Ingenieurberufe: Was macht eigentlich ein Ingenieur?

Die Arbeitswelt ist in den letzten Jahren dynamischer geworden, schneller, aber auch flexibler. Besonders für Ingenieure: Arbeitgeber empfangen sie mit offenen Armen, während sie gleichzeitig die Ellbogen ein klein wenig ausfahren, um die Besten für sich gewinnen zu können.

Und was bedeutet das für dich als angehender Ingenieur?
Entspannt das Studium absolvieren mit der Gewissheit: Du wirst gebraucht, denn schließlich ist dein Wissen rares Gut beziehungsweise sind »Ingenieure der Motor des Aufschwungs«, wie Dr. Ina Kayser vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) es ausdrückt. Um es kurz zu machen: ohne Ingenieure keine rund laufende Wirtschaft.

Damit du dir einen Überblick verschaffen kannst, was es bedeutet Ingenieur zu sein, haben wir dir Infos zu folgenden Berufsfeldern für Ingenieure vorbereitet. Inklusive Berufsbildern, Stellenangeboten, Einstiegsgehältern und allen Infos, die dir bei der Entscheidung helfen.

Arbeitsmarkt für Ingenieure

Maren Peters, Leiterin des Personalmarketings bei Volkswagen: »Besonders gute Chancen haben bei uns derzeit Ingenieure mit Spezialkenntnissen in Leichtbau und Strömungslehre. Auch Themen wie Mobile Online-Dienste und Elektrochemie bieten gute Aussichten. In erster Linie sollte sich die Wahl des Vertiefungsgebiets aber nach dem individuellen Interesse richten. Nur das ist eine gute Grundlage für exzellente Leistungen und entsprechende Abschlussnoten.«

Elke Engelbach, Talent Supply Manager Product Supply Germany, Procter & Gamble Deutschland: »Um zukünftige Führungskräfte auszubilden, bietet P&G im Bereich der Ingenieurswissenschaften anspruchsvolle Ingenieur-Positionen für Ingenieure aus den Bereichen Elektrotechnik und Maschinenbau.

Diese Voraussetzungen sind wichtig, um an unseren deutschen Standorten Aufgabenschwerpunkte wie zum Beispiel  Analyse und Entwicklung von Produktionsprozessen,  Entwicklung, Implementierung oder Verbesserung von Produktionsmaschinen/-anlagen,  Durchführung von Produkt- und Anlagentests und  Planung, Kalkulation und Umsetzung von technischen Projekten durchzuführen.«

Dario Schuler, Leiter Personalmarketing und Rekrutierung, Rohde & Schwarz GmbH & Co. KG: »Mehr als eine bestimmte Studienrichtung zählt, dass ein Absolvent die richtigen Kompetenzen mitbringt, um zu den Herausforderungen in unseren Arbeitsbereichen beizutragen. Neben Elektrotechnik wird die Fachrichtung Informatik für uns immer bedeutender.«

Vera Winter, Leiterin Personalmarketing Deutschland, Robert Bosch GmbH: »Wir sehen künftig einen höheren Bedarf an Absolventen, die sich im Studium mit der Vernetzung verschiedener Fachdisziplinen befasst haben. Also Absolventen von IT-Studiengängen, IT-nahe Fachrichtungen oder der Elektrotechnik. Die Vernetzung durch das Internet der Dinge und Dienste spielt eine immer stärkere Rolle in den Produkten und Lösungen von Bosch, weshalb zum Beispiel Tätigkeitsfelder für Ingenieure zunehmend auch fachübergreifendes Wissen erfordern.«

Monica Wertheim, verantwortlich im Center of Competence für Global Employer Brand und Strategic Recruiting, E.on SE: »Da E.on mit seinen Geschäftsfeldern die gesamte Energie-Wertschöpfungskette abdeckt, benötigen wir Spezialisten aus vielen Fachbereichen, wie etwa  Chemie/Chemieingenieurwesen, Elektrotechnik, Energietechnik, Maschinenbau und Verfahrenstechnik. Ein Schwerpunkt bleiben zwar die erneuerbaren Energien, aber auch die Modernisierung und der Ausbau bestehender Kraftwerke, der Anlagen-Rückbau sowie neue Bereiche wie die Dezentrale Energieerzeugung sind wichtige Tätigkeitsbereiche für Ingenieure bei E.on.«

Michael Groß, Leiter Personalmarketing,
Audi AG:
»Um uns heute für morgen zu rüsten und wettbewerbsfähig zu bleiben, suchen wir qualifizierte Ingenieure mit einem hohen Grad an Spezialisierung und Erfahrung in unseren Innovationsfeldern. Dazu gehören Elektromobilität und alternative Antriebskonzepte im Allgemeinen, Leichtbautechnologie, Audi connect mit Vernetzungs- und Elektroniktechnologien und auch die Fertigungs- und Methodenplanung. Dabei muss das Gesamtpaket eines Bewerbers stimmen: Neben fachlichen Kenntnissen zählen soziale Stärken, die Begeisterung für Audi und natürlich der ›Vorsprung durch Technik‹.«

Ralf Hilscher, Leiter Personalmarketing & Programme, Allianz Deutschland AG: »Auf das Expertenwissen von Ingenieuren sind wir angewiesen, wenn es um die Verhandlung von individuellen Vertragsangeboten für Firmenkunden im Bereich der Sachversicherung geht. Diese Aufgabe übernehmen Underwriter. Sie beurteilen und bewerten beispielsweise, welche technischen Risiken bei der Versicherung von Lagerhallen bis hin zu großindustriellen Maschinenparks bestehen können.

