beleuchtete Stadt bei Nacht mit Straße
Foto: pixabay

Car-IT im Check

Wo steht Deutschland in Sachen Car-IT? Vom Stand der Entwicklung bis zur Zukunft des Autofahrens

Das Auto der Zukunft: Es verfügt über zahlreiche Infotainment- sowie Assistenzsysteme und ist permanent mit der Verkehrsinfrastruktur sowie anderen Fahrzeugen vernetzt. So profitieren Verkehrsteilnehmer von mehr Sicherheit, Komfort und Effizienz. Dazu braucht es eine Vielzahl an IT-Bausteinen, die neue Funktionen und Software in die Fahrzeuge integrieren: Car-IT. »Neben Software und Funktionen für die Elektrifizierung und Automatisierung ist vor allem die Vernetzung innerhalb eines Fahrzeugs und mit seiner Umwelt (Clouds, Car-to-Car- und Car-to-X-Kommunikation) ein wichtiger Bereich der Car-IT«, weiß Sven Kappel, Direktor Produktmanagement Connected Services bei Robert Bosch. Durch immer leistungsstärkere Rechner würden zudem vermehrt neue Funktionen und Technologien aus der klassischen IT, wie beispielsweise Künstliche Intelligenz, auch für Fahrzeuge entwickelt und auf die Straße gebracht.

Schon heute gibt es einige solcher Car-IT-Lösungen: »Aktuell ist es sehr populär, sein Fahrzeug über eine Smartphone-App oder eine Web-Plattform zu konfigurieren. Beispielsweise Navigationsdaten schon vor dem Einsteigen an das Fahrzeug zu übermitteln oder die Standheizung des Fahrzeugs vorab einzustellen – egal, wo sich der Fahrer gerade befindet«, sagt Živorad Krstić, Abteilungsleiter Software Development bei Gigatronik. Darüber hinaus gibt es Car-IT-Ansätze, die das Fahren mittels Cloud sicherer, sparsamer und bequemer machen. Ein Beispiel ist ›eHorizon‹ von Continental. Die Big-Data-Anwendung in der Cloud vereint topografische und digitale Kartendaten mit Sensordaten und kann Fahrzeugsysteme vorausschauend steuern. Somit ist das Auto in der Lage, um die nächste Kurve zu schauen und erkennt wechselnde Tempolimits, Bau- und Unfallstellen sowie Glatteis.

Car-IT birgt ein unfassbar großes Potenzial

Die Chancen, die Car-IT-Innovationen mit sich bringen, lägen auf der Hand, glaubt Sajjad Khan, Vice President Digital Vehicle & Mobility bei Daimler: kürzere Entwicklungszyklen, die Möglichkeit von Over-the-Air-Updates sowie neue Dienste und Features selbst für Bestandsfahrzeuge, die sich schon in Kundenhand befinden. Vernetzte und digitale Systeme bringen aber auch Risiken mit sich: Sie sind potenzielle Ziele für Hackerangriffe. Ein weiteres Risiko sieht Alexander Klotz, Leiter Vorentwicklung, Interior Systems & Technologies bei Continental, in der Funktionsvielfalt im Cockpit: die Ablenkung während des Fahrens. »Um diesen Risiken vorzubeugen, werden von der Automobilindustrie sowohl für Cyber-Sicherheit als auch intuitive Bedienung Strategien und Maßnahmen entwickelt«, weiß der Experte von Continental.

Bis 2020 sollen laut Angaben des Marktforschungsunternehmens Gartner 250 Millionen Connected Cars weltweit auf den Straßen sein, die sowohl untereinander als auch mit der Infrastruktur kommunizieren können. Wir dürfen uns also auf eine Zeit freuen, in der unsere Autos höchst intelligent sind und den Straßenverkehr – etwa mit Informationen rund um Gefahrenstellen, Staus oder Fahrbahnbeschaffenheiten – sicherer denn je machen.


Praxis-Check Car-IT

Vernetzte Fahrzeuge erobern die Straßen. Wir haben zwei Softwareentwicklern über die Schulter geschaut

  • Georg Hofstetter ist Teamleiter in der Softwareentwicklung des Geschäftsfelds Hoch­integrationsplattformen bei EFS – Elektronische Fahrwerksysteme.

So sieht der Arbeitsalltag aus: Wir konzipieren Softwarelösungen für Steuergeräte, bauen Prototypen, um die Machbarkeit zu beweisen, und implementieren diese. Gespräche mit den Kollegen, ob der angestrebte Lösungsweg der Richtige ist, sind dabei äußerst wichtig, denn jeder bringt durch seinen eigenen Erfahrungsschatz andere Sichtweisen auf Problemstellungen mit.

Challenge: Die richtige Balance zwischen Abstimmung, Implementierung und Unterstützung im Team zu finden, ist meines Erachtens eine der großen Herausforderungen. Denn so wichtig der Informationsaustausch auch ist, jeder Softwareentwickler braucht Zeit, sich hinzusetzen, das Geplante zu programmieren und umzusetzen.

Der ideale Bewerber soll … ein Mensch sein, mit dem seine Kollegen acht Stunden am Tag gerne zusammenarbeiten. Zudem sollte er sich sowohl privat als auch im Arbeitsleben für Technik begeistern und bereit sein, etwas Neues zu lernen. Gerade bei uns in der EFS ist das wichtig, da wir Projekte bearbeiten, die erst in ein paar Jahren auf den Markt kommen. Letztendlich sollte er die Technik – bei uns meist eine Mischung aus Softwareentwicklung und Elektrotechnik – beherrschen, oder sich zumindest schnell einarbeiten können.

 

  • Markus Mayer ist E/E-Software-Entwickler der Dr. Schneider Unternehmensgruppe.

Herr Mayer, an welchem Projekt arbeiten Sie derzeit? Wir sind gerade am Aufbau von Demonstratoren, um unseren Kunden das neue Kompetenzfeld der Dr. Schneider Unternehmensgruppe – Elektrik und Elektronik – zu präsentieren. Daneben zählen Kundenanfragen zu vernetzten Steuergeräten und die Einführung eines Automotive SPICE (Software Process Improvement and Capability Determination) konformen Software-Prozesses zu unseren aktuellen Projekten. Außerdem entwerfen und entwickeln wir eine eigene skalierbare Softwarearchitektur.

Ihr Tipp für Studierende, die sich für Softwareentwicklung im Car-IT-Bereich interessieren: Gleich entsprechende Kurse wie Software-Design, Software-Prozess und Software-Qualität an der Hochschule belegen und Praktika absolvieren. Denn die Automobilindustrie deckt ein weites Feld der Softwareentwicklung ab – vom kleinen, vernetzten Touch-Controller bis zur kompletten Fahrzeuganbindung an das globale Internet. Weitere Innovationsschübe – Stichworte autonomes Fahren und Vernetzung – sorgen auch künftig für sichere und zukunftsorientierte Arbeitsplätze in der Hochtechnologie. Ich kann Studierenden nur empfehlen, diesen Zweig einzuschlagen.


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