Automotive mit verschiedenen Verbindungen dargestellt
Elektromobilität: das Auto der Zukunft © redkoala / Fotolia

Elektromobilität auf dem Vormarsch

Die Zukunft wird elektrisch: Ingenieure haben die Chance, die Antriebe von Morgen mitzugestalten

Sie werden alltagstauglich – da ist sich Dr. Roland Krüger ganz sicher. Der Entwicklungsleiter für elektrische Antriebsstränge bei Ford ist überzeugt, dass rein batteriebetriebene Elektrofahrzeuge bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts ganz unkompliziert die Strecke von Köln nach München zurücklegen werden. Bis es so weit ist, sind jedoch noch einige Herausforderungen zu meistern. Die gute Nachricht: Für diese Herausforderungen braucht die Automobilindustrie jede Menge gut ausgebildete Nachwuchskräfte – die Jobaussichten für Ingenieure sind somit rosig.

E-mobility sucht kreative Ingenieure

Absolventen sollten beachten, dass die Entwicklung immer mehr in Richtung Elektronik, Elektrik und Software geht.

Das heißt aber nicht, dass zukünftig keine klassischen Maschinenbauer mehr gebraucht werden, »denn all die Sensorik und Steuerungsgeräte müssen ja im Auto irgendwo untergebracht werden und die klassische Konstruktion wird bleiben wie sie ist«, prophezeit Krüger.

Dennoch sei es von Vorteil, Grundkenntnisse im Bereich Elektronik und Software mitzubringen, fügt der Experte hinzu. Dr. Bernd Eckardt, Abteilungsleiter Fahrzeugelektronik am Fraunhofer-Institut für Integrierte Systeme und Bauelementtechnologie (IISB), sieht Maschinenbau, Elektrotechnik, Mechatronik sowie Energie- und Fahrzeugtechnik als gute Ausgangslage für eine Tätigkeit im Bereich Elektromobilität. Außerdem dürfen selbstverständlich Soft Skills wie Teamfähigkeit, Kreativität und die Bereitschaft, sich mit neuen Technologien auseinanderzusetzen, nicht fehlen. Mit dieser Mischung haben Absolventen gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt – sowohl in Wissenschaft und Forschung, bei Automobilzulieferern und Dienstleistern sowie bei den Fahrzeugherstellern selbst. Hierbei reichen die Aufgaben, die häufig sehr interdisziplinär sind, von der Komponentenentwicklung über Integrationskonzepte bis hin zu Lebensdauer- und Zuverlässigkeitsbetrachtungen, so Eckardt.

Großer Wandel in der Automobilbranche

Ralph Merget ist seit 2014 im Familienunternehmen Heraeus tätig. Als Vice President Sales & Marketing Materials Systems Program bei Heraeus Electronics in Hanau weiß er, dass kaum ein Markt einem so radikalen Wandel unterliegt wie die Automobilbranche unterliegt.

»Überall auf der Welt steigt der Bedarf an umweltgerechten Verkehrskonzepten: Aktuell werden jährlich 86,3 Millionen Pkws verkauft, 2,7 Millionen davon sind Elektro- und Hybridfahrzeuge. 2020 reden wir von 112,7 Millionen verkauften Autos, davon 6,6 Millionen Elektro- und Hybridfahrzeuge«, so Merget.

Noch könne niemand verbindlich sagen, welche Technologien sich am Ende durchsetzen. »Wir müssen uns auf alle Eventualitäten einstellen – bei Heraeus sind wir mit unserem Forschungs- und Entwicklungszentrum für Leistungselektronik sicherlich gut gewappnet«, ist der 48-Jährige überzeugt.

DRIVE-E: Elektromobilität auf Nachwuchssuche

Rein batteriebetriebene Fahrzeuge bieten bereits Vorteile, sind im Moment jedoch noch mit Maximalreichweiten von 150 bis 200 Kilometern eher für den städtischen Bereich sinnvoll.

»Das Elektroauto ist besonders für Kunden, die aus Umweltschutzgründen oder aufgrund innerstädtischer Restriktionen auf ein Verbrenner- oder Hybridfahrzeug verzichten möchten, gut geeignet«, betont Krüger von Ford.

Dass Elektromobilität einen immer größeren Stellenwert besitzt, lässt sich durchaus beobachten. Ford beispielsweise setzt Elektrifizierung als eine von sieben Hauptprioritäten in der globalen Strategie fest. Das Konzept ›DRIVE-E‹ trägt diesen Entwicklungen ebenso Rechnung: Das Nachwuchsförderprogramm für Elektromobilität des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sowie der Fraunhofer-Gesellschaft verleiht zum einen den DRIVE-E-Studienpreis für hervorragende studentische Arbeiten zum Thema Elektromobilität und veranstaltet zum anderen die einwöchige DRIVE-E-Akademie, die ausgewählten Studierenden einen Einblick in Theorie und Praxis der Elektromobilität gibt. Besonders viel Wert ist hierbei die Möglichkeit zum Netzwerken mit Experten aus ganz Deutschland – so lassen sich schon erste Kontakte für den späteren Berufseinstieg knüpfen.

Es gibt noch viel Handlungsbedarf

Wer dann den Einstieg gemeistert hat, hat die Chance an den Antriebskonzepten von morgen mitzuwirken. Für Dr. Roland Krüger von Ford eine der spannendsten Aufgaben, die er sich vorstellen kann. Zentrale Themen, um Elektrofahrzeuge zukünftig in der Breite gegen konventionelle Fahrzeuge durchzusetzen, seien die Senkung der Kosten bei gleichzeitiger Steigerung der Reichweite sowie Reduzierung der Ladezeit, so Eckardt vom IISB. Es gilt aber auch strukturelle Herausforderungen zu meistern: So müsse die Lade-Infrastruktur ausgebaut werden, damit E-Autos deutschlandweit flächendeckend geladen werden können, betont Krüger. Und zuletzt müsse noch die Akzeptanz in der Bevölkerung gesteigert werden. Der deutsche Kunde sei generell etwas kritischer gegenüber Neuerungen, aber technisch interessiert. Krüger hofft: »Wer erst einmal mit einem Elektrofahrzeug fährt, wird schnell überzeugt sein.«


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