ein grünes Auto, das im Vordergrund in klein nochmal abgebildet ist
Ingenieure bei Automobilzulieferern Sabine Moosmann/Quelle: pixelio.de

Automobilzulieferer: Innovationen und Vielfältigkeit

Unscheinbar? Von wegen! Automobilzulieferer sind mehr als nur die ›kleinen Geschwister‹ der Automobilindustrie und können in Sachen Innovation und Vielfältigkeit locker mithalten. Karrierechancen für Ingenieure gibt's obendrein!

Ihre Arbeit ist nicht direkt sichtbar und doch so wichtig in der Automobilindustrie. Die Rede ist von Zulieferern. Dieser Industriezweig ist ein großes Standbein der Branche und arbeitet eng mit den ›Original-Equipment-Manufacturer‹ (OEM), also den Erstausrüstern, zusammen. Ein großer Teil der Wertschöpfung geschieht schon beim Lieferanten. Viele Zulieferer bieten Komplettlösungen und werden auch Systemlieferanten genannt. Ein breites Produktspektrum im Automobilbereich kann beispielsweise Schaeffler vorweisen. Daniel Wolf ist Projektleiter im Bereich Motorsysteme bei dem fränkischen Unternehmen und zuständig für die technische, terminliche und finanzielle Koordination von Projekten sowie die direkte Abstimmung mit den Kunden. Der 28-Jährige hat im Rahmen eines Dualen Studiums Maschinenbau an der Hochschule Nürnberg studiert und gleichzeitig eine Ausbildung zum Industriemechaniker bei Schaeffler absolviert.

Projektleiter beim Automobilzulieferer Schaeffler

Als Projektleiter ist er inzwischen in verschiedene Bereiche eingebunden.

»Die Aufgaben richten sich aber immer nach den Hauptpunkten Zielerreichung, Kosten und Zeitschiene. Darunter fallen zum Beispiel technische Entscheidungen, die zeitliche Planung und Abstimmung der Termine mit dem Kunden, aber auch die Planung von Ressourcen, um die Arbeitspakete in der gegebenen Zeit abgearbeitet zu bekommen«, beschreibt er sein Tätigkeitsfeld.

Im Bereich Motorsysteme beschäftigt er sich im Speziellen mit dem vollvariablen Ventiltriebsystem ›UniAir‹, bei dem Schaeffler als ganzheitliches System neben der Hardware auch die entsprechende Software und Kalibrierung liefert. Die »abwechslungsreichen Aufgaben, den direkten Kontakt zum Kunden, die Möglichkeit, öfters eine Dienstreise zu machen und etwas von der Welt zu sehen« gefallen ihm an seinem Beruf am besten. Allerdings gibt es in jedem Projekt mal Phasen, die weniger gut laufen. Kann ein Liefertermin nicht eingehalten werden, steigt der Betreuungsaufwand beim Kunden. »Aber auch intern«, erklärt Wolf, »muss man darauf schauen, dass alles weiter läuft. Der Projektleiter heißt inoffiziell auch ›der Kümmerer‹, weil er sich um alles kümmern muss. Das kann bisweilen anstrengend sein.« Hat man dann aber eine für alle akzeptable Lösung erzielt und der Kunde ist zufrieden, entschädigt das auch wiederum für die Mühe.

Ein solcher ›Kümmerer‹ sollte natürlich gewisse Voraussetzungen mitbringen, darunter technisches Verständnis, Führungsstärke, Verantwortungsbewusstsein und Kommunikationsfähigkeit.

»Zudem sollte ein Projektleiter Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden können, da man im Alltag mit einer Vielzahl von Aufgaben konfrontiert ist«, ergänzt Wolf.

Eine Herausforderung sieht er außerdem in dem Spannungsfeld aus Kundenanforderungen und Managementvorgaben, die beide erfüllt werden müssen – sicher kein einfacher Job. »Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es wichtig ist zu wissen, wofür mein Job gut ist und welchen Nutzen er bringt. Konkret heißt das für mich: Wenn jemand ein Produkt entwickelt, das ein Automobilhersteller in seinen Fahrzeugen verbaut, sollte man unbedingt auch die Nähe zum Endprodukt haben. Nur so erfährt man, dass die eigene Arbeit dazu beiträgt, wie und welche Autos auf unseren Straßen fahren. Zu wissen, dass man ein Teil eines großen Ganzen ist, ist wichtig, um sich stets für seinen Job begeistern zu können«, betont er. Für Wolf jedenfalls besteht kein Zweifel, dass er im Automobilbereich bleiben möchte. Durch die vielen Innovationen, nicht zuletzt auch durch den Trend zu alternativen Antrieben, verändern sich die Anforderungen an die Motorentwicklung und machen seinen Beruf interessant.
 