Gemeinsam mit dem Vertrieb und den Mathematiker-Kollegen aus den Abteilungen Aktuariat und Produktentwicklung erarbeiten sie dann komplexe Vertragskonzepte. Wir suchen daher Ingenieure, die sich entweder mit Spezialthemen wie Brandschutz tiefgehend auseinandergesetzt haben oder neben den ingenieurwissenschaftlichen Kenntnissen auch ein Verständnis für unternehmerische Prozesse haben und daher sehr gut an Schnittstellenpositionen wirken. Diese Eigenschaft bringen häufig Wirtschaftsingenieure schon aus Studium und Praktika mit.«

Master oder Bachelor als Ingenieur?

Ob für die jeweiligen Jobs der Bachelor reicht oder ob ein Master die Voraussetzung darstellt, ist nicht nur vom Unternehmen abhängig, sondern auch von den persönlichen Zielen und Interessen der Absolventen sowie von der Branche und der Region. Während unter anderem für Beratungstätigkeiten sowohl Bachelor- als auch Masterabsolventen einsetzbar sind, werden in der Forschung und Entwicklung Masterabsolventen bevorzugt. 

Dagegen finden sich im Vertrieb, in der Kundenakquise und in der Produktion viele Ingenieure mit Bachelorabschluss. In welchem Bereich jeder einzelne Ingenieur landet, hängt neben den verlangten Kenntnissen zudem von den individuellen Kompetenzen ab. Wer seine Interessen einschätzen und mit den Stellenausschreibungen abgleichen kann, hat beste Chancen, den passenden Job zu finden.

 

Innovationsdruck bei den Unternehmen

Natürlich verlangen auch die Unternehmen einiges, das aber aus gutem Grund: »Man muss sich vor Augen führen, dass sie unter einem hohen Innovationsdruck stehen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Globalisierung und der Trend zur Wissens- und Innovationsgesellschaft führen dazu, dass Wissen immer schneller veraltet, die Innovationszyklen kürzer werden und auch die Kundenansprüche angesichts weltweiter Konkurrenz steigen«, erläutert Silke Eilers, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Beschäftigung und Employability (IBE).

Dies sei nur mit Mitarbeitern zu bewältigen, die in der Lage sind, diese rasante Veränderungsgeschwindigkeit und Komplexität mitzugehen, die immer wieder an sich und ihren Kompetenzen zu arbeiten bereit sind. Das heißt, flexibel sollten sie sein, die Neuen, und ein hohes Maß an Veränderungsbereitschaft mitbringen.

Work-Life-Balance von Ingenieuren

Viele Einsteiger sind bereit, dies zu geben. Aber nicht ohne dafür auch etwas zu bekommen: »Arbeitgeber tun gut daran, eine Balance herzustellen zwischen dem durchaus erforderlichen Maß an Flexibilität und Geschwindigkeit einerseits und Stabilität sowie Verlässlichkeit, die die Mitarbeiter brauchen, andererseits«, sagt Eilers.

Malochen bis der Arzt kommt mag zwar mit Blick auf Burnout-Betroffene nichts Ungewöhnliches sein, aber bei vielen Absolventen herrscht das Bewusstsein vor, es nicht soweit kommen zu lassen. Weswegen sie auch ihre Arbeitgeber in die Pflicht nehmen: »Attraktive Arbeitgeber werden auch daran gemessen, inwieweit sich die Vereinigung von Beruf und Familie gestaltet  oder ob die Möglichkeit eines Sabbaticals besteht. »Umfragen zeigen deutlich, dass die jüngeren Arbeitgeber immer weniger Wert auf Status und Prestige legen und stattdessen lieber flexibel leben und arbeiten«, so die 40-jährige wissenschaftliche Mitarbeiterin am IBE.

Eine Tätigkeit, in der sie Sinn sehen, die ihnen Spaß macht und die Perspektiven bietet. Das wünschen sich Berufseinsteiger. Sie wollen Freiräume, um selbstbestimmt und flexibel zu arbeiten. Sind sie sich doch sehr bewusst, dass eine Berufsausbildung nicht mehr für ein Leben trägt. Als beständig und kontinuierlich wird sich nur eines darstellen: die ständige Weiterentwicklung. Aber dafür Karriere um jeden Preis? Weit gefehlt! Leistungsbereitschaft, ja, aber das innerhalb gewisser Grenzen und bestimmt nicht bedingungslos. Schließlich soll noch Zeit für Privates, fürs Entschleunigen übrigbleiben: »Auch den Jüngeren ist sehr bewusst, dass sie 45 bis 50 Jahre im Berufsleben bleiben werden. Das ist nicht durchzuhalten, wenn nicht ein gesundes Maß an Be- und Entlastung gefunden wird«, sagt Eilers.

Verkehrt sich dieses gesunde Maß ins Gegenteil, kann dies für den Arbeitgeber Folgen haben:

»Die heutigen Berufseinsteiger sind mit einer Vielzahl an Wahlmöglichkeiten aufgewachsen, weshalb sie hohe Ansprüche an sich und an ihr Arbeitsumfeld stellen. Die Knappheit an Fachkräften in bestimmten Branchen trägt dazu bei, dass die Toleranzschwelle sinkt, sich einen neuen Arbeitgeber zu suchen, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden«, betont die 40-Jährige.

Um die Erwartungen beider Seiten zu erfüllen, braucht es an sich nicht viel: Wer viel gibt, sollte viel bekommen. Und umgekehrt. Eigentlich ganz einfach, diese Arbeitswelt. Ingenieuren stehen die besten Alternativen offen.

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Foto: Armando Aguayo Rivera / Quelle: <a href="http://www.flickr.com/" target=_blank>Flickr.com</a> unter CC BY 2.0

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