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Autopapst Ferdinand Dudenhöffer im Interview

Der Experte spricht über die Zeitenwende in der Automobilbranche: Elektrofahrzeuge, autonomes Fahren und Sharing Economy sind die Zukunft

Herr Dudenhöffer, welche Entwicklungen lassen sich aktuell in der Automobilbranche beobachten?

Wir stehen vor einer Entwicklung, die die Automobilbranche neu gestalten wird. Es wird die größte Änderung der Branche seit das Auto auf der Straße ist. Es lassen sich drei Entwicklungen gleichzeitig beobachten. Erstens wird der Verbrennungsmotor abgelöst: Das Elektroauto macht seinen Weg und wird damit die Branche umkrempeln, denn heute liegen große Wertanteile des Fahrzeugs im Motor und dem klassischen Getriebe. Das wird sich stark ändern. Der zweite Punkt: Wir sind auf dem Weg zum Roboterauto. So können wir mit dem Auto sicher und bequem unterwegs sein. Der Mensch ist bislang das größte Problem beim Auto. Pro Jahr gibt es mehr als 1,3 Millionen tödliche Unfälle im Straßenverkehr. Durch vollautomatisiertes Fahren können wir diese Zahl fast auf null reduzieren. Die dritte große Veränderung kann man mit ›Sharing Economy‹ beschreiben. Heute sind Fahrzeuge in der Regel noch in Privatbesitz, werden von einer oder zwei Personen genutzt und manchmal nur eine halbe Stunde am Tag bewegt. Dies wird sich ändern – Stichwort Fahrvermittlungsdienste wie Uber. Morgen wird die Nutzung des Autos im Mittelpunkt stehen und wir werden viele Formen sehen, die das heutige Besitzmodell zu großen Teilen ersetzen werden.

Welche Herausforderungen sind hiermit verbunden?

Wenn wir uns die Premiumhersteller anschauen, stehen diese vor einer großen Herausforderung, denn ein Großteil der Emotionen wird durch das Fahrerlebnis, das Lenken an sich, vermittelt. Das wird sich durch automatisiertes Fahren ändern. Das heißt, die Hersteller müssen sich etwas neues überlegen, denn das Lenkrad wird durch den Roboter ersetzt. Auch die Sharing Community ist eine große Herausforderung, denn Autobauer, die nur Autos bauen, werden dann lediglich zu Zulieferern.

Wie schätzen Sie die Einstiegsmöglichkeiten für Ingenieurabsolventen ein?

Diese Herausforderungen und Entwicklungen werden die Branche nachhaltig verändern. Dafür brauchen wir jede Menge talentierte junge Leute bei Autobauern und Zulieferern, die diesen Durchbruch in die Zukunft gestalten. Daher sehe ich für Ingenieurabsolventen riesige Möglichkeiten.

Wie haben sich die Anforderungen für Absolventen verändert?

Der klassische Maschinenbau, der Motoren und Getriebe entwickelt, wird mit der Zeit immer mehr an Bedeutung verlieren. Alles, was mit IT und Steuerung zu tun hat, ist das große Hypethema in der Automobilindustrie. Denn für automatisiertes Fahren brauchen wir Software. Neben der Software brauchen wir auch Infrastrukturen wie beispielsweise Kartendienste, die dem Fahrzeug sagen, wo es gerade steht. Die Verknüpfung von Daten wird für die Autoindustrie immer wichtiger – das wird zur Kerndisziplin.

Welche Studiengänge empfehlen sich hierfür?

Es geht darum, die Informatik und den Maschinenbau zu verknüpfen. Hier lohnt sich ein Mecha­tronikstudium. Wer sich für diese Themen interessiert und in die Automobilbranche möchte, sollte eine Kombination aus Auto und IT studieren. Dann sind die Voraussetzungen gut.

Welchen Rat können Sie Ingenieurabsolventen, die in der Automobilbranche einsteigen möchten, geben?

Gut ist, wenn man das Auto versteht und mag. Eine gewisse Grundbegeisterung für Mobilität sollte vorhanden sein. Diejenigen, die sich für die Automobilindustrie interessieren, sollten sich frühzeitig mit der Branche vertraut machen: durch Geschäftsberichte, Praktika und Werkstudententätigkeiten. Wer das macht, hat einen guten Link zu dem theoretischen Wissen, was in der Uni vermittelt wird und zu dem, was in der Industrie gebraucht wird und wie es umzusetzen ist.

Ferdinad Dudenhöffer ist Inhaber des Lehrstuhls für Automobilwirtschaftan der Universität Duisburg-Essen.
Zuvor war er bei verschiedenen Autobauern tätig. Im September erschien sein neues Buch ›Wer kriegt die Kurve? Zeitenwende in der Autoindustrie‹ im Campus Verlag.


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