Kunststofftechniker beim Automobilzulieferer Faurecia

Ökologische Maßnahmen in der Automobilindustrie stellen aber nicht nur klassische Maschinenbauer vor neue Aufgaben, sondern unter anderem auch die Kunststofftechniker. Vor allem durch die geforderten CO2-Einsparungen und die damit verbundene Leichtbauphilosophie der Hersteller kommen immer mehr neue Materialien und Materialkombinationen zum Einsatz. Klassische Verbindungstechnologien wie zum Beispiel Schweißen können dabei nicht mehr verwendet werden. »Schon heutzutage wird so viel im Fahrzeug geklebt wie noch nie. Ich denke, dass das Thema Kleben in Zukunft eine noch zentralere Rolle einnehmen wird«, prognostiziert Anne Plessing. Die 28-Jährige ist Technical Specialist Innovation beim Automobilzulieferer Faurecia.

»Faurecia hat vier Geschäftsbereiche: Autositzsysteme, Technologien zur Emissionskontrolle, Innenraumsysteme und Automotive Exteriors. Ich bin in der Exteriorsparte tätig. Wir produzieren zum einen lackierte Kunststoffteile im Außenbereich, hauptsächlich Stoßfängersysteme und Schwellerbeplankungen. Zum anderen liefern wir auch Frontends inklusive Motorkühlsystemen«, beschreibt Plessing.

Nach ihrem Diplom in Werkstoff- und Oberflächentechnik an der Hochschule Hof hatte sie die Möglichkeit, in der Vorentwicklung in den Bereich der Verbindungstechnik einzusteigen. Zu ihren Aufgaben gehört zum einen, Lösungen für aktuelle Projekte zu suchen, um die beste Möglichkeit der Verbindung für die entsprechenden Bauteile zu finden. Zum anderen hält sie ständig Ausschau nach neuen Technologien, um prozesssichere und kostengünstige Verbindungen zu realisieren. »Außerdem bin ich auch bei aktuellen Serienthemen unterstützend und beratend tätig, um Fehlerquellen im Vorfeld auszuschließen und einen sicheren Prozess von Anfang an zu gewährleisten«, beschreibt Plessing.

Das Erstellen von Planungen und Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen gehört genauso zu ihrem Arbeitstag wie die Organisation von Versuchen und das Auswerten von Testergebnissen. »Für die Durchführung von Versuchsreihen zur Bewertung von neuen Technologien stehe ich auch schon mal selbst im Labor, denn jedes noch so kleine Detail kann einen Einfluss auf das Ergebnis haben«, erklärt sie. Die Arbeit an Vorentwicklungsprojekten gefällt ihr besonders, da sie an Bauteilen und Lösungen arbeiten kann, die später in Fahrzeugen verbaut und umgesetzt werden. »Das Tollste ist, wenn man das entsprechende Fahrzeug dann auf der Straße vorbeifahren sieht«, erzählt Plessing begeistert.
 

Ingenieurdienstleister in der Automobilindustrie

Genauso wichtig, aber ebenso unbeachtet von der Öffentlichkeit wie die Zulieferer, sind Ingenieurdienstleister für die Automobilindustrie. Ursprünglich dazu gedacht, Auftragsspitzen abzufangen, sind Engineering-Dienstleistungen inzwischen fester Bestandteil der Projekte vieler Automobilhersteller und -zulieferer. Timo Kehrig ist Teammanager mit operativer Tätigkeit bei inform, einem Engineering-Dienstleister, der seine Kunden strategisch und operativ entlang der gesamten Wertschöpfungskette begleitet.

Der 28-Jährige ist Teammanager für das HiL-Team (Hardware-in-the-Loop) und HiL-Tester für Motor-, Getriebe- und Hybridthemen. »Ich arbeite im Bereich des Software-Testing an vernetzten Hardware-in-the-Loop-Prüfständen. Diese Prüfstände bilden mit realen Steuergeräten und Komponenten, zusammen mit Simulationsmodellen weiterer Komponenten und des gesamten Umfelds, Fahrzeuge nahezu vollständig nach. Hierbei teste ich die Funktionen StartStopp, Hybrid-Rekuperation und Teile des Energiemanagements plattformübergreifend«, berichtet der Diplom-Ingenieur der Mechatronik.

Als Teammanager arbeitet er aber auch neue Kollegen ein und steht bei fachlichen Fragen zur Verfügung. Herausfordernd an seinem Job ist vor allem die wachsende Komplexität der Autos und die Folge, dass man dadurch zahlreiche Komponenten, Funktionen und Technologien kennen muss. Besonders an vernetzten Prüfständen ist es nötig, über den Tellerrand hinaus zu blicken, um Zusammenhänge und Querwirkungen berücksichtigen zu können. »Fachlich sind natürlich Grundkenntnisse der Automobiltechnik, Elektrotechnik und Informatik gefragt, damit man vielfältig einsetzbar ist und schnell in neue Themen einsteigen kann«, erklärt Kehrig weiter. Genau darin liegt für ihn aber auch der Reiz an seinem Job.

Mit Autos und Technik hat er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht und ihm macht es besonders Freude, sein Team zu motivieren und es mit seiner Begeisterung für die Branche anzustecken. 


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