruktur und tune Modelle.«

Nicht nur Berechnungsingenieure sind im Flugzeugbau unverzichtbar.

 

»Wir suchen sehr viele junge Ingenieure. Das können Konstrukteure sein, Systemingenieure, Wirtschaftsingenieure, Ingenieure mit Richtung Galvanik«, zählt Simone Knöpfle auf.

Die Personalreferentin bei Liebherr-Aerospace in Lindenberg berichtet, dass aktuell vor allem die Produktentwicklung im Bereich Fahrwerk einen Aufschwung erlebe:

»Hier haben wir viele Neuaufträge bekommen – dementsprechend sind für die kommenden Jahre Umsatz und Abnahmen gesichert.«

Die 600 Entwickler am Standort Lindenberg reichen noch nicht aus. Nicht nur Liebherr-Aerospace braucht neue Mitarbeiter, um das riesige Auftragspensum bewältigen zu können. »Im Bereich der zivilen Luftfahrt werden Ingenieure händeringend gesucht«, weiß Tim E. Brand vom Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI). »Es gibt sehr hohe Bestellungen. Airbus liegen momentan über 4.000 Aufträge vor. Und die Kunden wollen ihre Flieger selbstverständlich schnell haben und nicht erst in fünf, sechs Jahren.« Die Zulieferindustrie komme aber auch aufgrund ihres Ingenieurmangels gar nicht nach. »Heute liefert Airbus pro Monat 36 Maschinen des Typs A320 aus. Ende 2012 sollen es 42 sein.«

Dass die Flieger reibungslos ›vom Band gehen‹ – dafür sorgt auch Heiko Minzer. Er kümmert sich um den maximalen Komfort der Passagiere. »Momentan bin ich Teamleiter in der Entwicklung von Recaro Aircraft Seating«, sagt der Maschinenbauer. »Mein Team ist für die Konstruktion von Baugruppen zuständig, die Teil der Rückenlehne und des Esstischs sind.« Für diesen Bereich der Konstruktion hat sich der 28-Jährige ganz bewusst entschieden. »Der Leichtbau ist für mich die große Herausforderung an der Luftfahrt. Konzepte und Funktionsprinzipien müssen gut durchdacht sein, um eine ›leichte‹ Basis für die Detailkonstruktion zu bieten«, meint er. »Ziel ist es, mit ›so wenig wie möglich‹ und ›so viel wie nötig‹ die Anforderungen an das jeweilige Produkt zu erfüllen.« Stefan Hermann ist stolz auf die »offene Präsenz«›seines‹ Bauteils.

»Das Fahrwerk ist eine der wichtigsten Komponenten eines Horizonte überschreiten. Raum für brillante Ideen. In unseren 29 Instituten, modernsten Laboren, Testständen und Großforschungsanlagen erleben Sie die Faszination des Entdeckens: Wir forschen an wegweisenden Neuerungen für die Welt von morgen. In den vier Bereichen Luftfahrt, Weltraum, Energie und Verkehr. Von den Grundlagen bis zur Anwendung. Wenn Sie Ingenieurwissenschaften, Physik, Informationstechnologie oder Mathematik studieren, erwarten Sie bei uns spannende Aufgaben in einem einmaligen Know-how-Netzwerk. Neugierig? Flugzeugs. Erst damit kann es ja überhaupt starten und landen«, sagt er. »Es ist schön, wenn die eigene Arbeit auch irgendwo sichtbar eingesetzt wird. Das Fahrwerk verschwindet ja nicht wie etwa ein Bauteil eines Automotors unter einer Haube.«

 

Luftfahrt: Berufschancen für Ingenieure


Sowohl Heiko Minzer als auch Stefan Hermann hätten sich für ihren Berufseinstieg keinen besseren Arbeitgeber vorstellen können. »Die Basisentwicklung bei Recaro Aircraft Seating bot mir ideale Voraussetzungen für den Einstieg als Entwickler«, erinnert sich Minzer.

»Viele Disziplinen, die an der Entwicklung von Flugzeugsitzen beteiligt sind, waren hier in einer Abteilung zusammengefasst – so konnte ich sehr schnell viel Erfahrung sammeln, da die Zeit von der ersten Idee bis zum fertigen Bauteil sehr kurz war.«

Auch Hermann ist glücklich, bei Liebherr-Aerospace nicht nur isoliert an einem Detail des Bauteils zu arbeiten. »Der Vorteil bei Liebherr ist, dass man nicht nur für ein Spezialthema zuständig ist, sondern sich ein wenig ›ausleben‹ kann«, meint er und lächelt. Und nicht allein die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Disziplinen und den unterschiedlichsten Kollegen erfordert kommunikative Fähigkeiten.

»Man darf keine Berührungsängste haben, weil bei uns die Entwickler auch schon in einem relativ frühen Stadium direkt zum Kunden kommen und Anforderungen besprechen. Deshalb benötigt man auch Verhandlungsgeschick, um den Kunden zum Beispiel von einer technischen Lösung zu überzeugen«, sagt Simone Knöpfle.



Eine weitere Anforderung stellt sich außerdem sämtlichen Mitarbeitern in diesem Industriezweig: Sie müssen sehr gewissenhaft und verantwortungsbewusst sein.

»Die Luftfahrtindustrie setzt auf Sicherheit«, gibt Hermann zu bedenken. »Alles muss doppelt abgesichert und nachgerechnet sein. Je nach Hersteller gibt es für jedes Flugzeugprogramm natürlich jede Menge Vorgaben und Anforderungen. «

Und so freut sich Stefan Hermann jedes Mal, wenn er ein Flugzeug sicher und sanft auf der Landebahn aufsetzen sieht. 

Inga Bertz

Dieser Text stammt aus der Feder von:

Inga Bertz

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21.09.2011
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Zahlen rund um Wirtschaftsingenieure

Es geht voran: Die Beschäftigtenzahlen von Wirtschaftsingenieuren wachsen seit Jahren kontinuierlich. Im Jahr 2000 zählte die Bundesagentur für Arbeit noch 144.300 sozialversicherungspflichtig Beschäftige, 2005 waren es bereits 175.800 und 2010 schließlich 224.300. 


Nicht ganz so kontinuierlich sinkend haben sich Arbeitslosenzahlen von Wirtschaftsingenieuren entwickelt. Im Jahr 2000 waren 4.400 Wirtschaftsingenieure arbeitslos gemeldet, 2003 waren es 4.500. Bis 2008 sank dieser Wert beständig und rapide auf 1.800, ehe er krisenbedingt 2010 wieder auf 2.900 kletterte.

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Foto: Armando Aguayo Rivera / Quelle: Flickr.com unter CC BY 2.0

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